Starkregen und die Folgen: Was Bürger tun können
Infoabend zum Starkregen in Pfedelbach findet guten Zuspruch – Besucher können sich vor Ort Tipps für eigenes Haus geben lassen

Eine Kostprobe, was Starkregen und Hochwasser bedeuten, haben viele Hausbesitzer auch in diesem Jahr bekommen. Und diese Ereignisse werden laut Prognosen zunehmen. Das trifft auch Gemeinden und Städte, die sich deshalb mit Starkregenrisikomanagement beschäftigen. So auch Pfedelbach. Bei diesem Konzept sind in den vergangenen Jahren genaue Karten entstanden, die für jedes Haus zeigen, wie groß die Gefahren bei extremen und weniger extremen Wetterereignissen sind. Bei einem Infoabend am Mittwoch konnten Bürger in der Pfedelbacher Nobelgusch unter anderem auf dem Bildschirm ihr Haus ganz individuell begutachten und sich Tipps geben lassen.
Wann spricht man von Starkregen
Der Deutsche Wetterdienst spricht von Starkregen, wenn in einer Stunde mehr als zehn Millimeter, beziehungsweise in sechs Stunden mehr als 20 Millimeter Regen fallen. Mithilfe von Daten, Messungen und Beobachtungen sind die Karten von den BIT Ingenieuren erstellt worden. Projektleiter Adrian Makus ist oft selbst bei Starkregen zu den Orten gefahren. Das Engagement hat sich bewährt. Der Pfedelbacher Bürgermeister Torsten Kunkel erklärt: „Dass die Karten sehr genau sind, hat sich dieses Jahr gezeigt.“ Ein Blick auf Pfedelbach zeigt, „wie kleinräumig Zellen sind“, erklärt Makus. Das bedeutet, da könne Schaden entstehen.
Starkregen kann fast jeden treffen
Bei der Erstellung der Karten gibt es drei Starkregen-Szenarien. In einer Stufe gehe man davon aus, dass die gesamte Niederschlagsmenge pro Monat in einer Stunde niederprasselt. Weiter erklärt der Fachmann den Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen. Letzterer kann jeden treffen, eben auch jene, die weiter oben leben, wenn aus einer Klinge das Wasser nach unten fließt. Insgesamt hat ein Strategienmanagement drei Schritte, erklärt der Fachmann. Dazu gehören auch Lösungen. Für die Gemeinde ist die Frage, welche Gebäude sie schützen muss. Auch für die Zukunft, etwa wenn Baugebiete geplant werden, kann man auf die Daten zurückgreifen und Schlüsse ziehen. Auf der einen Seite ist die Kommune gefragt. Derzeit liegen mehr als 160 Vorschläge für bauliche Maßnahmen, die komplett verschieden von Aufwand und vor allem von den Kosten sind, in Pfedelbach. Nach und nach wird geprüft. Denn die Gemeindekasse ist klamm.
Oft helfen auch kleine Maßnahmen
Auf der anderen Seite muss auch jeder Bürger selbst aktiv werden. Im Anschluss an den Vortrag der Ingenieure kann sich jeder selbst ein Bild machen an den einzelnen Stationen. Lena Döttling zoomt auf dem Bildschirm auf die einzelnen Häuser. „Ich will sie nicht erschrecken, aber sie sind lokal bei den höchsten Werten“, erklärt sie einem Ehepaar, das in der Nähe eines Bachs lebt. Doch es gibt Lösungen, oft auch einfache, die einen guten Effekt brächten: wie etwa die Lichtschächte hochzusetzen. Viele der Zuhörer, zwischen 70 und 80 sind es, wollen etwas tun, um sich zu schützen, das ist das „sehr Positive“ Fazit von Bauamtsleiter Dominic Kühnle am Abend. Aus allen Ortsteilen sind Besucher gekommen. Die meisten aus dem Kernort.
Was man noch tun kann
Andreas und Susanne Röger sind aus Ohnholz und haben schon erlebt, dass das Wasser auf der Straße entlangläuft. Ein benachbarter Landwirt wusste sich bei Regen kurzerhand zu helfen und hob eine Grube aus, in die das Wasser fließen konnte. Wichtig ist ihnen zudem, dass die Gemeinde regelmäßig nach Gruben oder Einläufen sieht. Auf dieses Thema geht Makus auch später noch ein. Hier seien ebenfalls die Bürger gefragt, die Äste aus dem Weg zu räumen. An jeder der vielen Stellen könne das die Gemeinde nicht leisten.Es biete sich auch an, eine Warn-App zu abonnieren und nicht zuzuschauen, wie das Wasser in den Keller läuft. Was viele unterschätzen: Wer im Keller sitzt, wenn das Wasser 30 Zentimeter tief ist, bekomme die Türe nicht mehr auf.
Karten online finden
Ist mein Haus bei Starkregen gefährdet? Das können Bürger selbst im Internet verfolgen. Auf der Seite https://gdi-hohenlohekreis.de/m/hokis/ stimmt man den Nutzungsbedingungen zu und gelangt zu einer Karte des gesamten Hohenlohekreises. Unter dem Menüpunkt oben links auf der Seite findet sich der Punkt Karte öffnen. Daraufhin gelangt der Nutzer zu einem Fenster, wo auch die Starkregenkarte zu finden ist. In dem Suchfeld über der Karte kann eine genaue Adresse eingegeben werden. Unten am Bildschirmrand in den orange hinterlegten Themen lässt sich die unterschiedliche Überflutungstiefe bei verschiedenen Ereignisse ablesen, ebenso wie die Fließrichtung des Wassers in einer 3D-Übersicht erkennen.
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