Urlaubsmesse CMT: Der Norden will im Süden ganz oben sein
Sechs Ferienregionen von der Kurpfalz bis zum Lieblichen Taubertal und von Kraichgau-Stromberg bis Hohenlohe laufen sich bei der CMT 2025 warm für den ersten Gemeinschaftsstand 2026. Die neue Tourismusmarke ist schon präsent. Was ist von dem neuen Geist bei den diesjährigen Messeauftritten sonst noch zu spüren?

„Im Süden ganz oben“: Diese Marke ist ganz neu auf der Urlaubsmesse CMT. Noch wird sie eher im Kleinen sichtbar in Halle 6. Doch in einem Jahr wird der Slogan dort ganz oben prangen und sechs Ferienregionen an einem gemeinsamen Stand vereinen. Als da wären von West nach Ost: Kurpfalz und Kraichgau-Stromberg, Odenwald und Heilbronner Land, Liebliches Taubertal und Hohenlohe. 2025 präsentieren sich diese Gebiete letztmals solo.

„300 Quadratmeter“: So groß soll der neue Stand schon sein, meint Bernhard Mosandl, der seit 1. Juli 2024 die Geschäfte der Tourimia Tourismus GmbH führt. Sie wurde im Februar gegründet, um dem touristischen Norden des Landes eine einheitliche und prägnante Werbebotschaft zu verpassen – wobei die bestehenden Vermarktungsstrukturen auf Kreisebene erhalten bleiben.
Größte Vorzüge der sechs Ferienregionen gemeinsam in die Waagschale werfen
Alle wollen jetzt aber „im Süden ganz oben“ sein und ihre größten Vorzüge gemeinsam in die Waagschale werfen: also Radfahren und Wandern, Wein schlürfen und typische Leckereien genießen, Landschaft und Natur erleben, Kunst und Kultur bewundern – und dabei auch mit dem Wohnmobil durch die Gegend kurven. Damit noch mehr Besucher von auswärts den Norden neu entdecken und die Vielfalt in der Einheit schätzen lernen können. Auch den Einwohnern soll ihre Heimat noch schmackhafter gemacht werden – inklusive der Nachbargebiete. Gleiches gilt für potenzielle Fachkräfte, nach denen die Unternehmen so vehement lechzen. Denn nur dort, wo es sich auch im Alltag und in der Freizeit gut leben lässt, fühlen sich Berufstätige heutzutage wirklich wohl.

„Im Süden ganz oben“: Die neue Marke hat hier und da bereits Einzug gefunden auf der diesjährigen CMT. Mit dem sogenannten „Branding“ ausgestattet wurden alle Gläser, in die an den Ständen Wein ausgeschenkt wird. Auf allen Namensschildern steht dieser Claim. Werbefahnen tragen die frohe Botschaft ins Land. Und sogar die ersten Werbemittel sind schon mit dem neuen Schriftbild konzipiert und gedruckt worden: etwa die Broschüre zum „Wohnmobilurlaub“.

Kleiner Gemeinschaftsstand auf Rad- und Wandermesse mit kompletter Karte
Auch der „Radschmetterling“ flattert mit seinen „vier Touren für Naturliebhaber rund um die Frankenhöhe“ über den kleinen Gemeinschaftsstand auf der Rad- und Wandermesse in Halle 9. Dort steht Rita Eberl von der TG Kraichgau-Stromberg und meint: „Mit dem neuen Konzept können wir viel mehr Aufmerksamkeit und Aha-Momente schaffen.“ Die Visualisierung samt vollständiger Karte sei Gold wert, alle Nordregionen seien auf einen Blick erkennbar und abgrenzbar, aber auch kombinierbar. Diese „Vielfalt in der Einheit“ komme am besten an. „Vor allem Stuttgarter interessieren sich für diesen geeinten Norden und können nun viel besser nachvollziehen, wie nah die sechs Ferienregionen beieinander liegen und wo etwa das ,Land der 1000 Hügel’ tatsächlich liegt, von dem man zwar schon gehört hat, es aber nie so recht verorten konnte.“ Anderen Besucher gefalle, dass es „mal etwas Neues“ auf der touristischen Landkarte gebe – neben den allseits bekannten und für einige doch recht „abgevesperten Gebieten wie Schwarzwald oder Bodensee“.

