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Tausende Besucher bei Pfedelbacher Brennpunkten

Brennen ist nichts für Ungeduldige

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Tausende Besucher wanden und radeln an Allerheiligen von einer Brennerei zur anderen und erfahren, wie guter Schnaps gemacht wird. Ein Blick in die Brennblase.

Von wegen Feiertag. In Pfedelbach heizen an Allerheiligen die Brenner ein und erklären den Besuchern ihre Arbeit.
Von wegen Feiertag. In Pfedelbach heizen an Allerheiligen die Brenner ein und erklären den Besuchern ihre Arbeit.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Schon gleich um elf Uhr ist es voll auf dem Hof der Familie Dietz in Windischenbach. Die Destillatkönigin Lea Klatt eröffnet zum zweiten und letzten Mal, wie sie sagt, die Brennpunkte. Schon zum zehnten Mal lassen sich sieben Brenner bei ihrer Arbeit über die Schultern und in die Brennblase sehen. Eine Chance, die Tausende von Besuchern nutzen.„Brenner zu sein bedeutet, Kulturlandschaft zu schützen“, sagt Lea Klatt. Das machen heute in Baden-Württemberg nicht mehr 32 000 Brenner wie vor Jahren, sondern nur noch 11 000, bedauert Karl Müller, Vorsitzender vom Landesverband der Klein- und Obstbrenner.

Guter Schnaps braucht Zeit

 Während auf dem Hof draußen Hochbetrieb herrscht, ist es so früh noch ruhig in der Scheune, in der der Brennkessel steht. Senior Rudolf Dietz (85) sitzt an die Wand gelehnt auf seinem Hocker und bewacht den Brand. Brombeeren werden heute verflüssigt. Am liebsten hat Rudolf Dietz Williams-Birnen zum Brennen. „Das muss man langsam angehen“, weiß der Senior, der 1983 die erste eigene Brennerei in Betrieb genommen hat.

Senior Rudolf Dietz weiß, dass ein guter Schnaps Geduld braucht.
Senior Rudolf Dietz weiß, dass ein guter Schnaps Geduld braucht.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

„Beim Geist muss man aufpassen. Der geht gleich durch“, gibt er seine Erfahrung an die vielen Menschen weiter, die ihm beim Warten zusehen. Brigitte Niesing steht mit ihrer Familie an der Türe. Die Verwandtschaft ist 500 Kilometer weit gefahren, um in Hohenlohe mit Niesings die Brennpunkte zu erwandern. „Bei uns ist es ganz flach. Es ist schön hier mit den Weinbergen“, erzählt Mara Scheitz. Alle haben zu Beginn einen Traubenbrand probiert und für gut befunden. „Wir wollen zu allen Stationen“, sagt Mara Scheitz.Derweil ist die Temperatur konstant gestiegen. Befeuert wird mit Öl. „Das lässt sich gut regulieren“, sagt Roland Dietz. Das Anzeigeglas beschlägt. Es geht los. Ein feiner Strahl glasklarer Flüssigkeit kommt aus dem Röhrchen. „Es muss ganz dünn laufen. Dann wird es gut“, gibt Rudolf Dietz den Gästen mit. Sohn Roland (58) nickt. „Das ist das Qualitätsmerkmal.“

Ein erfolgreicher Schnapsbrenner braucht  Mut

 Einen Hof weiter feuert Rainer Sasse (43) seinen Brennkessel ein. Mit Hartholz. Damit es schön gleichmäßig brennt. Der Gin läuft in den Eimer. Norbert Kirchenbauer kommt der Aufforderung nach, zu probieren. Er hält kurz den Finger darunter. Der Gin hat 87 Prozent, ist noch viel zu stark zum Trinken.

Gespannt hören die Besucher zu, wenn Rainer Sasse die Herstellung von Gin erklärt.
Gespannt hören die Besucher zu, wenn Rainer Sasse die Herstellung von Gin erklärt.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

„Es schmeckt ein bisschen süß“, sagt Kirchenbauer, ehe Rainer Sasse erzählt, dass er neben Wacholder auch Piement, Zitronengras und einige Rosenköpfe zugegeben hat. „Man muss sich trauen, was zu probieren“, sagt der Brenner aus Leidenschaft, der einen gänzlich anderen Beruf im Broterwerb hat und Obst- und Weinbau mit seiner Frau Marion als gemeinsames Projekt betreibt. Besser gesagt mit der ganzen Familie: „Die Tante hat den Kessel poliert.“Zwei Häuser weiter feuert auch Fritz Lösch (51) mit Holz den Kessel an. Er brennt heute Williams ein zweites Mal. „Dann wird er weicher.“ Überhaupt müsse man dem Schnaps Zeit lassen. Die Alte Zwetschge liegt ein Jahr im Fass. „Sie kommt jetzt in die Flaschen.“

Hoch oben auf dem Lindelberg brennt Roland Fischer Sauerkirschen. Um zu Fischers zu kommen, wandern die Besucher durch die bunten Weinberge.
Hoch oben auf dem Lindelberg brennt Roland Fischer Sauerkirschen. Um zu Fischers zu kommen, wandern die Besucher durch die bunten Weinberge.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Termin

Immer an Allerheiligen öffnen sieben Brennereien in der Gemeinde Pfedelbach ihre Türen für die Gäste und lassen sich beim Brennen über die Schulter sehen.

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