Edelstahl und Anbau: Ingelfinger Schwimmhalle soll für zwei Millionen Euro saniert werden

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Nach 40 Jahren ist es wieder an der Zeit, die Schwimmhalle zu sanieren, sagt eine Studie. Ein Ingenieur erklärt, welche Änderungen sinnvoll sind und wie der Zeitplan aussieht.

Die Ingelfinger Schwimmhalle wurde in den 1980er-Jahren letztmals saniert – jetzt ist es wieder an der Zeit.
Die Ingelfinger Schwimmhalle wurde in den 1980er-Jahren letztmals saniert – jetzt ist es wieder an der Zeit.  Foto: Hannes Weik

Der Beschluss zur Sanierung ist einstimmig. Das zeigt: Den Stadträten liegt die Schwimmhalle am Herzen. Dass die Frage, ob die Sanierung des Bades in Angriff genommen werden soll, eine emotionale ist, das impliziert bereits die rhetorische Frage von Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer: „Ist das Schwimmbad Ihnen so wichtig wie mir?“, fragt er vor dem Votum.

Den Tagesordnungspunkt hatte er bereits begonnen mit: „Mir liegt es am Herzen.“ Und zwar wegen der Freizeitgruppen und weil „alle Kinder, die mit der vierten Klasse fertig sind, schwimmen können.“ Auf der anderen Seite stehe: Wenn man Kosten und Nutzen gegenrechne, „kann man den Schlüssel herumdrehen und Schluss ist“ – eine schwarze Null sei mit Bad nicht möglich.

Fliesen sind nur noch „ein unebenes Etwas“

Die Stadt hatte eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse Ingenieur Rolf Linsemeier von Aqua-Technik Freiburg in der Sitzung am Dienstag vorstellt. Das Becken sei sanierungsbedürftig. „Die Fliesen sind ein unebenes Etwas“, sagt er, mit vielen abgeplatzten Teilen. Wegen dieser Schäden sei das Becken undicht. Die sogenannte Wiesbadener Rinne – eine nach unten gerichtete Kuhle am Beckenrand, in der das Wasser abfließt – habe nur noch Bestandschutz und müsse bei einem Umbau ausgetauscht werden.

Die Badewassertechnik müsse erneuert werden: Die Filter, die Desinfektionsanlage und der Schwellwasserbehälter seien aus dem Jahr 1984. Den bezeichnet der Ingenieur in seinem Vortrag als „U-Boot“, weil Bauer ihn so bezeichnet habe: Es ist ein 16 Kubikmeter großer Tank aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Außerdem müsse die Decke erneuert werden. Immerhin gebe es an den bestehenden Toiletten und Umkleidekabinen keinen Sanierungsbedarf, deswegen seien sie nicht Teil der Studie gewesen.

Becken soll 40 Zentimeter über Fußboden sein

„Ich plädiere für ein Edelstahlbecken“, sagt Linsenmeier: Das sei unter anderem dicht verschweißt, pflegeleicht und senke die Unterhaltungskosten „deutlich“. Allerdings sei es in der Anschaffung die teuerste Variante. Auf Dauer rechne sich das aber wegen der Haltbarkeit. Zuletzte sei das Material recyclebar – im Gegensatz zu einer günstigeren Folienauskleidung, „die zehn Jahre hält und dann Sondermüll wird“. Bauer ergänzt: „Von Folie wird in öffentlichen Bädern abgeraten“, sie könne zu leicht mutwillig zerstört werden.

Das Edelstahlbecken solle in das derzeitige Becken eingesetzt werden, empfiehlt Linsenmeier in seinem Vortrag. Um die Wassertiefen (zwischen einem und 1,6 Meter) zu erhalten, schlägt Linsenmeier vor, den Rand auf 40 Zentimeter über den Boden des Beckenrands zu erhöhen. Das habe mehrere Vorteile: Kleine Kinder, die um das Becken herum laufen, können nicht einfach hineinfallen. „Senioren können sich auf diese Konsole setzen und in das Wasser gleiten.“ Bei der Reinigung des Fußbodens fließe das Schmutzwasser nicht mehr in das Bad.

Treppen stören beim Bahnenschwimmen

Im Zwischenraum zwischen Edelstahlbecken und derzeitigem Boden werden die Kanäle verlaufen, sodass das gefilterte Wasser über die ganze Fläche des Bades einfließen kann, statt wie bisher nur am Beckenrand.

Die Positionen der beiden Leitern am einen Ende des Beckens sollen erhalten bleiben. Nicht so die beiden Treppen, die den Beckenrand auf der anderen Seite in drei etwa gleich große Teile teilen. Sie hätten beim Bahnenschwimmen gehindert, weil sie die Wende erschwert hätten. Eine Treppe in der Ecke soll sie ersetzen. Außerdem sieht Linsenmeier eine neue Markierung der Bahnen am Boden vor.

Edelstahlbecken soll 345.000 Euro kosten

Dazu einen Lift für Rollstuhlfahrer. Für eine Behindertentoilette soll ein Raum angebaut werden, der mit dem Euroschlüssel auch von außen zu betreten ist. Das könne über das Programm „Toilette für alle“ gefördert werden. Die Kosten kalkuliert er auf etwa zwei Millionen Euro. Das Edelstahlbecken ist dabei mit 345.000 Euro eingepreist, der Toilettenanbau mit 125.000 Euro und die Badewassertechnik mit über 200.000 Euro. Mit dem Beschluss beauftragt der Rat die Verwaltung, die Mittel für 2026 einzuplanen und Förderanträge zu stellen. Die Sanierung soll über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gefördert werden.

Bau und Sanierung

Das Ingelfinger Schwimmbecken hat eine Größe von knapp 17 auf etwa acht Meter. Es ist im Jahr 1962 gebaut und in den Jahren 1984 und 1985 saniert worden.Danach seien immer wieder andere Arbeiten durchgeführt worden, zum Beispiel wurden die Decke, die Duschen und Umkleidekabinen gedämmt, die Heizung erneuert und Solarthermie auf das Dach gesetzt, erläutert Bürgermeister Michael Bauer. Die Planungsphase samt Vergabe der Arbeiten für die neuerliche Sanierung dauere nach den Schätzungen des Leiters der Studie, Rolf Linsenmeiers Schätzung 16 Monate.Der Umbau dauere etwa acht Monate. Es werde also frühestens im Jahr 2027 gebaut, schätzt Bauer. 

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