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Was Ostern bedeutet: In Künzelsau werden Karfreitag und Co. einfach erklärt

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Ostern erinnert an die letzten Tage Jesu. Doch was genau steckt hinter Karfreitag, Kreuzigung und Co.? Ein Ostergarten in Künzelsau erklärt Geschichte und Bedeutung.


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Zuletzt waren Jesus, Judas und Pontius Pilatus nicht in Künzelsau – jetzt sind sie wieder da. Alle zwei Jahre entwirft das evangelische Jugendwerk einen Ostergarten und macht die biblische Erzählung vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu begehbar und erlebbar.

Karfreitag und Ostern: In Künzelsau werden die Feiertage erklärt

Die Glastür zu dem ehemaligen Bekleidungsgeschäft Demuth in der Keltergasse 54 ist offen. Palmen stehen in großen Kübeln, an die Wände sind flache Häuser in Gelb und Braun gemalt – Jerusalem, vor 2000 Jahren. Acht Räume erzählen die Geschichte von Jesu letzten Tagen. Stoffbahnen trennen die Szenen, aus dem Lautsprecher kommen Stimmen, Musik, Donnergrollen. 80 Stunden Arbeit stecken im Ostergarten. „In der Hoffnung, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Auferstehung näherzubringen“, sagt Jugendreferent Holger Hartmann. Ein Spaziergang durch Karwoche und Ostertage.

An Palmsonntag zog Jesus nach der biblischen Erzählung wie ein König in Jerusalem ein. Die Menschen legten Kleidung auf den Boden.
An Palmsonntag zog Jesus nach der biblischen Erzählung wie ein König in Jerusalem ein. Die Menschen legten Kleidung auf den Boden.  Foto: Maren Wagner

Was Ostern bedeutet: Jesus vor den Toren Jerusalems

An der Wand hängt ein großer grauer Esel aus Stoff. In Jerusalem steht das Passahfest bevor, mit dem Juden an den Auszug aus Ägypten erinnern. Doch die Stadt ist von römischen Soldaten besetzt. Viele hoffen auf einen Messias – einen Retter. Manche glauben, das sei Jesus. Wer Kranke heilen und Tote auferwecken kann, so die Hoffnung, könnte auch die Römer vertreiben. Dieser Jesus steht jetzt vor den Toren Jerusalems und schickt seine Jünger los, ihm einen Esel zu holen, mit dem er in die Stadt reitet. Die Menschen feiern ihn wie einen König. 

Palmsonntag als Beginn der Karwoche: Jesus' triumphaler Einzug

Im zweiten Raum liegt ein Hemd auf dem Boden – der rote Teppich von einst. „Die Menschen legten ihre Kleidung auf die Straße, damit der Esel nicht durch den Staub gehen musste“, erklärt Holger Hartmann. Andere schwenken Palmzweige. Aus dem Lautsprecher erklingt ein Lied: „Hosianna für Davids Sohn.“

Im Kirchenkalender wird am Palmsonntag dem triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem gedacht. Es ist der letzte Sonntag vor Ostern und der Beginn der Karwoche.

Gründonnerstag erinnert an das Passahfest und das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte.
Gründonnerstag erinnert an das Passahfest und das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte.  Foto: Maren Wagner

Gründonnerstag: Jesus und seine Jünger feiern das Passahmahl

Eine lange Tafel steht im dritten Raum, darauf Brot, Kelch, Tassen. Jesus und seine Jünger feiern das Passahfest. Zuvor wäscht Jesus ihnen die Füße - eine Aufgabe für Diener, nicht für Könige. Holger Hartmann: „Jesus ist gekommen, um zu dienen.“ Beim Mahl teilt Jesus Brot und Wein. Aus dem Lautsprecher spricht seine Stimme: „Mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Und: „Mein Blut, das vergossen wird zur Vergebung eurer Schuld.“ Das Passahmahl wird zum ersten Abendmahl. In diesem Raum fällt auch Jesu Satz von dem einen unter den Jüngern, der ihn verraten werde.  

Das Gedächtnis des letzten Abendmahls findet am Gründonnerstag statt. 

Jesus geht mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane

Dieser Raum ist abgedunkelt. In der Nacht geht Jesus mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane. Er ahnt, dass er sterben wird. Er betet: „Nicht mein Wille soll geschehen, sondern deiner.“ Bewaffnete Männer kommen. Judas verrät Jesus mit einem Kuss, er wird in das Haus der Hohenpriester gebracht. Draußen steht Petrus. Dort wird er als einer seiner Jünger erkannt, leugnet das aber. Dann kräht der Hahn. Jesus hatte es Petrus vorhergesagt: „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich drei Mal verleugnen.“ Im Haus wird Jesus verhört. „Bist du der Sohn Gottes?“ – „Ja, ich bin’s.“

Die Hohenpriester bringen Jesus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus.

Der gekreuzigte Jesus wird in eine Höhle gelegt, deren Stein am Eingang sich verschiebt, als drei Frauen seinen Leichnam salben wollen.
Der gekreuzigte Jesus wird in eine Höhle gelegt, deren Stein am Eingang sich verschiebt, als drei Frauen seinen Leichnam salben wollen.  Foto: Maren Wagner

Jesus im Palast von Pontius Pilatus

Ein mit goldenen Tüchern verhüllter Stuhl steht in diesem Raum. Aus dem Lautsprecher ruft eine Menge: „Kreuzigt ihn!“ Pontius Pilatus kommen die Hohenpriester Recht. Er wäscht seine Hände in einer Schale Wasser: „Ich bin unschuldig an seinem Tod.“ Dann übergibt er Jesus den Soldaten. Sie treiben ihn mit einem Kreuz auf dem Rücken zum Hügel Golgota.

Karfreitag als Tag von Jesus' Kreuzigung

„Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, sagt die Stimme aus dem Lautsprecher. Donner grollt. Der römische Hauptmann blickt zu Jesus am Kreuz hinauf. „Ich finde keinen Hass in seinen Augen“, sagt er. „Nur Liebe.“ 

Der Tag der Kreuzigung ist in der Karwoche der Karfreitag, an dem traditionell darauf verzichtet wird, Fleisch zu essen.

Jesus Leichnam kommt in ein Felsengrab

Der Leichnam wird in ein Felsengrab gelegt, der Eingang mit einem Stein verschlossen. Drei Frauen kommen, um den Körper zu salben. Da bewegt sich der Stein und der Weg ist frei. Im Ostergarten führt er durch einen Höhleneingang in einen dunklen Gang. In der Passionsgeschichte finden die Frauen keinen Leichnam, sondern sehen eine Gestalt in einem weißen Gewand, umhüllt von Licht.

Im Kirchenkalender ist das Ostersonntag: „Jesus ist auferstanden“, sagt Holger Hartmann im Ostergarten.

Pflanzen, ein Tisch, ein Regenbogen: Der schöne Garten symbolisiert die Auferstehung Jesu und den Sieg über Leiden und Tod.
Pflanzen, ein Tisch, ein Regenbogen: Der schöne Garten symbolisiert die Auferstehung Jesu und den Sieg über Leiden und Tod.  Foto: Maren Wagner

Ostern als Fest der Auferstehung

Der Gang öffnet sich in einen hellen Raum. Rindenmulch knirscht unter den Schuhen, Palmen und Sträucher stehen am Rand, an der Wand spannt sich ein Regenbogen. Auf einem Teich aus Tüchern schwimmen Seerosen. „Ostern“, sagt Holger Hartmann, „ist der Weg heraus aus dem dunklen Grab und hinein in den schönen Garten.“

Ein paar Schritte weiter steht die Glastür offen, die in die Keltergasse führt. 

Das evangelische Jugendwerk Künzelsau bietet Führungen durch den Ostergarten an. Termine stehen unter www.ejw.kuenzelsau.elk-wue.de/weitere-angebote/ostergarten

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