Hohenloher Einzelhandel trotzt zu Weihnachten der Krisenstimmung
Kunden kaufen ihre Geschenke bewusster ein als früher, erklären Hohenloher Einzelhändler. Ladenbesitzer in Öhringen und Künzelsau sind mit dem Weihnachtsumsatz größtenteils zufrieden, und das Geschäft geht nach den Festtagen munter weiter.
Vor dem Fest herrschte Aufruhr im Handel: Die Konsumfreude sei so niedrig wie zuletzt in der Krise 2008, so der Handelsverband Deutschland. Wenn nicht ein Weihnachtswunder geschehe, ende die wichtigste Jahreszeit für die Verkäufer im Desaster. Eine Umfrage unter Öhringer und Künzelsauer Händlern am Samstag (27.12.) zeigt: Ganz so schlimm ist es hier nicht gekommen. Die Mehrheit zeigt sich zufrieden. Und so rege, wie die Menschen am Samstag in die Stadt strömen, geht das Geschäft weiter – mit nur sehr wenigen Umtauschen.
„Öhringen blickt zufrieden auf die Umsätze.“ Die Erwartungen seien „größtenteils erfüllt“, das Vorjahresniveau „konnte gut erreicht werden“, verkündet Anna-Maria Dietz vom Händlerverein Öhringen. Lieblingsstadt. Am vierten Adventswochenende und vor Heiligabend habe das Geschäft nochmal angezogen und einen starken Endspurt beschert.

Einkaufs-Gutscheine: Warum der Öhringer Handel von diesem Trend gleich mehrfach profitiert
„Etwas rückläufig, wie überall“ war das Weihnachtsgeschäft bei Mode Frank in der Öhringer Innenstadt, bilanziert Claudia Brunner. Auch, weil die große Kälte bis vor Kurzem ausgeblieben sei und die Winterjacken noch im Lager lägen. Die Katastrophenwarnungen des Handels verortet sie eher in den Großstädten. Im ländlichen Raum gingen die Leute noch in die Läden: „Wir haben sehr viele Stammkunden.“ Die Vorteile des stationären Handels lägen auf der Hand: Man werde beraten, könne die Ware anfassen und sich von der Qualität überzeugen.
Auf letztere achte die Kundschaft verstärkt: „Es wird bewusster eingekauft“, stellt Brunner fest. Kunden kauften fast nur Dinge, von denen sie überzeugt sind, dass sie als Geschenk gut ankommen. Wer sich nicht sicher sei, nehme einen Gutschein. „Es wird auch viel Geld geschenkt“, stellt Brunner fest. Dass sich damit ein Trend verfestige, hat auch Händlersprecherin Dietz festgestellt. Und mit Geld in der Hand kämen die Kunden nach dem Fest erneut in die Läden – zumal viele Leute frei haben und gemeinsam Zeit beim Bummeln verbrächten. Gleichzeitig gebe es kaum noch Umtausche: Der einzige Rückläufer an diesem Vormittag sei kein Weihnachtsgeschenk gewesen, sondern ein Pullover, den die Käuferin selbst anziehen wollte und der zu sehr kratzt.

Öhringer Spielwarenhändler könnte sogar noch mehr verkaufen, als geliefert wird
„Wir sind zufrieden“, stellt Karlheinz Bauer von Spielwaren Bauer in Öhringen fest: „Wir hatten starke Tage vor Weihnachten“, vor allem der Montag vor dem Fest. Bauer profitiert vom Sondereffekt, dass seine Modelleisenbahnabteilung aufgelöst wird. Zum Ausverkauf kommen Kenner aus allen Richtungen nach Öhringen, zumal es Rabatt auf das kostspielige Spielzeug gibt. Zu ihnen gehört Raphael Böhm-Deuser aus Schöntal, der sich als „Dampflok-Fan“ outet. Der kleine Nathanael auf seinem Arm darf dafür einen Spielzeugtraktor steuern.
Aber auch Gesellschaftsspiele liefen wie geschnitten Brot, beim derzeit großen Hit namens „Hitster“ gebe es regelmäßig Engpässe und Verspätungen bei den Lieferungen. Was auch Bauer beobachtet: „Der Umtausch geht gegen Null“, auch weil die Qualität von Fernost-Ware besser geworden sei und er auch noch zahlreiche deutsche Hersteller im Angebot habe.
Dass die Kunden auch am Tag nach dem Fest weiter munter einkaufen, beweist Thomas Schäfer aus Pfedelbach. Er hat seinem Sohn Elyas (11) einen ersten Modellbausatz geschenkt: einen grünen Laster, Bruder Noah (13) versucht sich an einem Sportwagen. Nun braucht er noch das ganze Zubehör: Kleber, Messer, Pinzetten - erhältlich bei Bauer. Am Vormittag waren die drei bereits in Heilbronn im Media-Markt: Da war wohl richtig Trubel.

Künzelsauer Händler übertrifft die Erwartungen – und kennt dennoch auch die Kehrseite
Tageweise Trubel im Advent war laut Matthias Uebele, Chef der Händlervereinigung Kün aktiv, auch in Künzelsau – vor allem in Verbindung mit gutem Wetter, dem Weihnachtsmarkt und mit der Winterlounge. Sein Geschäft „Breuninger Lieblingsdinge“ habe sogar eine leichte Steigerung erlebt zum Vorjahr, der Inhaber spricht von einem „sehr starken Dezember“ und einem „starken Weihnachtsgeschäft – wenngleich Uebele zugibt, dass wohl nicht jeder Händler in Künzelsau so viel Glück hatte und mancher auch Rückgänge hätte.
„Man merkt schon, dass die Leute verunsichert sind“, gibt Uebele zu. Dass die Leute an Weihnachten sparten, hat er aber nicht beobachtet: Es sei eher so, dass man unterjährig einen Rückgang spüre. Bücher sowie Deko- und Geschenkartikel wie Wein, Grußkarten und Geschenkkörbe gingen unverändert gut. „Wir sind sehr dankbar, dass es die Kunden noch wertschätzen, Ladengeschäfte zu haben“, spricht Uebele für die Künzelsauer Händler. Auch beim ihm ist Umtausch „kein großes Thema“.

Den Winterschlussverkauf gibt es nicht mehr - oder doch?
Nach Weihnachten verfällt der Einzelhandel nicht in Winterstarre: Rabatte sollen vielerorts die Kundenfrequenz hochhalten. Auch, wenn der gesetzliche Winterschlussverkauf abgeschafft ist, lassen es sich viele nicht nehmen, mit satten Prozenten zu werben. Vor allem die Bekleidungsbranche setzt darauf, legt bereits die Frühjahrskollektion aus – während gleichzeitig die jüngst eingetroffene Kälte die Nachfrage nach Jacken steigert.
Manche Händler sind vor der Jahresinventur auch froh um jedes Stück, das sie nicht mehr mitzählen müssen: Sie werben mit „Inventurverkauf“.
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