Vier Kandidaten auf der Bühne: So haben sie sich beim Wahlforum geschlagen
Die vier Kandidierenden um den Pfedelbacher Bürgermeisterposten stellen sich in der Nobelgusch den Fragen unserer Redakteure. Sie zeigen: Sie sind ganz unterschiedliche Typen.

Es ist ein einzigartiges Wahlforum, das am Montagabend in der Pfedelbacher Nobelgusch über die Bühne geht. Den Ausschlag dafür gibt vor allem der Kandidat Jens Müller. Er bringt für seine Vorstellung einen großen Römer mit, den er mit hiesigem Rotwein füllt. Er bietet den Kelch auch den anderen Kandidaten an, die ebenfalls einen Schluck nehmen – alle, bis auf Ina Krone, die sich nur amüsiert.
Es ist ein Sinnbild dafür, wie sich die vier Kandidaten auf der Bühne geben: Respektvoll – zum Teil schon fast zuneigend. Nur selten gibt es Widerspruch zu dem, was der eine oder die andere gesagt hat.
Kandidaten sind eloquent und kompetent
Das liegt vielleicht auch daran, dass die Kompetenzen unterschiedlich verteilt sind. Müller hat den schillerndsten Auftritt. Der Römer – das große Weinglas – hat einen Anteil daran. Aber auch im weiteren Verlauf antwortet er spontan und weitgehend eloquent und bürgernah. Als die HZ-Redakteurinnen Stefanie Jani und Yvonne Tscherwitschke nach der Wiedereinführung des Weihnachtsmarkts fragen ist er (wie die anderen drei auch) dafür und liefert als Grund: „Ich will einen Fassanstich machen!“, wofür er Lachen und Applaus erntet.
Seinen Antworten ist anzumerken, dass der Wirtschaftspädagoge kein Verwaltungsfachmann ist. Über einen im Gemeindeentwicklungsplan thematisierten Jugendgemeinderat spricht Müller allgemein als „ein wahnsinnig tolles Instrument“, mit dem den Jugendlichen Wertschätzung entgegengebracht werden könne. Die anderen drei Kandidierenden haben dabei eine differenziertere Antwort. Alle halten es für wichtig, Jugendliche zu Wort kommen zu lassen. Vogelmann hat sich das Gremium in anderen Gemeinden angesehen: „Am Ende fanden sich kaum Bewerber“ – es sei wichtig, bei Jugendlichen Interesse dafür zu wecken. Krone ist skeptisch und spricht andere Formate an, wie „Döner mit Krone“ – ein Wahlkampftermin, bei dem sie mit Jugendlichen in Kontakt kommen will. Dürr hält das Gremium für eine gute Idee, weil es „Jugendlichen beibringt, wie Demokratie funktioniert“. Er will ihnen einen Anreiz zum Mitmachen liefern: „Ein kleines Budget müssen sie verwalten können, damit sie Projekte anstoßen können.“
Bürgermeister-Kandidaten haben unterschiedliche Ideen
Dürrs Antworten zeugen davon dass er weiß, wie eine Verwaltung funktioniert und was in den Teilorten los ist. Sein Auftritt ist aber ein Kontrast zu dem von Nebensitzer Müller. Auf der Bühne des Wahlforums spricht er schnell. Für seine inhaltlich durchdachten Aussagen braucht er immer wieder Anlauf. Vom ihm wird an diesem Abend den meisten wohl eine Idee zum Thema Tourismus in Erinnerung bleiben: ein „Direktvermarkterfest um unser schönes Schloss herum“, das „bewerben wir ganz groß, deutschlandweit“ - mit „tollem Wein, tollen Destillaten, und leckerer Wurst und Käse“.
Mit Fachwissen kann auch Ina Krone überzeugen. Die Kämmerin kennt die Zusammenhänge in der Verwaltung, erkennt Probleme und weiß Lösungsansätze. Ihre Antworten spricht sie deutlich – fast so, als würde sie sie ablesen. Auf die Frage nach besseren Nutzungsmöglichkeiten der Mensa, weiß sie: Wegen der Förderung habe die Einrichtung eine Zweckbindung – sie sei nur für Schüler. „Aber jede Zweckbindung läuft auch irgendwann einmal aus.“ Dann könne die Mensa auch für andere geöffnet werden, für Senioren oder Arbeitnehmer. „Wir werden auch das Essensangebot ein bisschen attraktiver hinbekommen, wenn wir beispielsweise mit der Stadt Öhringen eine Ausschreibung machen. Dann bekommt man auch einen anderen Preis.“
Zuschauer gut informiert vor Bürgermeisterwahl
Daniel Vogelmann zeigt, dass er sich sehr mit den Pfedelbacher Orten und den Menschen beschäftigt hat. Auf die Frage, wie die Aussicht in Heuberg und Buchhorn touristisch besser genutzt werden kann, weiß er: Ein dortiger Aussichtspunkt sei wohl nur Einheimischen bekannt, „könnte man noch mehr bewerben “ – ausgeschildert sei er nicht. Wichtiger sei für den Tourismus funktionierender ÖPNV und eine funktionierende Dorfmitte – und nennt augenzwinkernd eine Anekdote aus seinem Wahlkampf: „In Heuberg hat mir einer gesagt: ,Wir hätten gerne einen Friedhof, wo wir uns treffen können.’“ Die Reaktion vom Publikum ein Lachen – für Vogelmann ist es die klare Botschaft, dass die Menschen einen Ort zum zusammenkommen brauchen.
Die Zuschauer in der Nobelgusch zeigen auf die Fragen der Moderatorinnen, dass der Abend den meisten bei der Wahlentscheidung geholfen hat. Die meisten machen sich aber auch auf einen zweiten Wahlgang gefasst. Die 90 Minuten zeigen: Die Bürgermeisterwahl in Pfedelbach wird eine Frage des gewünschten Charakters.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare