Pfingstwunder trotz Regen: Wie der Kirchenbezirk Hohenlohe zusammenwächst
Ein neuer Kirchenbezirk, ein geplatzter Traum vom Wetter und viele persönliche Begegnungen: Wie Pfingsten in der Künzelsauer Johanneskirche zum emotionalen Startpunkt wird.

Es gebe keinen Plan B für schlechtes Wetter, hieß es in der Ankündigung des Gottesdiensts am Pfingstsonntag. Der Gedanke dahinter: Wenn alle Gemeinden des neuen evangelischen Kirchenbezirks Hohenlohe gemeinsam in Künzelsau feiern, soll das auf der grünen Wiese geschehen, gewählt haben die Veranstalter die Wertwiesen.Doch der Himmel scheint zu wollen, dass das Pfingstfest – das als Geburtstag der Kirche gilt – in einer Kirche gefeiert wird. Eine gute Stunde vor Gottesdienstbeginn schüttet es in Strömen. Deswegen tritt am Sonntagmorgen doch noch ein mutmaßlicher Plan C in Kraft und die Festgemeinde zieht um in die Johanneskirche.
In der biblischen Geschichte zu Pfingsten kommt der Heilige Geist über die Jünger Jesu. Sie verkündigen Jesu Botschaft in den unterschiedlichsten Sprachen. Deswegen feiert der Kirchenbezirk Hohenlohe an diesem Tag mit allen Gemeinden seinen Geburtstag. Denn er ist Anfang des Jahres aus den Bezirken Künzelsau, Öhringen und Weikersheim entstanden.
Pfingsten in Hohenlohe: Dialekte und Jugendsprache verstehen
Dekanin Renate Meixner hält die Predigt: Anders als in der biblischen Geschichte, spricht man hierzulande eine gemeinsame Sprache, „wobei, manche Dialekte muss man auch erst einmal verstehen – ich muss manchmal nachfragen“, sagt Meixner – und erntet Lachen in der Kirche. Auch das Wort „cringe“ habe sie sich erklären lassen müssen. Das tauchte im vorigen Auftritt der drei Jugendwerke auf und bedeutet so viel wie „unangenehm peinlich“. „Die Fusion bringt also Menschen aus unterschiedlichen Regionen und unterschiedlichen Alters zusammen.“
Dazu dient auch das gemeinsame Essen und die Stände der Organisationen von Bezirk und Gemeinde, die nun improvisiert im Johannesgemeindehaus aufgebaut worden sind. Elke Jakob und Martina Ruoff aus Untersteinbach im ehemaligen Kirchenbezirk Öhringen waren schon öfters im Weikersheimer Beritt, um das Creglinger „Lichtwunder“ zu sehen – ein Sonnenlichtspiel auf dem Riemenschneider-Altar in der Herrgottskirche. „Der Gottesdienst heute hat mich aber besonders interessiert“, sagt Jakob. „Jetzt haben wir die Dekanin und Jörg Hübner in echt erlebt“, der Künzelsauer Pfarrer war zuletzt Administrator im Kirchenbezirk Künzelsau.
Sonst nur bis zu Mustang in Künzelsau gekommen
Matthias Strauß ist aus dem Niederstettener Weiler Heimberg in die Kreisstadt gereist. „In Künzelsau komme ich eigentlich immer nur bis zum Mustang“, sagt der Kirchengemeinderat von Wildentierbach. Jetzt erlebt er erstmals einen Gottesdienst in der Kreisstadt. „Es ist schon eine lange Fahrt“, bedauert er. Die Fusion beurteilt er aber grundlegend positiv: „Die Kirche macht es richtig und geht auf die Probleme ein und wartet nicht bis zum letzten Tag“, erklärt Strauß.
Eigentlich hätte man in Niederstetten einen Zusammenschluss mit dem Bezirk Blaufelden bevorzugt – dorthin gebe es mehr Bezüge. Doch der befand sich schon dabei, mit dem Crailsheimer zusammen zu gehen. „Es gab gar keine andere Möglichkeit mehr“, sagen Strauß und der Künzelsauer Pfarrer Hübner einstimmig im Gespräch zwischen den Ständen im Johannes-Gemeindehaus. Dort erkundet Strauß die Angebote aus den anderen beiden Kirchenbezirken. „Der Foodtruck des Öhringer Jugendwerks ist mir empfohlen worden.
Jugendwerke arbeiten schon miteinander
Eine Annäherung habe es bereits zwischen den Jugendwerken aus Künzelsau, Öhringen und Weikersheim gegeben, erzählen Marcel Wurst aus Öhringen und Samuel Rentschler aus Weikersheim. Die drei Werke haben bereits gemeinsam Workshops gemacht haben – und sich beispielsweise über Mitarbeiterbildung und Freizeiten ausgetauscht.
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