Schöntaler realisieren erstes Projekt mit Krautheimer Bürgerenergiegenossenschaft
Damit die Menschen vor Ort an Wind- und Photovoltaikanlagen Geld verdienen können, arbeiten Bürger im Jagsttal gemeinsam in einer Genossenschaft.

Ein Euro Pacht auf 20 Jahre: Es ist ein Zeichen, das die Gemeinde Schöntal da setzt. Auf dem Dach der sanierten Winiziohalle im Schöntaler Teilort Winzenhofen liegt nun eine Photovoltaikanlage der Bürgerenergiegenossenschaft Krautheim (BEG) – und damit einer Gemeinschaft von zur Zeit 150 Mitgliedern, die meisten davon Bewohner des Jagsttals. Sie werden von den Einkünften aus der Anlage profitieren.
„Das ist schon ein lange gehegter Wunsch des Gemeinderats, dass auf die kommunalen Dächer Photovoltaikanlagen kommen“, sagt Rüdiger Volk, der als Stellvertreter von Bürgermeister Joachim Scholz zum Pressetermin gekommen ist.
Schöntaler Räte wollten schon immer PV-Anlagen auf den Dächern
Ein anderer Wunsch war lange die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft. Ursprünglich war die Idee, eine eigene für Schöntal zu gründen, das hatte 2021 dann das Klimateam Schöntal (KT) in die Hände genommen, sagt Fabian Fluhrer, der seit jeher Teil des KT und inzwischen auch im Vorstand der BEG ist. „Die Bürger sollten am Erfolg der erneuerbaren Energien beteiligt werden.“ Der Blick zu den Nachbarn hat nach mühseligen Vorbereitungen einen einfachen Weg offenbart: „Die lange Gründungsphase war für die Schöntaler der Grund, bei uns mitzumachen“, sagt der ehemalige Krautheimer Bürgermeister und BEG-Vorstandsmitglied Andreas Köhler.
PV-Anlage in Schöntal: Andere Dächer haben sich wenig geeignet
Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Lothar Stockert geht aber mit dieser Zusammenarbeit auch ein Wunsch in Erfüllung: Der ehemalige Gemeinderat habe in seiner Amtszeit immer wieder die interkommunale Zusammenarbeit stärken wollen, „aber die Kirchtürme waren sehr hoch“. Etwas mehr als 30 Mitglieder aus Schöntal sind nun in der BEG. „Wir hatten uns etwas mehr erhofft“, sagt Fluhrer. In Bürgerversammlungen hat das KT die Genossenschaft vorgestellt. Wahrscheinlich habe bislang eine Anlage im Gemeindegebiet Schöntals gefehlt. Die Suche nach einem geeigneten kommunalen Dach habe sich gezogen, sagt Fluhrer: „Eigentlich wollten wir auf der Kläranlage bauen, da ist das Dach aber kaputt und für eine Freiflächenanlage dort hätten wir einen Hochwasserschutz gebraucht.“ Das Dach der Max-Eyth-Schule in Bieringen wäre zwar prinzipiell geeignet, „aber das ist mit der Verkabelung schwierig“. Der Schaltschrank sei bei der Renovierung schlichtweg nicht erneuert worden, sagt Rüdiger Volk.

Mehrere Anlagen sind bereits gebaut
In Krautheim laufen im Namen der BEG bereits mehrere Projekte. Allen voran ist sie an einer Firma der Zeag beteiligt, die die drei Windkraftanlagen bei Neunstetten betreibt. Außerdem gehört der Genossenschaft selbst die Photovoltaikanlage auf der Grund- und Werkrealschule in Krautheim, die sie wiederum an die Stadt verpachtet: Hier wird der Strom direkt vor Ort genutzt.
Eine weitere Anlage ist auf dem Kindergarten Unterginsbach geplant, die zum Teil verpachtet werden soll. Die Photovoltaikanlage auf der Winiziohalle speist den Strom ins Netz ein – der Gewinn für die BEG ergibt sich also aus der produzierten Strommenge.
Wann die erste Gewinnausschüttung kommt ist noch unklar
Für das Jahr 2025 erwarte die BEG ein positives Ergebnis, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Lothar Stockert vorsichtig. Ob im Jahr 2026 eine Gewinnbeteiligung an die Mitglieder ausgeschüttet wird, sei allerdings noch nicht sicher. „Die drei Windräder bei Neunstetten gehen jetzt in den Vollbetrieb. Dann können wir sehen, was die genau bringen.“
Mit der Zeit sollen weitere Projekte dazu kommen. „Geplant sind drei weitere Windkraftanlagen bei Klepsau“, sagt Stockert. Auch an dem zuletzt hitzig diskutierten Solarpark in Rossach, sowie dem in Aschhausen ist eine Beteiligung der BEG geplant, auch über eine Firma der Zeag. Und vielleicht findet sich noch ein weiteres Dach einer Halle in Schöntal.
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