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Seniorenheim in Künzelsau öffnet nach viermonatiger Schließzeit wieder

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Nachdem das Max-Richard und Renate Hofmann-Haus in Künzelsau wegen Personalmangels geschlossen hatte, ziehen nun wieder Bewohner ein. Was sich verändert hat.

Im Hallstattweg 34 soll ab sofort wieder Leben einkehren.
Im Hallstattweg 34 soll ab sofort wieder Leben einkehren.  Foto: Ludwig, Tamara

Es ist still im Max-Richard und Renate Hofmann-Haus. Noch sind in den Gängen mit den orangefarbenen Wänden keine Gespräche zu hören, die Sessel, Sofas und Stühle in den Gruppenräumen sind leer. Seit vier Monaten hat die Pflegeeinrichtung im Künzelsauer Hallstattweg geschlossen. Wegen Personalmangels mussten die Bewohner nach Pfingsten ins benachbarte Seniorenzentrum St. Bernhard umziehen.

Die Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung als Trägerin der beiden Einrichtungen wollte so die weitere Betreuung der Menschen gewährleisten. An diesem Donnerstag ziehen nun wieder Bewohner ins Hofmann-Haus ein, bringen das Leben in die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten zurück. Los geht es zunächst mit acht Bewohnern – sieben Rückkehrer und eine Person, die neu von St. Bernhard ins Hofmann-Haus wechselt. Insgesamt 26 Plätze in zwei Wohngruppen bietet das Haus.

Seniorenheim bekommt neues Pflege- und Betreuungskonzept

Die Schließzeit habe man genutzt. So sei das Gebäude stellenweise saniert worden, auch Personal habe man akquiriert, sagt Friedemann Müns-Österle, Pressesprecher der Keppler-Stiftung. Außerdem habe man das Pflege- und Betreuungskonzept neu ausgearbeitet. Konkret bedeutet das: Die Bezeichung „Zentrum für Demenz“ für das Hofmann-Haus fällt weg, die bislang geschlossene Tür werde geöffnet.

Ist damit nicht der Kerngedanke des Stifter-Ehepaars Hofmann obsolet, dem besonders das Thema Demenz am Herzen lag? Das verneint Pia Theresia Franke, Vorständin der Keppler-Stiftung. „Als das Haus gegründet wurde, war es ein revolutionärer Gedanke, das Thema Demenz in die Gesellschaft zu tragen“, erklärt sie. Inzwischen, zehn Jahre später, sei das Thema in den Pflegeeinrichtungen viel alltäglicher. Der inklusive Ansatz, also das Miteinander von dementiell Erkrankten und nicht betroffenen Bewohnern habe sich als sinnvoll und bereichernd erwiesen. „Demenz sollte etwas Gewöhnliches sein, im besten Sinne“, so Franke.

Demenz nicht verteufeln

Myriel Deckert, Leiterin von St. Bernhard und nun auch vom Hofmann-Haus, ergänzt: „Das integrative Konzept ist eigentlich Normalität.“ Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen – die einen geistig, die anderen körperlich – leben zusammen und helfen sich gegenseitig. Sie setze sich dafür ein, Demenz nicht zu verteufeln, sondern damit leben und umgehen zu lernen. Das Leben könne auch mit Demenz noch schön sein. „Wir wollen den Menschen als Ganzes sehen, mit all seinen Kompetenzen, die er nach wie vor hat“, betont sie.

Wie man vorbeugen will, dass Personalmangel nicht zur erneuten Schließung führt, erklärt Nneka Chukwu-Brecht, Regionalleiterin der Keppler-Stiftung: Man habe nun in St. Bernhard und dem Hofmann-Haus ein einheitliches Konzept. Das sei für die Mitarbeiter künftig einfacher und sie könnten demnach leichter in beiden Einrichtungen eingesetzt werden. Jedes Jahr wolle man zudem drei Auszubildende einstellen. Zusätzlich, so ergänzt Pia Theresia Franke, habe man Fachkräfte aus dem Ausland angeworben.

Ausländische Mitarbeiter sollen Personalmangel entgegenwirken

„Wir haben uns in dem Bereich lange zurückgehalten“, erläutert sie. Doch nun sei man sehr zufrieden. „Das sind gut ausgebildete Leute aus ganz unterschiedlichen Kulturen und mit Deutschkenntnissen.“ Unter anderem von den Philippinen und aus Indien käme das Pflegepersonal. Eine der größten Herausforderungen sei die Wohnungssuche für die zehn ausländischen Mitarbeiter gewesen. Hier würde sich Klaus Günthör, Vorstand der Keppler-Stiftung, mehr Flexibilität von den Behörden wünschen. Etwa wenn es darum gehe, Mitarbeiter für ein paar Tage in einem freien Zimmer in der Einrichtung unterzubringen, bis beispielsweise die gemietete Wohnung bezugsfertig sei.

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