Wer ihm folgen will, muss sich bewegen
Seit seinem 14. Lebensjahr bereist der Friedrichsruher Uli Reissig die Welt mit dem Rad. Seit 15 Jahren ist neben Partnerin Tanja auch Tochter Emma oft dabei. Jetzt gibt es wieder Einblicke in seine Touren, die in den letzten Jahren in den Iran und Oman geführt haben und nicht nur von traumhaften Landschaften, sondern auch von beeindruckenden Begegnungen erzählen.

Auf dem Weg in den Keller zu den Rädern hängen die großen Fotoplakate, die von früheren Bildershows erzählen. An der langen Wand eine riesige Weltkarte. Rote, blaue und grüne Stecknadelköpfe zeigen an, wo Uli Reissig (rot), Tanja (blau) und Tochter Emma (grün) schon mit dem Rad waren. Es sind viele Punkte, ziemlich gleichmäßig auf der ganzen Welt verteilt. 210.000 Kilometer hat Uli Reissig in seinem Leben als Radreisender zurückgelegt. Dabei nicht eingerechnet sind die Kilometer, die er täglich zur Arbeit fährt. Allein sein Rennrad hat wieder 90.000 Kilometer auf den Felgen.
Radreisen in alle Herren Länder
Es müssen schon mehrere Dinge zusammenkommen, damit es für eine solche Bilanz reicht, ist Uli Reissig selbstkritisch. „Man muss früh anfangen, in meinem Fall mit 14. Schon einige Jahre auf dem Buckel haben, nämlich 62, dabei meist gesund bleiben, abgesehen von diversen Sportverletzungen, den richtigen Beruf haben, in meinem Fall Lehrer, und dabei dann noch ein bisschen verrückt sein.“
Das alles ist bei einem gegeben, der mit einem gebrochenen Sprunggelenk 3000 Kilometer nach Hause radelt und den Monat, den er auf die OP gewartet hat, damit verbracht hat, dass er das Stilfser Joch hochgefahren ist. An dem „ein bisschen verrückt“ haben die wenigsten Zeitgenossen ihre Zweifel.
Faszination Radreisen
Was ihn bei seinen Radreisen in alle Herren Länder so fasziniert? Zwischenzeitlich kommen die Menschen mit Pauschalreisen in jeden Winkel, machen Selfies vor den Sehenswürdigkeiten. Land und Leute wirklich erleben? Das geht so nicht, findet Uli Reissig. Deshalb ist er auch ohne Handy unterwegs. „Ich rede nicht mit Siri, sondern mit den Menschen vor Ort.“

Und die sind so gastfreundlich, dass er beispielsweise bei der Reise in den Iran alles Geld, das er gewechselt hatte, wieder zurücktauschen musste: „Ich war immer eingeladen zu übernachten, zum Essen.“ Die Satteltaschen voll mit Orangen und Pistazien, wurde er sogar von seinen Gastgebern an den nächsten Freund an der nächsten Station weitergereicht.
Ungewöhnliche Übernachtungen auf den Reisen
Einmal habe er einen Mann, der mit seinem Kind unterwegs war, nach einer schönen Übernachtungsmöglichkeit gefragt. „Er hat überlegt, dann in die Ferne gedeutet und gesagt, ich solle warten, er bringe mich mit dem andren Auto hin.“

Mit einem Geländewagen ging es in die Wüste. Dort hatte die Familie des Mannes ein Camp. Es war die Nacht mit dem großartigsten Sternenhimmel und dem beeindruckendsten Sonnenaufgang. „Aber alleine wäre ich von dort nicht mehr weggekommen“, erinnert sich Uli Reissig daran, wie die Reifen im tiefen Sand eingesunken sind und freut sich, dass ihn seine Menschenkenntnis bisher noch nie getrogen hat.
Dem Extremradler folgen
Oft werde er unterwegs gefragt, wie man ihm folgen könne. „Dann sage ich: Nur mit dem Rad, wenn Du eins hast.“ Eine andere, oft gestellte Frage: Ob er einen Blog habe. „Ich habe viele Blöcke, von Brunnen“, sagt Reissig dann. Einen Meter im Billy-Regal im Keller: Darin ist Jahr für Jahr Tag für Tag beschrieben, was er und seine Familie auf Reisen erlebt haben.
Termin
Am Donnerstag, 26. Februar, 19.30 Uhr, zeigt Uli Reissig in der Gemeindehalle Zweiflingen Bilder aus vier Reisen durch den Iran und Oman und Tadschikistan in der Gemeindehalle Zweiflingen. Bei der CMT in Stuttgart hat Reissig von seinen Radreisen im Rahmen eines Reise-Slams erzählt.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare