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Wein, Brot, Weihrauch und Co.

Wo die Kirchen ihre Verbrauchsmaterialien her bekommen – Hohenloher Pfarrer berichten

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Der Gottesdienst and Weihnachten ist für viele der einzige, den sie besuchen. Die Kirchen müssen sich aber im ganzen Jahr versorgen. Ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer berichten, wo sie ihre Waren herbekommen. 

Ob Hostie oder Brot beim Abendmahl – auch Kommunion und Eucharistie genannt – gereicht werden, diese Frage beantworten Pfarrer unterschiedlich.
Ob Hostie oder Brot beim Abendmahl – auch Kommunion und Eucharistie genannt – gereicht werden, diese Frage beantworten Pfarrer unterschiedlich.  Foto: Sebastian Gollnow

Vor 500 Jahren war es die Frage, die Mitteleuropa gespalten hat: In welcher Form ist Jesus im Abendmahl anwesend? Die Antwort dürfte heutzutage für viele Christen kaum mehr eine Rolle dafür spielen, ob sie evangelisch oder katholisch sind. Das Abendmahl ist aber noch immer zentral für die Konfessionen. Aber wo kommen eigentlich all die Verbrauchsmaterialien her? Unsere Redaktion hat nachgefragt bei Ingo Kuhbach, katholischer Dekan und Pfarrer in Mulfingen, und bei Konrad Köhnlein, evangelischer Pfarrer in Pfedelbach. Grundsätzlich gilt – das betonen beide: Die Besorgung liegt in den Händen der Gemeinden. 

Katholischer Messwein muss rein sein

Die Antwort auf die Frage von vor 500 Jahren ist wohl der Grund, warum in Kuhbachs Gemeinden pragmatischerweise für die Kommunion „meist spanischer Likörwein“ verwendet wird. Im katholischen Verständnis werden Brot und Wein in der Weihe tatsächlich zu Christi Leib und Blut – wobei sich an der chemischen Zusammensetzung nichts ändert, der Wein in der Form also Wein bleibt. Er wird durch die Weihe gewandelt. Die Folge: „Der Messwein darf nicht kippen.“ Der spanische Wein „verträgt auch einmal, drei Monate geöffnet zu sein“, erklärt Kuhbach. Denn in der Regel nimmt in der Kommunion nur der Geistliche den Wein entgegen, während die Gemeinde auch das Brot isst. Regionale Weine könne man nicht nehmen, betont er: „Es muss sichergestellt sein, dass es reiner Wein ist, nicht mit irgendwelchen Zusätzen.“ Es gibt entsprechende Lieferanten, die „messtauglichen“ Wein anbieten. Für seine Gemeinden werde bei Kirchenbedarfslieferanten bestellt.

Einfacher hat es Köhnlein. Nach Martin Luther ist Christus in dem Sakrament „real präsent“. Demnach verändern sich Brot und Wein nicht. „Uns ist wichtig, dass wir den Wein von der hiesigen Genossenschaft kaufen“, sagt Köhnlein. In den protestantischen Kirchen nehmen alle Gläubigen das Abendmahl in beiderlei Gestalt entgegen – also Brot und Wein.

Evangelisches Abendmahl: Brot von der Bäckerei

In Pfedelbach habe die evangelische Gemeinde vor einiger Zeit von Hostien auf Brot umgestellt, das bei einer Bäckerei vor Ort gekauft werde. „Wir wollen, dass es eher wie eine gemeinsame Mahlzeit ist.“ Dass in katholischen Gemeinden Brot verwendet würde, „wüsste ich nicht“, sagt Kuhbach. „Es wäre katholischerseits auch nicht richtig.“ Für Hostien gebe es bestimmte Voraussetzungen, außerdem gehe es „um die Begegnung mit Christus, der sich uns im ,Brot des Lebens’ schenkt“. Ob das in einer Scheibe Brot bewusst würde, „scheint mir fraglich“. Es gibt verschiedene Bäckereien, die sich auf Hostien und Oblaten spezialisiert haben.

Talar von Nürnberger Schneiderei – mit vorgegebenen Knopfabständen

Seinen Talar – das schwarze Gewand eines Pfarrers – hat Köhnlein seit der Ausbildung. „Am ersten Tag im Pfarrseminar sind die Schneider ins Pfarrkolleg gekommen“, erzählt er, das war im Jahr 2009. Gekostet habe er 500 bis 600 Euro. Da habe er sich von einer Nürnberger Schneiderei ausmessen lassen. Wie der Talar aussieht, ist von der Landeskirche geregelt, „bis hin zum Abstand der Knöpfe“. In der Regel habe ein Pfarrer einen Talar für die Karriere.  Seinen musste er bislang einmal ausbessern lassen. Wie es in der evangelischen Landeskirche in Württemberg möglich ist, hat der Pfedelbacher Kirchengemeinderat beschlossen, dass der Pfarrer an Festtagen auch eine Albe tragen kann – ein weißes Gewand mit einer Stola in der Farbe des Kirchenjahreszeit. 

Im Katholischen gibt es mehr Kleidungsstücke. Denn hier wechselt die Farbe des Gewands, das wichtigste wird Kasel genannt, nach dem liturgischen Kalender. „Da findet sich in den Sakristeien des Dekanats eine bunte Mischung“, sagt Kuhbach: Mitgebracht von Romwallfahrten, maßgeschneidert, zum Beispiel in den Paramentenwerkstätten der Klöster Sießen oder Reute, die auch individuelle Wünsche umsetzen, oder von Kirchenbedarfshäusern. „Wie oft Messgewänder angeschafft werden, hängt davon ab, wie lange sie halten und wie pfleglich mit ihnen umgegangen wird.“

Manche Geräte werden extra angefertigt, andere kommen vom Versandhandel

In der Pfedelbacher Kirche steht ein neuer Ambo – ein Lesepult. Den hat ein örtlicher Schreiner gemacht. Getauft wird aus einem historischen Geschirr von 1769. In der Mulfinger Pfarrkirche stehen Krippenfiguren eines Oberammergauer Schnitzers. In der St.-Anna-Kapelle hingegen Figuren aus Südtirol, die in einem Katalog bestellt wurden. Wie die kleinen metallenen Einzelkelche, die in Pfedelbach seit Corona für das Abendmahl verwendet werden. Hier herrscht Einigkeit in den Konfessionen: Kuhbach und Köhnlein nennen dafür den selben Kirchenbedarfs-Händler.

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