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Wettbewerbe und Start-ups

"Schüler ist aufgeblüht": Wie das Schlossgymnasium Künzelsau Talente fördert

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Seit diesem Schuljahr gibt es für Schülerinnen und Schüler des Schlossgymnasiums in Künzelsau die Talentförderzeit. Dort haben sie die Möglichkeit, an Wettbewerben teilzunehmen oder ihr eigenes Unternehmen zu gründen.


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Wie kann man die Schüler zum ökonomischen Gründen bringen? Diese Frage hat sich Steffen Deibel vom Schlossgymnasium in Künzelsau gestellt und unter anderem gemeinsam mit Christoph Börner die Talentförderzeit ins Leben gerufen.

Schule mit Förderschwerpunkt: Schlossgymnasium Künzelsau will auch gute Schüler fördern

„Wir sind eine Schule mit sehr starkem Förderschwerpunkt. Als Aufbaugymnasium liegt der Schwerpunkt stark auf der Defizitförderung“, sagt Johannes Smolka, Direktor des Gymnasiums. „Wenn man den Förderbegriff ernst nimmt, dann müssen auch gute Schüler weiter gefördert werden.“

Im Rahmen der Talentförderzeit am Schlossgymnasium Künzelsau haben sich Schülerinnen und Schüler zusammengetan, um an dem Wettbewerb Jugend gründet teilzunehmen. Dabei sind ganz unterschiedliche Ideen entstanden.
Im Rahmen der Talentförderzeit am Schlossgymnasium Künzelsau haben sich Schülerinnen und Schüler zusammengetan, um an dem Wettbewerb Jugend gründet teilzunehmen. Dabei sind ganz unterschiedliche Ideen entstanden.  Foto: Seidel, Ralf

Mit der Talentförderzeit möchte die Schule dort ansetzen. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, wie gut oder schlecht ein Schüler oder eine Schülerin ist. Das Wichtigste sei, dass sie Lust haben und motiviert sind.

Talentförderung am Schlossgymnasium Künzelsau: Schüler nehmen an Wettbewerben teil

Bereits in den vergangenen Schuljahren hatten Schüler die Möglichkeit, an Wettbewerben teilzunehmen. „Das haben wir im Unterricht so nebenher gemacht“, sagt Deibel. „Ein Schüler, der in der Schule nicht so gut war, hat an einem Geschichtswettbewerb teilgenommen. Ist dort aufgeblüht und hat diesen dann auch gewonnen“, sagt der Geschichtslehrer. Das sei mit der Ansporn gewesen, die Förderung aus dem Unterricht auszugliedern.

Seit Schuljahresbeginn arbeiten 30 Schülerinnen und Schüler dienstags nach der Unterrichtszeit von 16.30 bis 18 Uhr an ihren Projekten. Unterstützt werden sie dabei von den Lehrkräften, die durch eine Förderung der Landesregierung das Unterfangen bewerkstelligen können. „Wir begleiten sie, wenn sie ein Projekt erstellen, aber trotzdem müssen sie alles selbst machen“, so Deibel. Die Lehrkräfte stehen bei allen Rückfragen zur Verfügung.

Talentförderzeit konzentriert sich auf Vorbereitung verschiedener Wettbewerbe

300 schulische Wettbewerbe haben sich die Lehrer dafür angeschaut und die herausgesucht, die die Schüler am meisten weiterbringen. Neben klassischen Wettbewerben des Landtags nehmen die Schüler auch an Redewettbewerben teil oder an Wettbewerben von anderen staatlichen Stellen. Vorbereitet wird sich sowohl in der Talentförderzeit als auch außerhalb des Gymnasiums.

So auch beim Wettbewerb Jugend gründet. Steffen Deibel beschreibt das Projekt: „Die Schüler und Schülerinnen können mit der eigenen Gründung im gesicherten Rahmen scheitern.“ Denn, dass Start-ups scheitern, sei ein Fakt. „Es ist gut, wenn die Jugendlichen die Kompetenzen, die sie für eine erfolgreiche Gründung benötigen, schon früh erlangen.“ Der schulische Rahmen gibt dabei Sicherheit. „Es darf auch schiefgehen“, sagt Christoph Börner. Bei Jugend gründet schlüpfen die Jugendlichen in die Rolle der Gründer und erarbeitet theoretisch, wie sie ein Unternehmen aufbauen. Erstellt wird ein Businessplan, und in einem Planspiel spielen die Schüler die Unternehmensgründung durch.

