Voll besetzt mit rund 340 Gästen ist die Stadthalle am vergangenen Sonntagmorgen beim Bürgerempfang.
Foto: Ludwig, Tamara
Die Stadt lädt ein – die Bürger strömen in Scharen herbei: Dass beim Bürgerempfang in der Stadthalle Ingelfingen kein Stuhl leer bleibt, ist fast schon eine Tradition. Das liegt sicher nicht allein am Interesse der Menschen daran, was in ihrer Stadt kommunalpolitisch war, ist und sein wird. Auch wenn Bürgermeister Michael Bauer dahingehend natürlich bestens vorbereitet ist. Das liegt vor allem an mal prominenten, mal weniger prominenten, aber stets hervorragenden Gastrednern, die die Veranstaltung bereichern. Dieses Mal ist es Schauspieler und Autor Samuel Koch, der mit einem inspirierenden Vortrag die Zuhörer auf das noch junge Jahr 2026 einstimmt.
Bürgermeister Bauer vermittelt beim Bürgerempfang in Ingelfingen Zuversicht trotz aller Krisen
Zuvor aber dürfen sich die Ingelfinger über ihre Stadtkapelle freuen, die mit „A little Opening“ die Veranstaltung nicht nur eröffnet, sondern ihr auf gewohnt hohem musikalischen Niveau direkt den ersten Höhepunkt verpasst. „Zum Jahreswechsel fragen wir uns, was war gut, was war weniger gut“, beginnt Bürgermeister Bauer mit seiner Ansprache. Den Wohlklang der Stadtkapelle noch in den Ohren, ist so viel sicher: Das war schon mal gut. Und obwohl Bauer auf ein „turbulentes“ 2025 zurückblickt, er die Herausforderungen und Krisen unserer Zeit benennt, er von Gewissheiten spricht, die ins Wanken geraten sind, vermittelt er dennoch Zuversicht.
Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer bei seiner Ansprache.
Foto: Ludwig, Tamara
Das neue Jahr werde das, „was wir daraus machen“. Auch wenn die Medien von negativen Schlagzeilen dominiert seien und sich die weltweiten Krisen auch auf die Kommunen und unser aller Leben auswirkten, laute die gemeinsame Aufgabe: „Das Vertrauen in ein friedliches, demokratisches und lebenswertes Miteinander zu stärken und immer wieder aufs Neue zu verteidigen.“ Spontaner Applaus.
Gastredner Samuel Koch begeistert in der Ingelfinger Stadthalle das Publikum
Ähnlich wie Michael Bauer stellt auch Samuel Koch in seinem Gastbeitrag das Positive in den Mittelpunkt, ohne das Negative auszublenden. Koch, der seit einem Unfall in der Fernsehsendung „Wetten, dass...?“ querschnittgelähmt ist, grenzt sich bewusst von eher oberflächlichen Motivationsbotschaften ab: „Es gibt von meiner Seite keinen klassischen ‚Yes you can‘-Vortrag.“ Stattdessen spricht er offen über „Burnout, Antriebslosigkeit, Wut, Angst“, über die dunklen Stunden nach dem Unfall, die ein Wendepunkt seines Lebens waren. Trotz aller Schwere habe er die Erfahrung gemacht, irgendwann wieder Freude und eine Beseeltheit empfinden zu können.
Samuel Koch begeistert das Publikum mit einem inspirierenden Vortrag.
Foto: Ludwig, Tamara
„Niemand macht es sich gerne schwer im Leben“, stellt Samuel Koch klar und zeichnet in diesem Zusammenhang den technischen Fortschritt als Kette von Erfindungen, die das Leben erleichtern (sollen): vom Feuer, über das Rad, bis zu Kaffeemaschine, Spülmaschine, Waschmaschine. Ironisch zeigt er auf, dass Technik das Leben nicht nur vereinfacht, sondern auch verkompliziert – etwa durch die Autokorrektur beim Smartphone, die aus einem „Sorry Schatz, ich steh im Stau, ich verpass’ Dich heut Abend“ auch schon mal „Sorry Schatz, Du dumme Sau, ich verlass’ Dich heut Abend“ macht. Die Lösung dafür sollte die Sprachnachricht sein, doch die gerate bisweilen zum Podcast oder Hörbuch. Auch dafür gebe es wieder eine Lösung: „die Wiedergabebeschleunigung“. Die steht für Koch dabei aber für eine noch größere Entwicklung – „unsere beschleunigte, immer schneller gewordene Zeit“.
Samuel Koch betont in Ingelfingen die Wichtigkeit von Werten in der Gesellschaft
Neue Technologien – bis hin zu künstlicher Intelligenz – drohen, den Menschen nicht nur zu unterstützen, sondern „uns zu überholen und vor allem auch zu überfordern“. Das Resultat: „Je leichter wir uns das Leben im Außen machen, desto schwerer ist es im Inneren damit klarzukommen.“ Was seiner Ansicht nach wirklich zählt: „Gute Werte wie Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Nächstenliebe“. Sie seien weder auf dem Smartphone zu finden „noch bei Google Maps“ und lassen sich nicht per Update oder Beschleunigung erzeugen.
Sein Fazit am Ende eines inspirierenden Vortrags: „Ich versuche, zufrieden zu sein, ohne mich zufrieden zu geben.“ Das klingt doch nach einem guten Vorsatz für 2026.
Städtische Projekte
In seiner Ansprache blickt Bürgermeister Michael Bauer auf die kommunalen Projekte, die 2026 prägen werden. Darunter die Bauprojekte „Alte Volksschule“ sowie das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Dörrenzimmern, die abgeschlossen werden sollen. Die Teilsanierung des DGH Weldingsfelden wolle man angehen, ebenso wie den barrierefreien Umbau einiger Bushaltestellen. Das Baugebiet „Innere Klinge“ in Criesbach soll erschlossen, der Breitbandausbau mit Zuschüssen selbst in die Hand genommen werden.
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