Klar ist schon jetzt: Bis 2030 will das Verkehrsministerium entlang von Landes- und Bundesstraßen neun Kilometer Radwege ausbauen oder neu bauen. Diese zwölf Streckenabschnitte sind vorgesehen: Lückenschluss Hollenbach-B290, Radweg bei Mulfingen, Geh- und Radwegbrückein Cappel, Cappel-Untersöllbach, Verrenberg-Öhringen, Radweg bei Kocherstetten, Radwegkreuzung in Ohrnberg mit Kreisstraße, Radweg bei Neuenstein plus P+M, Radweg bei Dörzbach, Hollenbach und zwischen Hirrweiler und Weihenbronn. rei
Radverkehr im Hohenlohekreis stärken: Neues Konzept ist im Frühjahr fertig
Das neue Radverkehrskonzept des Hohenlohekreises ist auf der Zielgeraden. Es hat länger gedauert als gedacht, nachdem die Umsetzung des letzte Plans von 2013 bis 2023 weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Das Land plant den Aus- und Neubau von Radwegen auf neun Kilometern.

Die Ziele sind ambitioniert. Und in ländlichen Regionen wie Hohenlohe kaum zu schaffen. Bis 2030 sollen die Hälfte aller Wege mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden – so hat es sich die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen (AGFK) auf die Fahnen geschrieben, ein Zusammenschluss aus 114 Landkreisen, Städten und Gemeinden. Der Hohenlohekreis ist erst seit 2023 Mitglied in diesem Verbund.
Zuletzt wurden im Kreis erst fünf Prozent der Wege per Rad zurückgelegt
Das Land backt etwas kleinere Brötchen, hier sollen bis in vier Jahren 20 Prozent genügen. Aber auch davon ist der Hohenlohekreis noch meilenweit entfernt. 2023 wurden erst zehn Prozent aller Wege in Baden-Württemberg mit dem Rad zurückgelegt, in Hohenlohe waren es nur fünf Prozent. Neuere Zahlen aus dem Landkreis gibt es nicht.
Größte Mobilitätsstudie Deutschlands: Hohenlohekreis machte mit
Die größte Mobilitätsstudie Deutschlands, an der die Hohenloher teilgenommen haben, soll darüber mehr Aufschluss bringen. Wie auch über alle anderen Mobilitätsarten – den Fußverkehr mit eingeschlossen, der immer stärker in den Blickpunkt rückt. Zwischen Mai 2023 und Juni 2024 wurden dafür über 218 000 Haushalte und rund 421 000 Personen in ganz Deutschland zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. „Die Ergebnisse der vertiefenden Befragung im Hohenlohekreis liegen uns noch nicht vor. Diese werden derzeit im Rahmen der Studie aufbereitet. Wir hoffen, dass wir bis Mitte des Jahres mit der Vorlage unserer Daten rechnen können“, erklärt Pia Schmitt, Sprecherin des Hohenlohekreises.
Land und Bund forcieren finanzielle Förderung
Fehlenden Willen, Radwege auszubauen und mehr Menschen zu bewegen, aufs Fahrrad umzusteigen, kann man weder dem Land noch dem Kreis vorwerfen. Mehr und mehr geht es dabei um den Alltagsverkehr: also den Weg zum Arbeitsplatz, Arzt oder Einzelhändler. Auch Freizeit und Tourismus spielen weiterhin eine Rolle. Das Verkehrsministerium des Landes hat die kommunale Förderung seit 2013 massiv ausgebaut, auch der Bund tut, was er kann, um den Ausbau von Radwegen in ganz Deutschland finanziell zu stärken.
In der Praxis gibt es aber immer noch viel zu hohe Hürden
Allein: Die Praxis ist komplizierter als alle graue Theorie. Obwohl Städte und Gemeinden, die nach wie vor die Hauptlast im regionalen und lokalen Radnetz tragen, im besten Fall nur noch 12,5 statt vorher 30 Prozent der Ausbaukosten zahlen müssen, zögern viele Kommunen. Ihre Haushalte sind infolge der von Bund und Land verordneten Aufgabenfülle und stark schwankender Steuereinnahmen massiv unter Druck geraten. Hinzu kommt, dass sich zu viele Grundstückseigentümer querstellen, der Naturschutz dazwischenfunkt oder der Denkmalschutz Bedenken anmeldet. Außerdem gibt es zu viele gesetzliche Hürden und bürokratische Regeln im Planungsprozess, die wiederum nur Bund und Land beseitigen können.
Radwegekonzept von 2013 bis 2023: von 33 Abschnitten nur elf voll umgesetzt
Das letzte Radwegekonzept im Hohenlohekreis reichte von 2013 bis 2023. Die Umsetzung blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Von 33 Abschnitten wurden nur elf voll umgesetzt. In zwei Fällen wurden nur Details verbessert, sechs Projekte wurden ganz gestrichen. Jetzt will der Kreis einen neuen Anlauf nehmen. Er ist dabei weiterhin auf die 16 Städte und Gemeinden angewiesen, die beim Radwegebau meist den Hut aufhaben. Der Kreis tritt also vor allem als Kümmerer und Koordinator, Motivator und Organisator in Erscheinung.
Bürgerbeteiligung: 535 machten mit und sparten nicht mit Kritik
Erstmals beteiligte der Hohenlohekreis im Sommer 2023 interessierte Bürger, um das Radwegekonzept um weitere zehn Jahre fortzuschreien. 535 machten mit und sparten nicht mit Kritik. Tenor: Es ist noch viel zu tun. Und: Die Alltagstauglichkeit und Sicherheit von Radwegen ist ihnen besonders wichtig. Überraschend war die Akzeptanz, im Alltag auch längere Strecken über 15 Kilometer zurückzulegen, sofern die Wege gut ausgebaut seien.
Neues Konzept soll dem Kreistag im April vorgestellt werden
Die Städte und Gemeinden sind weiter mit im Boot. Ende Januar wurden sie von dem neuen Radverkehrskonzept in Kenntnis gesetzt. Sie können nun weitere Anregungen geben. „Mit der Fertigstellung wird im Frühjahr 2026 gerechnet. Das neue Konzept soll im April dem Kreistag vorgestellt werden“, sagt Kreissprecherin Pia Schmitt.
Bund und Land bauen selbst aus oder fördern weiter
Der Bund und das Land planen parallel dazu weitere Verbesserungen entlang der Straßen, die in ihrem Zuständigkeitsbereich liegen, genauso wie der Kreis selbst. Dies betrifft also die B19 sowie die Landes- und Kreisstraßen im Hohenlohekreis. Der zweite Hebel sind die kommunalen Förderungen. Laut einer kleinen Anfrage der grünen Landtagsabgeordneten Catherine Kern aus Öhringen vom Herbst 2025 hat das Land seit 2021 rund 1,5 Millionen Euro in die Radinfrastruktur des Kreises investiert. Bis 2030 sollen weitere neun Kilometer aus- oder neugebaut werden. Die Stärkung von längeren Hauptachsen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie sind Teil des „Radnetzes-BW“, das im Hohenlohekreis eine Gesamtlänge von 174 Kilometer hat.

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