Schüler am Schlossgymnasium Künzelsau gründen Unternehmen in Theorie

„Wir fanden es interessant, was in die Hand zu nehmen und etwas Eigenes zu machen“, sagt Anna Bühler. Gemeinsam mit vier Freundinnen hat sie die Firma SmartopHlast gegründet. „Vor allem in jungen Jahren hilft es uns enorm zu reifen und Verantwortung zu übernehmen und bringt uns auch was fürs spätere Leben“, ergänzt Madlen Messerschmidt. Dass alles theoretisch abläuft, hat die fünf Freundinnen überzeugt. „Es gibt keine großen Risiken“, sagt Bühler. Gerade seien sie in der Vervollständigungsphase. Sie arbeiten an der Kalkulation und überlegen, welche Partner geeignet seien für ihr Projekt. Bis zum 7. Januar muss alles stehen. Dann endet die Abgabefrist für den Wettbewerb.

Steffen Deibel (links) und Christoph Börner helfen den Schülerinnen bei Fragen rund um ihre Firmengründung.
Steffen Deibel (links) und Christoph Börner helfen den Schülerinnen bei Fragen rund um ihre Firmengründung.  Foto: Seidel, Ralf

Auch Leonard Nied nimmt an dem Wettbewerb teil und hat sein Unternehmen theoretisch aufgebaut. Überzeugt, am Projekt teilzunehmen, hat ihn Steffen Deibel. „Wenn man jung anfängt, dann lernt man viel für die Zukunft“, sagt der 14-Jährige. Er möchte später einmal ein eigenes Business aufbauen, da hilft ihm der theoretische Aufbau von Jugend gründet.

"Wollten vorher schon Firma gründen": Das sagen Künzelsauer Schüler

Alexander Weine und Ludwig Ehmann sind schon einen Schritt weiter. Sie haben den Sprung von der Theorie in die Praxis gewagt und wollen ihre Idee in die Tat umsetzen. „Wir wollten vorher schon eine Firma mit Freunden gründen. Wegen verschiedener Regularien ist das schwer. Bei Jugend gründet haben wir jetzt die Möglichkeit“, erklärt Ehmann. Die zwei Freunde begeistern sich für Wirtschaftsthemen, erst fanden sie die Talentförderung stressig, „aber Jugend gründet klang gut“, sagt Weine.

Mit Weinmann wollen die zwei durchstarten. „Wir machen Ziegel“, sagt Ehmann. „Diese sorgen dafür, dass das Dachgeschoss im Sommer kühl bleibt und sich nicht aufheizt. Und dabei sind wir günstiger als vergleichbare Produkte.“ Die beiden Zehntklässler arbeiten dabei mit dem Fraunhofer-Institut Dresden zusammen. Dafür opfern sie viel Zeit. „Wir arbeiten meistens außerhalb der Schule an unserem Projekt. Die Talentförderzeit sehen wir eher als Treffpunkt und um Dinge nachzufragen“, erklärt Weine.

Eine App hat Máximo Chávez Balmori programmiert. Die Teilnahme bei Jugend gründet bringen ihm Vorteile. „Ich lerne neue Strukturen kennen und bin disziplinierter.“ Für ihn bedeutet die Entwicklung der Firma auch Selbstverwirklichung, „das macht mich selbstbewusster“. Er freut sich, dass die Kommunikation mit den Lehrern so gut ist und dass sie ihn bei seinem Vorhaben unterstützen. „Es ist schön zu sehen, dass die Schüler wollen“, sagt Deibel. Er fühle sich beflügelt. Selbst zu wirken, bringe Schülern enorm viel. „Das Ziel ist es, dass die Schüler hungrig werden nach mehr.“

Nach Wettbewerbszeitraum: Konzentrieren auf weitere Maßnahmen

Ausflüge wie zu den Campus Founders auf dem Bildungscampus in Heilbronn oder Gastdozenten sind wichtige Punkte, um die Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern. „Sie geben Einblicke von außen“, sagt Deibel. Auch hört mit dem Ende der Wettbewerbe die Talentförderzeit nicht auf.

„Wir wollen weitere Maßnahmen nach den Wettbewerben angehen“, sagt Christoph Börner. Beispielsweise möchten sie im zweiten Halbjahr den Fokus auf Methodentraining legen und eigenständiges Lernen weiter ausbauen. Das übergeordnete Ziel der Talentförderzeit ist es, „dass unsere Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu anderen Schulen einen Vorteil haben“, erklärt Johannes Smolka.

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