Kunststoffe zu recyceln, ist per se heikel. AWH-Sprecherin Anja Kohr sagt: „Dies ist immer mit hohem Aufwand und mit hohen Kosten verbunden. Zudem ist für den überwiegenden Teil noch immer Erdöl die Basis.“ Ihr Appell: „Bedenken Sie vor dem Kauf, ob Sie es wirklich benötigen oder ob es nicht eine Alternative aus einem nachwachsenden Rohstoff oder besser zu recycelndem Material wie Metall gibt.“
Was darf nicht mehr in die Restmülltonne? Bei Kunststoffen herrscht größter Klärungsbedarf
Was darf noch in die Restmülltonne? Was muss separat entsorgt werden? Neue Trennregeln im Hohenlohekreis werfen etliche Detailfragen auf - so auch bei der Entsorgung alter Textilien.

Weniger Restmüll, mehr Recycling: Dieses Ziel wird ab 2025 noch strenger verfolgt und noch schärfer kontrolliert. Im Hohenlohekreis werden im März und Oktober ausgewählte Restmülltonnen gründlich analysiert: zunächst punktuell, anonym und ohne Konsequenzen. Ab 2026 könnten peniblere Kontrollen folgen: großflächig, öffentlich und sanktioniert mit Bußgeldern. So wie es seit 20. Oktober 2024 bei den Biotonnen der Fall ist.
Viele Nachfragen bei der Abfallwirtschaft
Bioabfälle und Elektrogeräte, Textilien und Kunststoffe sowie gefährliche Stoffe sind seit diesem Jahr tabu und müssen anderweitig entsorgt werden. So will es eine EU-Verordnung, die in nationales Recht übertragen wird. Darüber hat die Stimme am 8. Februar berichtet. In der Folge kontaktierten etliche Leser die Redaktion – mit der Bitte, weitere Details zu klären. Bei der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis (AWH) gab es ebenfalls viele Nachfragen.Abfall-ABC Was gehört jetzt nicht mehr in die Restmülltonne? Wo sind alle Infos bis ins kleinste Detail zu finden? AWH-Betriebsleiterin Silvia Fritsch verweist auf das Abfall-ABC, das online unter www.abfallwirtschaft-hohenlohekreis.de jederzeit abrufbar sei und ständig aktualisiert werde.
Komplexe Materie einfach auf den Punkt gebracht
Grundsätzlich gelte: „Alles, was sich sinnvoll wiederverwerten lässt und anderweitig entsorgt werden kann, darf nicht in die Restmülltonne.“ Oder anders gewendet: In die Restmülltonne dürfen nur noch Abfälle, die nicht mehr wiederverwertet werden können. Alles andere muss getrennt gesammelt werden: also in Bio- und Papiertonnen, Glascontainern und gelben Säcken, auf dem Recyclinghof, Wertstoffhof oder auf der Erd- und Bauschutt-Deponie, auf Grüngutplätzen oder an sonstigen Sammelstellen.
In der Restmülltonne landen zu viele Fremdstoffe
Fakt ist: In der Restmülltonne landen zu viele Fremdstoffe. Meist handelt es sich um organisches Material. „Das heißt, es wird Bioabfall und Grüngut als Restmüll entsorgt, anstatt ihn zu kompostieren“, sagt AWH-Sprecherin Anja Kohr. Leider fänden sich darin auch Elektrogeräte und Schadstoffe wie Batterien, die so nicht verwertet werden können.
