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Sanierung des Freibads Michelbach startet – wann es wieder öffnet, ist umstritten

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Endlich wieder baden können: Dieses Ziel verfolgt die Gemeinde Michelbach mit dem Sanierungsprojekt des örtlichen Freibads, das nun beginnt. Die Stadt Öhringen zahlt den Großteil, das Land unterstützt mit dem Höchstfördersatz.

Schwere Geräte stehen im Becken des Michelbacher Freibads. Mit Oberbürgermeister Thilo Michler am Steuer soll das „Bädle“ schon nächstes Jahr wieder öffnen. Rainer Dieroff (links) und Klaus Hornung sind gespannt, ob das klappt.
Schwere Geräte stehen im Becken des Michelbacher Freibads. Mit Oberbürgermeister Thilo Michler am Steuer soll das „Bädle“ schon nächstes Jahr wieder öffnen. Rainer Dieroff (links) und Klaus Hornung sind gespannt, ob das klappt.  Foto: Cumart, Aleyna

Mit festem Griff stehen Oberbürgermeister Thilo Michler, Ortsvorsteher Rainer Dieroff und sein Vorgänger Klaus Hornung, Vertreter von Stadtbauamt und Lokalpolitik sowie der Planungsbüros bereit. Auf das Signal Michlers werfen sie gemeinsam Erde, die sie zuvor mit ihren Spaten aufgenommen haben, in die Luft. Der symbolische Akt markiert den Startschuss für die langersehnte Sanierung des etwa 60 Jahre alten Freibads in Michelbach, das seit zwei Jahren geschlossen ist. 

Wasserverlust im Freibad in Michelbach: Sanierung lange fällig 

„Die Sanierung war schon lange fällig“, sagt Christian Hanselmann, Leiter der Bäderbetriebe in Öhringen. „In den letzten Jahren vor der Schließung wurde es immer schwieriger, den Betrieb aufrechtzuerhalten – vor allem, was die Einhaltung der Wasserqualität anging“, erklärt er. „Am Ende hatten wir es mit einem massiven Wasserverlust zu tun. Das Becken war undicht, das Rohrleitungssystem ebenfalls – alles war schlicht marode und in die Jahre gekommen.“ Hanselmann erinnert sich an den Moment im Frühjahr 2022, kurz vor der geplanten Eröffnung der Badesaison: „Wir hatten das Becken gerade gefüllt, um es vorzubereiten, und am nächsten Tag mussten wir feststellen: Das Wasser war weg.“ Seitdem ist das Bad geschlossen.

Die Probleme des Freibads reichen jedoch weiter zurück. Bereits im Frühsommer 2019 sorgten Rohrbrüche für erhebliche Schäden und ließen viele Bewohner um die Zukunft ihres geliebten „Bädles“ bangen. Dank der schnellen Reparatur durch die Stadt und der engagierten Unterstützung der Bürgerschaft konnte das Freibad in der zweiten Sommerhälfte vorerst wieder öffnen. Im März 2020 richtete eine Bürgerversammlung den Fokus auf die langfristige Perspektive. Hier wurden die Weichen für eine grundlegende Sanierung gestellt. Aufgrund der Corona-Pandemie geriet das Projekt jedoch vorübergehend in den Hintergrund. Erst jetzt, nach intensiven Beratungen und Planungen, kann die Sanierung beginnen.

"Nur ein Traum": Oberbürgermeister über das gewünschte Sanierungsende 2025

„Heute ist für Michelbach und ganz Öhringen ein schöner Tag“, sagt Oberbürgermeister Michler. Er ist zuversichtlich, dass das traditionsreiche „Bädle“ im nächsten Jahr wieder genutzt werden kann – wenn auch nicht pünktlich zum Start der Badesaison. „Ein genaues Datum können wir nicht nennen. Wir wissen es nicht“, sagt Michler vor DLRG, Stadträten, dem Ortsvorsteher und Bauleitern. „Der Traum wäre natürlich irgendwann nächstes Jahr zu Pfingsten“, so Thilo Michler. „Aber das ist nur der Traum. Sicher ist, dass wir im nächsten Jahr noch ein, zwei Mal reinhüpfen können. Auch wenn erst im Spätsommer.“ Eine komplette Badesaison werde wahrscheinlich nicht möglich sein, vermutet er. 

2025 wieder baden, das hält Stadtbaumeister Frank Hildebrand für unrealistisch. „Ich habe leider die Erfahrung im Baubereich gemacht, dass es immer zu Verzögerungen kommt, von allen möglichen Ecken, die wir heute noch gar nicht absehen können“, sagt Hildebrand. Trotzdem werde natürlich versucht, es hinzubekommen. Sommer 2026: Diesen sieht er als realistischen Zeitpunkt für die sichere Fertigstellung. Dabei betont er, dass der Fortschritt der Arbeiten stark wetterabhängig ist. „Betonbau kann nicht bei Frost stattfinden. Wenn es stark unter minus fünf bis sieben Grad geht, wird es schwierig“, erklärt er. Auch einige Leitungen könnten dann nicht zusammengeschweißt werden. „Aber ansonsten könnten wir den Winter eigentlich durchgehend arbeiten“, sagt Hildebrand. 

Stadt Öhringen investiert Millionen für das Bauprojekt: "Wir wollen baden"

Insgesamt kostet die Sanierung 3,3 Millionen Euro. Nach Abzug des Zuschusses des Landes Baden-Württemberg in Höhe von 750 000 Euro trägt die Stadt Öhringen den Großteil der Kosten. Ursprünglich wurde von einer Gesamtinvestition in Höhe von drei Millionen Euro ausgegangen. Die Entscheidung das Becken mit langlebigem Edelstahl anstelle der zunächst geplanten Folie auszukleiden, führte schließlich zu Mehrkosten. Diese Änderung wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen, wie der Oberbürgermeister betont. Auch seitens der Bürger habe es keine Einwände gegeben. Alle seien sich einig: „Wir wollen baden“, so Michler.

Die Baumaßnahmen im Michelbacher Freibad umfassen die Sanierung des Bestands: Alte Becken weichen modernen Edelstahlbecken, ein neuer Technikraum entsteht, und die Leitungs- sowie Filtertechnik wird erneuert. Künftig wird Trinkwasser statt Quellwasser verwendet, und Solarpanels sollen das Wasser beheizen. „An den Eintrittspreisen ändert sich nichts“, versichert Oberbürgermeister Thilo Michler. Die Freude auf die Eröffnung ist groß. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Bädermeister Christian Hanselmann über das Freibad in Öhringen. 

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