Hohenloher sind mit der Angleichung an die neue Marke am weitesten
Am weitesten der neuen Marke „Im Süden ganz oben“ angeglichen haben sich die Hohenloher an ihrem optimierten Gemeinschaftsstand. Und sie haben sich das etwas kosten lassen. „50 000 Euro“, verrät Marion Schlund, die sich bei der TG Hohenlohe um Marketing und Digitalisierung kümmert. Am auffälligsten sind die frischen Bild- und Videosequenzen. Sie flimmern über die großen LED-Leinwände, die den Hohenlohe-Kubus ummanteln. Der Stand wirkt offen und transparent. Und bietet deshalb genügend Platz, um am Montag zum Schauplatz des ersten offiziellen Empfangs von Tourimia in der Messehalle 6 zu werden.

„Das Thema ist jetzt abgeräumt“
Erleichterung ist spürbar. „Die Kooperation wurde über zwanzig Jahre sehr kontrovers diskutiert“, sagt Christoph Schauder, Landrat des Main-Tauber-Kreises. „Dieses Thema ist jetzt abgeräumt.“ Mehrere Anläufe waren gescheitert, zuletzt 2017 wegen des Namens für die Destination. Der spielt nun keine Rolle mehr, denn unter der Marke „Im Süden ganz oben“ können sich alle sechs Ferienregionen als gewachsene Einheiten wiederfinden. Und „Tourimia“? Kommt in der direkten Kundenansprache gar nicht vor. Die GmbH ist seit seit 1. Januar auf vier Mitarbeiter gewachsen. Im Juli soll die neue Internetseite online gehen. Die Social-Media-Kanäle werden neu konzipiert. Printprodukte zu Radfahren, Wein und Co werden neu designt. „Ansonsten arbeiten wir ganz auf die nächste CMT hin“, so Mosandl.

So wollen sich Landkreis und Stadt Heilbronn einbringen
Auch die TG Heilbronner Land will die neue Dachmarke immer sichtbarer machen: auf der Homepage und den Social-Media-Kanälen ist dies schon passiert. „Wir sind überzeugt, dass die Kooperation viele Synergien heben wird“, meint Landrat Norbert Heuser. „Die Produktion von qualitativ hochwertigem Videomaterial war bisher ein Schwachpunkt für uns und unsere Partner“, sagt Geschäftsführerin Tanja Seegelke. Wichtig sei, sich technisch noch besser zu vernetzen. Die Stadt Heilbronn will ebenfalls „ihren Beitrag leisten“, selbst wenn sie nicht Gesellschafter ist. Steffen Schoch, Chef der Heilbronn Marketing GmbH, wünscht sich, „dass unsere Themen passgenau eingebaut werden“, also: „Wein und Wissen am Neckar“.

Stadt Schwäbisch Hall schert 2025 aus und schlüpft unter Dach der Region Stuttgart
Die Stadt Schwäbisch Hall wirbt bei der CMT 2025 unter dem Dach der „Erlebnisregion Stuttgart“ – und nicht am gemeinsamen Hohenlohe-Stand. Warum das? „Weil bei uns im Jahr 2025 das Thema Kultur absolut im Fokus steht und wir eine Reihe bedeutender Jubiläen feiern“, so Touristik-Chefin Sabine Nestler. „Unter diesem Aspekt sahen wir uns diesmal hier besser aufgehoben als am Hohenlohe-Stand, wo der Schwerpunkt eher auf Landschaft und Natur liegt.“ Am Ende könne man halt nicht „an zwei Ständen gleichzeitig sein“. Und was ist 2026? „Es ist ja gerade viel in Bewegung im touristischen Norden“, sagt Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Daniel Bullinger. „Wir beobachten gespannt, wie es weitergeht.“ Der neue Slogan „Im Süden ganz oben“ sei jedenfalls „sehr gelungen“.
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