Das gilt bei alten Kleidungsstücken und Schuhen
Bei diesen drei Müllarten dürfte klar sein, was geht und was nicht. Anders verhält es sich bei alten Textilien. Neu ist, dass sie nicht mehr in die Restmülltonne dürfen, sondern in Altkleidercontainern zu entsorgen sind. Und: Auch die AWH muss seit Januar solche Sammelbehälter bereitstellen, und sie tut dies auf ihren Recyclinghöfen und dem zentralen Wertstoffhof. Alte Kleidung und Schuhe dürfen aber auch wie bisher in die Container des DRK oder anderer privater Anbieter geworfen werden. Nur: Dort sind meist nur tragbare Stoffe erwünscht, während der Kreis auch defekte annimmt. Einzige Ausnahme: „Stark verschmutzte Textilien, die sich nicht mehr reinigen lassen, gehören nach wie vor in den Restmüll“, erklärt Kohr. Um bei externen Entsorgern wie dem Roten Kreuz auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Verbraucher deren Hinweise am Sammelplatz studieren oder direkt Kontakt mit ihnen aufnehmen.
Die Kunststoffe werfen am meisten Fragen auf
Bei der Entsorgung von Kunststoffen sei der Klärungsbedarf am größten. Kohr nennt vier wichtige Punkte. Erstens: „Die Entsorgung von Verpackungskunststoffen ist über den Gelben Sack geregelt. Dieser wird von den Dualen Systemen privatwirtschaftlich organisiert. Die Kosten tragen Verbraucher beim Einkaufen der verpackten Waren.“ Der Gelbe Sack habe also mit den von der AWH erhobenen Gebühren nichts zu tun. Deshalb sei es auch nicht zulässig, „materialgleiche Nichtverpackungen im Gelben Sack zu entsorgen“. Beispiel: Kinderspielzeug wie Rutschautos oder Kunststoff-Wäschekörbe gehörten nicht in den Gelben Sack.
Das gilt für Hartkunststoffe
Zweitens: Für Hartkunststoffe gebe es auf den Recyclinghöfen separate Sammelcontainer. Hier könnten Kunststoffprodukte ohne Weichmacher ohne zusätzliche Kosten entsorgt werden. „Das gilt also für das Rutschauto, den Wäschekorb oder Brotdosen aus festem, nicht verbiegbarem Kunststoff. Diese Produkte würden in den Restmülltonnen extrem viel Platz beanspruchen, sind jedoch kein Sperrmüll.“
Recyclingquoten sind das eine, tragbare Müllgebühren das andere
Drittens: „Wertstoffe – und damit auch Kunststoffe – die so stark verunreinigt sind, dass sie nicht recycelt werden können, gehören nach wie vor in den Restmüll.“ Viertens: Die Recyclingquoten seien das eine, tragbare Gebühren das andere. Die Entsorgung von Hartkunststoffen (ohne Weichmacher) sei ohne zusätzliche Kosten möglich. „Anders ist es bei Verbundmaterialien: Diese nach den verwendeten Materialien zu trennen und zu entsorgen, verursacht hohe Kosten. Deshalb wird das nicht separat gesammelt.“ Weitere Container für andere Kunststoffarten seien aus Platzgründen nicht möglich. „Die Mengen sind für eine gesonderte Abfuhr zu gering, um geeignete Verwerter zu finden.“ Ein Sammelcontainer mit anschließender Sortierung würde zudem hohe Gebühren nach sich ziehen.

Stimme.de
Kommentare
Helga Rothenhöfer am 20.02.2025 10:03 Uhr
Herr König hat vollkommen Recht.
Sebastian König am 19.02.2025 07:18 Uhr
Woher soll bei dem ganzen Bürokratiescheiß ein ganz normaler Bürger wissen, was noch irgendwo und irgendwie wiederverwertet werden kann? Die Aufklärung auch bei der Biotonne ist unzureichend, was sind verarbeite Speisen und was nicht etc.? Woher soll ich wissen wo Weichmacher drin sind und wann ein Kunststoff so verschmutzt ist, dass er in einer mir unbekannten Fabrik nicht mehr gereinigt werden kann? Die Erklärungen gehen völlig an der Zielgruppe und Lebensweise der meisten ganz normalen Menschen vorbei. Konkrete Beispiele und praktische Lösungen müssen her. Aber Hauptsache mit Sanktionen drohen.