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Hommage im Freilandmuseum Wackershofen

Roland Bauers Fotografien zeigen Leben auf dem Land

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Er hat die Reichstagsverhüllung fotografiert, die kühnsten Hotelneubauten. Vor allem aber hält Roland Bauer Menschen fest mit seinen Fotografien, die hohen Wiedererkennungswert haben. Von dem Fotografen, der dieses Jahr 75 Jahre alt wurde, und seinem Werk, das ab Sonntag zum Teil in Wackershofen gezeigt wird.

Von Andreas Harthan
Roland Bauer zeigt einen Teil seiner Arbeiten im Freilandmuseum Wackershofen. Foto: privat
Roland Bauer zeigt einen Teil seiner Arbeiten im Freilandmuseum Wackershofen. Foto: privat  Foto: privat

Dass er eines Tages zu den renommiertesten Fotografen in Deutschland gehören würde, war Roland Bauer nicht in die Wiege gelegt. Seine Eltern waren Weingärtner in Cannstatt bei Stuttgart. Also musste er „was Gscheids“ lernen. Das hieß in den 1960er-Jahren zum Bosch oder zum Daimler gehen. Roland Bauer wollte eigentlich nur fotografieren, hatte sich schon als Jugendlicher ein Labor im heimischen Keller eingerichtet.Aber er beugte sich dem Willen der Eltern, wurde Elektromechaniker. Doch seine Leidenschaft, das Fotografieren, ließ ihn nicht los. In Dortmund studierte er Visuelle Kommunikation.

Roland Bauer hat ein Auge für die Schönheit

 Immer wieder führten ihn Ausflüge nach Hohenlohe. Als er eines Tages von Tierberg mit seiner späteren Frau Andrea das Tal hinabging, hatte er eine Art Erweckungserlebnis: „Als wir um die Kurve kamen, blieben wir wie angewurzelt stehen. Da standen zwei ältere Menschen vor ihrem Häuschen. Ich konnte kaum glauben, was ich sah: Es war viel schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. In Gedanken sah ich schon meine ersten Fotos.“ Die beiden Wanderer waren in Winterberg angekommen, einem kleinen Weiler in völliger Abgeschiedenheit bei Braunsbach. Die beiden kamen mit den Alten, dem Geschwisterpaar Kathe und Gottfried Wendel, ins Gespräch, und waren fasziniert von diesen Menschen, die in einfachsten Verhältnissen lebend wie aus der Zeit gefallen schienen.

Roland Bauer zeigt das Leben auf dem Land

1978 verlegten Bauer und Deininger ihren Wohnsitz nach Winterberg, mieteten sich ein Häuschen. Es war die Zeit, die der Literaturkritiker und Autor Professor Dr. Rainer Moritz, bis vor kurzem Leiter des Literaturhauses in Hamburg, in seinem Büchlein „Heimweh nach den Hohenloher Wäldern – Hermann Lenz und Langenburg“ so beschrieben hat: „Vor allem Stuttgarter begannen in dieser Zeit, die vom Aussterben bedrohten hohenlohischen Dörfer zu erobern; Intellektuelle, Künstler und Kunstförderer entdeckten die Region für sich.“ Doch während viele nur die Idylle suchten und sich ein Wochenendhäuschen zulegten, ließen sich der Fotograf und seine Frau, heute eine bekannte Buchillustratorin, mit Haut und Haaren auf ein neues Leben ein: Schlafen auf dem Fußboden, Waschen am Brunnen vor dem Haus, Telefonieren beim Nachbarn. Schließlich kauften sie das Haus, in dem sie den Neuanfang gewagt hatten, und leben bis heute darin.Roland Bauer gewann schnell das Vertrauen des hochbetagten Geschwisterpaares. Dabei sind Schwarz-Weiß-Fotografien entstanden, die seine Karriere als Fotograf begründet haben. Für den Bildband über das Leben der Wendels erhielt er 1983 den renommierten Kodak-Fotobuchpreis. Die Wendel-Fotos sind längst Teil des kollektiven Bildgedächtnisses geworden. Sie zeugen von der Leidenschaft des Fotografen Bauer, von der Achtsamkeit des Menschen Bauer.

Roland Bauer fotografierte Kunst

Mittlerweile nähert er sich dem Alter, in dem die Wendels waren, als er sie kennengelernt hat. Wie sie führt er ein einfaches, genügsames Leben in dem Seitental des Kochers. Hier fühlt er sich eingebunden in den ewigen Kreislauf der Natur. Hier erlebt er das, was der Literat Gilbert Fels für die Neu-Edition des Wendel-Buches 2002 so formulierte: „Die Zeit scheint hier noch sein zu dürfen, was sie am liebsten ist, am besten kann, seit Menschengedenken (…), bis in die Tagesabläufe hinein: Jahreszeit.“Doch Roland Bauer ist kein Hinterwäldler, kein Weltverweigerer. Rund zehn Jahre lang fotografiert er für den Würth-Konzern. Als Christo und Jeanne-Claude den Reichstag in Berlin verhüllen, gehört er zu den fünf Fotografen weltweit, die das Spektakel fotografieren dürfen. Das Œuvre von Bauer ist umfangreich: Er hat Luxushotels fotografiert, hat sich auch einen Namen in der Architekturfotografie gemacht, hat an über 300 Buchprojekten mitgewirkt.

Freilandmuseum Wackershofen zeigt Roland Bauers Bilder

Vor zweieinhalb Jahren hing sein Leben an einem seidenen Faden – eine Krankheit hatte ihm so gut wie alle Kräfte geraubt. Er kam mit dem Leben davon, durfte jetzt seinen 75. Geburtstag feiern. Am Sonntag, 20. Juli, wird seine Ausstellung „Frauen vom Land – Alte Bäuerinnen im Hohenlohe der 1970er- und 80er-Jahre“ im Hohenloher Freilandmuseum eröffnet. Sie ist eine Hommage an den Fotografen.

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