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Wie entsteht neuer Wald?

Förster fordert: Hohenlohekreis braucht mehr Bäume

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Nur auf wenigen Flächen kann im Hohenlohekreis neuer Wald wachsen. Auf dem Gebiet des Kochertaler Revierförsters Thomas Schmitt entsteht nun ein neuer Wald, der CO₂ bindet – damit will er vor allem ein Zeichen setzen.

Orte zur Neuaufforstung sind im Hohenlohekreis rar, sagt Revierförster Thomas Schmitt. Der neue Wald soll einmal so aussehen, wie der links daneben.
Orte zur Neuaufforstung sind im Hohenlohekreis rar, sagt Revierförster Thomas Schmitt. Der neue Wald soll einmal so aussehen, wie der links daneben.  Foto: Götz Greiner

Bäume wachsen zwar von alleine, der Wald aber nicht. „Wir brauchen Wald, um CO2 zu binden“, fordert der Kochertaler Revierförster Thomas Schmitt. In seinem Gebiet wächst seit diesem Jahr südlich vom Forchtenberger Teilort Ernsbach ein neues Waldstück. Vor allem in der nahen Zukunft sorge das für Klimaschutz: „Das meiste CO2 wird im Alter zwischen 20 und 60 Jahren gespeichert“, aber über ihr ganzes Leben werden die Bäume das klimaschädliche Gas aufnehmen.

Der einstige Entwicklungshelfer in Thailand betont, dass andere Länder viel mehr unter dem Rückgang der Wälder leiden, auch durch die Folgen von Erosion bei Starkregen. „Wald ist auch eine natürliche Klimaanlage“, und durch ihn verdunste weniger Wasser. Dem Hohenlohekreis mangele es wiederum an Waldflächen, sagt Schmitt. Daten des Statistischen Landesamtes zeigen: von den umliegenden Landkreisen hat nur der Heilbronner weniger Waldfläche.

Allerdings hat die Fläche nur eine Größe von etwa 3000 Quadratmeter. Die kleine Fläche habe aber Symbolwirkung. „Es ist nicht einfach, eine Fläche zur Aufforstung zu finden“, sagt der Förster, der ab dem kommenden Jahr sein Revier an Andreas Wieland abgeben wird. Dieser wiederum ergänzt: Die Aufforstung werde in der Verwaltung vom Landwirtschaftsamt begleitet, nicht vom Forstamt. Denn die Wiese wurde vorher landwirtschaftlich genutzt. Es sei eine der wenigen Flächen, auf denen aufgeforstet werden könne. Der landwirtschaftliche Pächter habe sie abgegeben, „weil sie zu wenig Ertrag gibt“, erzählt Schmitt. Die Stadt Forchtenberg habe sie als Eigentümer zur Aufforstung freigegeben.

Es gibt wenige Flächen zum Aufforsten im Hohenlohekreis

Geeignete Flächen zum Aufforsten sind rar. „Das Landwirtschaftsamt sagt, es gebe so schon wenige Flächen für die Bauern.“ Auch viele nicht bewirtschaftete Flächen fallen weg, weil sie zum Beispiel als Baugebiete ausgewiesen werden oder unter Naturschutz stehen – letzteres gilt für die beiden am neuen Wald angrenzenden: eine Streuobst- und eine Flachlandmähwiese. Aufforstung sei nicht privilegiert, im Gegensatz zu beispielsweise Photovoltaikanlagen, Windrädern oder Landwirtschaft, deren Baumaßnahmen formell einfacher sind. Deswegen war auch für diese Bucht in dem Wald ein längeres Verfahren nötig, in dem festgeschrieben wurden, welche Bäume hier wachsen dürfen.

Auf der ehemaligen Wiese an einem Nordhang wird ein Eichenmischwald wachsen, wie östlich davon. Im Westen stehen Nadelbäume. Diese wurden in den 60er Jahren aufgeforstet, sagt Schmitt. Allerdings seien die Baumarten durch den Klimawandel, die immer häufiger vorkommende Trockenheit und den Käferbefall nicht zeitgemäß.

Diese Baumsorten stehen im neuen, „klimaresilienten“ Wald

Der neue entstehende Wald hat drei Zonen. Die Baumarten seien klimaresilienter als Fichte und Kiefer, betont Schmitt. Am nördlichen Rand, hin zu den Wiesen, wächst vor allem die Baumart Speierling. „Das ist eine Art, die von Österreich bis Norddeutschland vorkommt, aber im Hohenlohekreis ist sie selten“, sagt Schmitt. Hinter dem künftigen Waldrand entsteht ein breiter Streifen, in dem vor allem Eichen wachsen. Die Baumart „hat eine Umtriebszeit von 150 Jahren“, erklärt Wieland – so lange dauert es bis zur Ernte und so lange bindet sie CO2. Am südlichen Übergang zum bestehenden Wald wächst vor allem Vogelkirsche – „da gibt es viele Brombeersträucher, wir brauchen dort eine Art, die schnell wächst“, erklärt Schmitt. Zwischendrin wachsen mehrere unterschiedliche andere Baumarten gemischt.

Gepflanzt werden viel mehr Bäume als in dem Wald stehen werden. „Wir wissen noch nicht, welcher sich gut entwickelt“, erklärt Schmitt: Die Wurzeln können von Steinen blockiert werden oder andere Faktoren können das Wachstum beeinträchtigen. „Die Bäume brauchen sich, um sich gegenseitig hochzuziehen“, erklärt Wieland.

Waldarbeiter ersetzen Eichen, die im Sommer vertrocknet sind. Alle Bäume hatten Volksbank-Hohenlohe-Azubis gepflanzt. Die Firma bezahlte die meisten Setzlinge.
Waldarbeiter ersetzen Eichen, die im Sommer vertrocknet sind. Alle Bäume hatten Volksbank-Hohenlohe-Azubis gepflanzt. Die Firma bezahlte die meisten Setzlinge.  Foto: Götz Greiner

Aufforstung: So könnte es zukünftig im Hohenlohekreis sein

Sollte die Fleisch- und Milchproduktion im Hohenlohekreis zurückgehen, sei es möglich, dass weitere Flächen für die Aufforstung zur Verfügung stehen. Auch an den Hängen der Täler sei Aufforstung möglich – zumal vor wenigen hundert Jahren das Landschaftsbild auch schon ganz anders ausgesehen habe. „Dem Hohenlohekreis würde es jedenfalls gut tun, fünf Prozent mehr Wald zu haben“, schätzt der Förster Thomas Schmitt.

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