Stricken verbindet: "Nitikitti"-Community bringt Frauen in Hohenlohe zusammen
In Brettach treffen sich rund 15 Frauen der Nitiknitti-Community zum gemeinsamen Stricken: Kuschelige Pullover, Schals und Mützen entstehen bei Kaffee, Tee und vor allem schönen Gesprächen.
Die Nachmittagssonne taucht die Terrasse des Landhauses Rössle in ein warmes Licht. Weil es noch etwas kühl ist in der Frühlingssonne, haben fast alle Frauen, die um den reich gedeckten Tisch sitzen und mit den Nadeln klappern, ein Wolltuch, einen Schal oder eine kuschlige Strickjacke übergeworfen. Selbstgestrickt, natürlich. Denn das verbindet die etwa 15 Frauen: das Stricken. Dazu treffen sie sich immer wieder bei Inka Thomßen-Pils in Brettach. Dort gibt es ausreichend Platz. Außerdem leckeren Tee oder Kaffee sowie am Abend ein gemeinsames Essen. Und vor allem: jede Menge Inspirationen.

Stricken verbindet: "Nitiknitti"-Community bringt Frauen zusammen
Die Frauen beweisen: Stricken verbindet. Nicht nur eine Masche mit der anderen, sondern auch Menschen. „Wir haben uns bei einem digitalen Grobstrick-Workshop kennengelernt“, erzählt Inka Thomßen-Pils, wie der Kontakt zu Anita Freitag-Meyer (56) entstanden ist. Dem Online-Kontakt folgten Treffen im realen Leben, obwohl die Frauen etwa 600 Kilometer trennen. Denn Anita Freitag-Meyer lebt in Verden (Niedersachsen).
Dort führt sie eine Keksfabrik in dritter Generation, hat aber auch ihr Hobby zum Beruf gemacht und Nitiknitti gegründet. „Niti ist mein Spitzname“, erklärt sie das Wortspiel. Daraus entstanden ist eine große, lebendige Community strickender und häkelnder Frauen. Die versorgt sie mit immer neuen Ideen, Anleitungen, Magazinen und vor allem mit wunderschöner Wolle.
Inka Thomßen-Pils hat ein kuschliges beiges Dreieckstuch über der blau-weiß gestreiften Bluse. Einige Stühle weiter entsteht ein ähnliches in Pink Birgit George trägt einen flauschigen braunen Kurzarm-Pullover. Wie der in Orange aus? Eine der Frauen hat die Maschen dafür angeschlagen. Einige Tage später wird sie es zeigen. Anita Freitag-Meyer trägt einen blau-braun gestreiften Pullover. Auch der ist in ihrem Nitiknitti-Magazin zu finden. Dort erfährt man dann auch, dass es dafür 13 Knäuel Cashmere Air braucht, in Größe S.

Zu den Events bringt Anita Freitag-Meyer immer Wolle mit. Und drei ihrer Mitarbeiterinnen. Birgit George, die sich viele der Strickanleitungen ausgedacht hat, gibt Tipps und verrät Tricks, wie die Maschen besonders gleichmäßig werden oder die Zu- und Abnahmen gelingen. „Sie sorgt dafür, dass alle Projekte zu einem guten Ende gebracht werden“, erklärt Anita Freitag-Meyer.
Stricken entspannt: Hobby selbst im Auto umsetzbar
Was sicher nicht wundert: Maschen fallen in dieser Runde nur selten von der Nadel. Dafür wird gestrickt und geredet. Gleichzeitig. Mit Augenkontakt. Stundenlang. Schon beim Frühstück. Anita Freitag-Meyer lacht: „Ich kann Dich ansehen UND stricken.“ Die umsitzenden Frauen lachen bestätigend. Und fügen hinzu: "Stricken macht süchtig".

Corinna Ziegler verrät: „Ich kann auch beim Autofahren stricken.“ Sie konkretisiert: „Für potentielle Staus haben wir immer Strickzeug dabei.“ Die Frauen sind sich einig: Stricken entspannt. Meistens. „Ich bin heute die Ribbel-Queen“, seufzt Christine Wilhelmi. Ribbeln, das heißt aufziehen.
„Make yourself proud" lautet das Strick-Motto
Doch das entmutigt die 60-Jährige nicht. Auf keinen Fall: Seit 55 Jahren ist Stricken ihr liebstes Hobby. Mit fünf Jahren hat ihr die Mutter beigebracht, wie sie ihrem Meggi, einem Igel, eine Hose strickt. Heute bleibt sie bei den schwersten Mustern entspannt. „Make yourself proud.“ Das ist das Motto der Community um Anita Freitag-Meyer. In den Magazinen gibt es einige Seiten mit Bildern von gelungenen Strick-Ergebnissen.

Online sind die Frauen das ganze Jahr über verbunden. In real sie ich manches Mal bei einem – schnell ausgebuchten – Community-Dinner. Oder eben in kleineren Grüppchen. Inka Thomßen-Pils, Ursula Grabert und Maylin Pospiech sind die Hohenlohe-Fraktion.

Die Sonne ist untergegangen. Jetzt wird es trotz kuschligem Schal und Pulli zu frisch auf der Terrasse. Die Frauen ziehen um Richtung Kaminzimmer. Dort ist es nicht nur warm. Es gibt auch neue Wolle zu entdecken.
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