Von Pfedelbach in die Welt: Warum Pappteller aus Hohenlohe zeitgemäß bleiben
Der Kuchen vom lokalen Bäcker wie dem in Frankreich oder Italien wird auf Pappteller aus Pfedelbach gestellt. Trotz aller Nachhaltigkeitsbestrebungen hält sich das Produkt wacker am Markt. Ein Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft.

Im Sekundentakt wirft die Maschine die Teller heraus und stapelt sie hintereinander. Weiße und seit neuestem schwarze Teller sind es, in verschiedenen Formen. Mitarbeiter verpacken sie. Die Teller werden von Pfedelbach aus in die verschiedensten Länder verschickt, auch an viele Orte in Deutschland oder einfach zum nächsten Bäcker um die Ecke.
Pappteller überall zu finden
Neben einigen Weltmarktführern steht das Firmengelände von Europas größtem Papptellerhersteller Hosti fast ein wenig versteckt am Pfedelbacher Ortsrand. Was viele nicht wissen: Der Kuchen vom lokalen Bäcker wie dem in Frankreich oder Italien wird auf Pappteller aus Pfedelbach gestellt. Die Currywurst auf dem Weihnachtsmarkt oder die Portion Pommes werden ebenfalls meist auf Pappe made in Hohenlohe serviert. Trotz aller Nachhaltigkeitsbestrebungen hält sich das Produkt wacker am Markt. Denn Einwegteller zu verkaufen bedeutet nicht, dass man nicht nachhaltig sein könne, berichtet Hansjörg Stickel und blickt auf die Zukunft und Vergangenheit der 75-jährigen Firmengeschichte.
Firmengeschichte
„Wir haben früh angefangen, unser Produkt kritisch zu sehen, da es eben ein Wegwerfprodukt ist.“ Das ist Geschäftsführer Hansjörg Stickel, der das Geschäft von seinem Onkel und seinem Vater übernommen hat und bereits seit über 20 Jahren mitwirkt, wichtig. Das Rohmaterial sei deshalb so ökologisch wie möglich und auch die Herstellung werde seit Jahrzehnten möglichst umweltschonend gehandhabt. Der Standort in Pfedelbach sei klimaneutral. In Pfedelbach möchte man bleiben, denn die Verbundenheit zu Hohenlohe ist Hosti ebenfalls wichtig. Die erste Maschine im Vorraum der Pfedelbacher Firma steht direkt unter dem Bild des Firmengründers Emil Stickel, der in Bessarabien (Moldawien) geboren ist. Hansjörg Stickel erzählt von seinen Vorfahren, die „alle bodenständig, alle Landwirte waren“. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Firmengründer Emil mit seiner Frau Eva und den beiden Kindern sein Land verlassen und landete in Hohenlohe, in Untersöllbach, mit dem Ziel, sich selbstständig zu machen. In der italienischen Gefangenschaft habe er sein Talent fürs Geschäftemachen erkannt, so sein Enkel. Doch mit was, habe er nicht gewusst. Hansjörg Stickel erzählt: „Er traf zufällig auf den Buchhändler Rau, der ihm geraten hat, Pappteller zu machen. Er meinte, in Cafés und Bierzelten brauche man das.“ Im damaligen Café Huber in Öhringen erkundigte sich Emil Stickel. Und tatsächlich: Die Teller zum Kuchenverkauf wurden händeringend gesucht und das Café Huber bestellte gleich 1000 Stück.

Also machte sich Emil Stickel an die Produktion und stellte die Teller mit einer Maschine her, die eigentlich für Schuhe war und die er für sich umgebaut hatte. Produktionsstätte war zunächst ein alter Schweinestall. Hansjörg Stickel berichtet: „Die Teller sind dann von der ganzen Familie mit Zug oder Fahrrad ausgeliefert worden, bis man Anfang der 50er Jahre mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters eine Firma in Pfedelbach fand.“ Im Zuge des Wirtschaftswachstums wuchs auch die Firma und zog um. Zudem: „Wir haben früh angefangen, eigene Maschinen zu bauen und entwickeln diese bis heute weiter“, sagt Hansjörg Stickel. Sein Vater Siegfried und sein Onkel Gunter übernahmen die Firma Anfang der 1960er Jahre. Vor allem sein Onkel Gunter kümmerte sich hauptsächlich um die Maschinen.
Schnellere Produktion
Stickel erklärt: „Damals haben wir zehn Teller in der Minute hergestellt, heute sind es 150.“ Seit Ende der 90er Jahre wird in zwei Schichten gearbeitet. Nach wir vor. Denn auch wenn der Boom der 2000er Jahre nachgelassen hat, der Trend zu Mehrweg geht, gibt es noch Pappteller. „In unserem Leben braucht es Einweggeschirr“, meint der 55-Jährige. Dass man mit einem Behälter zum Bäcker gehe, um Kuchen zu holen, habe sich noch nicht durchgesetzt. Zudem erschließt das Unternehmen neue Felder: Tiefkühlprodukte sollen nicht mehr in Plastik, sondern vermehrt in Pappe verpackt werden. Oft braucht es nur eine kleine Veränderung: Die Pappteller in schwarz seien auf gehobenen Festen derzeit sehr beliebt.
Produktion im Sekundentakt
Insgesamt werden bei Hosti rund 18 000 Tonnen Rohkarton in einem Jahr verarbeitet. Das Unternehmen könnte im Jahr bis zu zwei Milliarden Teller herstellen. Das Familienunternehmen, welches in dritter Generation geführt wird, besteht inzwischen aus drei Firmen mit insgesamt 185 Mitarbeitern. Im Werk in Tschechien arbeiten 35. In Pfedelbach laufen die Maschinen in drei Produktionshallen. Gefeiert wird das 75-Jahre-Jubiläum am Samstag mit einer Gala für geladene Gäste in der Nobelgusch.
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