Der stärkste Mann von Hohenlohe: Christoph Carle betreibt Strongman-Sport
Einen Lkw ziehen oder einen 200 Kilogramm schweren Stein heben: Das ist das Hobby des Forchtenbergers Christoph Carle. Für den Strongman-Sport nimmt der 30-Jährige einiges auf sich – und kämpft gegen so manches Vorurteil.

Die Plätzchen stehen auf dem Küchentisch bereit, „bei mir geht keiner hungrig aus dem Haus“, sagt Christoph Carle lachend. Eher ungewöhnlich für einen Leistungssportler. Doch bei dem Sport, für den sich der 30-Jährige entschieden hat, geht es nicht ums Kalorienzählen. Wobei: Eigentlich doch. Allerdings eher darum, genügend Kalorien zu sich zu nehmen. Denn Carles Hobby ist der Strongman-Sport. Und den betreibt er auf hohem Niveau.
Hohenloher Christoph Carle über die Faszination Strongman
Autos oder Lastwagen über eine bestimmte Distanz ziehen, Baumstämme stemmen oder sogenannte Atlas-Steine mit zum Teil über 200 Kilogramm Gewicht auf ein Podest ablegen, das sind nur einige der zahlreichen Disziplinen, die es beim Strongman gibt. „Der Sport hat seine Ursprünge in den Wikingerspielen“, erklärt Christoph Carle.
Seit 2019 ist der Forchtenberger aktiv in diesem Kraftsport. Und der ist viel mehr als Lkw ziehen und Steine schubsen, erklärt Carle die Faszination: „Der Sport ist alltagstauglich. Sei es bei einem Umzug, da trage ich auch mal eine Kommode, oder beim Wasserkisten schleppen“, zählt er lachend auf. „Und es gibt so viele Variationen“, erklärt er die unterschiedlichen Disziplinen, die der Sport mit sich bringt. „Manche werden auf Zeit, andere auf Strecke wieder andere nach dem Gewicht bewertet.“

Forchtenberger kam vom Kampfsport zum Strongman
Begonnen hat bei Carle alles mit Kampfsport. Bei einer Trainingsstunde im Sportstudio in Öhringen traf er einen ehemaligen deutschen Strongman-Meister. „Der hat mich quasi entdeckt, einen Plan für mich ausgearbeitet und mich zu meinem ersten Wettkampf mitgenommen“, erklärt Carle. Dort erreichte er in seiner Leistungsklasse U 105, also unter 105 kg Körpergewicht, direkt den vierten Platz. „Ich war am Ende total glücklich, ich wollte mich ja nur mal austesten“, erinnert sich Carle.
Das war im Jahr 2019. Seitdem gab es einiges, was ihn hätte stoppen können: Etwa ein Motorradunfall, bei dem er sich das Schlüsselbein brach. „Aber ich hab mich danach wieder hoch gearbeitet.“ Carle nimmt für den Sport einiges auf sich, denn im Hohenlohekreis gibt es kein spezielles Studio. „Und für ein normales Fitnessstudio bin ich zu laut, 200 Kilogramm machen Lärm, wenn die auf den Boden krachen“, sagt er lachend. Und so fährt der Forchtenberger regelmäßig rund 40 Minuten nach Walldürn, wo er trainiert. „Die einen fahren in die Kneipe, ich geh ins Fitnessstudio“, sagt er dazu. „Es hat was gesellschaftliches. Es ist ein wahnsinniger Zusammenhalt unter den Sportlern. Auch wenn man gegeneinander antritt, macht man den Sport miteinander.“
Die Ernährung als Strongman ist besonders
Zehn Wettkämpfe bestritt Carle alleine im vergangenen Jahr, einige davon auch im Ausland. Aktuell beginnt er nun nach der Weihnachtspause wieder mit leichterem Training, denn bald beginnt die Saison. Der erste Wettbewerb findet auf der Messe Fibo im April statt. Dabei hofft Carle auf Disziplinen, die ihm gefallen, denn erst vier Wochen vorher wissen die Athleten, welche Disziplinen dran kommen. Dann heißt es für Carle drei bis viermal die Woche Krafttraining, dazu Kardio und natürlich Stretching.
Ein wichtiger Teil im Sport ist – wie bei jedem Leistungssport– die Ernährung. „Das ist wie bei einem Auto: Wenn man nichts reinfüllt, fährt es nicht“, erklärt Carle die Menge an Essen, die er benötigt. Fünf bis sechs Mahlzeiten pro Tag können es werden, kurz vor einem Wettkampf bedeutet das eine Steigerung auf bis zu 5000 Kilokalorien pro Tag. „Aber ohne Süßigkeiten, das ist schon alles geplant und so gesund, wie es halt geht im Leistungssport.
Carle wünscht sich Strongman-Wettbewerb in Hohenlohe
“Für die Zukunft der Sportart würde sich Carle wünschen, dass sie wächst – und er vielleicht sogar mal einen Wettkampf im Hohenlohekreis ausrichten kann – doch dafür benötigt es Sponsoren. „Und ich würde mir wünschen, dass die Leute verstehen, dass es ein Vorurteil ist, dass alle dumm sind, die stark sind“, so der Maschinenbauingenieur.

Es gibt es auch zahlreiche Frauen im Strongman-Sport
Anders als der Name es denken lässt, gibt es auch zahlreiche Frauen im Strongman-Sport. „Auch die Frauen bei uns bewegen unglaubliche Gewichte“, erklärt Christoph Carle. Bei der Sportart Strongman ist weniger Maximalkraft sondern vielmehr Kraftausdauer und Kondition gefragt, um die Anforderungen der unterschiedlichsten Wettbewerbsdisziplinen zu erfüllen. „Wer es selber mal probieren will, kann sich gerne im Stützpunkt in Walldürn melden oder mir auf Instagram unter christoph-carle schreiben“, sagt der Forchtenberger.
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