Sprachkompetenz junger Menschen stärken: Großer Wurf müsste national motiviert sein

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Das „Sprach-Fit“-Konzept des Landes für sprach-schwache Kinder ist gut, greift insgesamt aber zu kurz, meint unser Autor. 

Immer mehr Kinder sind sprachlich so schwach, dass sie den Übergang von der Kita in die Grundschule erst gar nicht schaffen oder dann im Unterricht völlig überfordert sind.
Immer mehr Kinder sind sprachlich so schwach, dass sie den Übergang von der Kita in die Grundschule erst gar nicht schaffen oder dann im Unterricht völlig überfordert sind.  Foto: Ole Spata

Der jüngste Hilferuf kommt von 1100 hessischen Lehrern. In einer Resolution schlagen sie Alarm, weil immer weniger Grundschüler in der Lage seien, an einem geregelten Unterricht teilzunehmen. Die Liste der Mängel ist lang. Viele könnten nicht mal einen Stift richtig halten. Hinzu kämen massive Sprachprobleme, was nichts Neues ist.

Problem frisst sich seit Jahren von oben nach unten

Die Grundschullehrer beklagen, sie würden von der Politik im Stich gelassen und gravierende gesellschaftliche Probleme auf ihrem Rücken abgeladen. Fakt ist: Das Problem frisst sich seit Jahren von den weiterführenden Schulen bis zu den Grundschulen und hat längst auch die Kitas erreicht. Schulsozialarbeit ist bei den Jüngsten angekommen. Niedernhall und Pfedelbach, Neuenstein und Kupferzell haben solche Angebote für ihre Kindergärten geschaffen. Das ist richtig und wichtig.

Wer soll das alles bezahlen?

Auch die hessischen Lehrer fordern in ihrem Brandbrief noch mehr Sozialpädagogen und Psychologen. Nur: Fachkräfte im Bildungsbereich sind schon jetzt Mangelware. Und: Wer soll das alles bezahlen? Was zu der Frage führt: Müsste der Staat nicht viel mehr und so früh wie möglich in die Bildung von Kindern und deren Eltern investieren, anstatt sie und deren Familien später mit sozialen Leistungen zu kurieren? Die Antwort ist ein klares Ja. Wenn den genügend Personal verfügbar ist.

Ein großer Wurf sieht anders aus

Kein Land in Europa steckt so wenig Geld in das eine und so viel in das andere. Die für Bildung zuständigen Länder sitzen finanziell am kürzeren Hebel, während der Bund einen weitaus größeren Teil der Steuermittel mit vollen Händen für Sozialleistungen ausgibt. Das „Sprach-Fit“-Konzept ist gut. Nur kommt es sehr spät und kann die krassen Defizite wohl nur oberflächlich lindern. Ein großer Wurf sieht anders aus – und müsste national motiviert sein.

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