Öhringen dreht Ehrenrunde für belebte Innenstadt
Alle Akteure in Öhringen haben ein Ziel. Nun wird getestet, auf welchen Wegen man dahin kommt. Das ist gut, findet unsere Autorin.

„Was ist schlimmer als ein Marktplatz voller Autos?“, fragte der Tübinger Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger mit Blick auf den damals noch mit parkenden Autos gefüllten Haller Parkplatz und antwortete sich selbst: „Ein Marktplatz ohne Menschen und ohne Autos.“ Damit wollte er sagen: Nichts ist schlimmer als ein toter Platz mitten in der Stadt. Und wenn ein Marktplatz schon nicht von den Menschen genutzt wird, dann sollen dort eben Autos parken. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Wer nicht will, dass der schönste Platz der Stadt von parkenden Autos verstellt und für andere Nutzungen unbrauchbar gemacht wird, der muss dafür sorgen, dass er anders bespielt wird.
Marktplatz beschäftigt die Menschen
Sicher, Parkplätze in der Innenstadt und die Erreichbarkeit von Ärzten und Apotheken ist ein Thema, das in jeder Stadt emotional diskutiert wird. In Öhringen wie anderswo. Schlecht ist, wenn man nicht mit Zahlen belegen kann, was nach einer Neuregelung passiert – oder eben auch nicht passiert. Denn bei der emotional geführten Diskussion um das temporäre Durchfahrtsverbot über den Marktplatz wurde immer wieder vergessen zu erwähnen, dass es eben nur die Abend- und Nachtstunden sowie die Wochenenden tangiert.
Marktplatz ist heikles Thema
Patrick Wegener hat bereits in seiner ersten Gemeinderatssitzung mit dem nächsten Schritt im Limespark Zeichen gesetzt hat. Er hat auch in der zweiten Sitzung keine Scheu gezeigt, mit dem Marktplatz ein heikles Thema anzupacken. Sicher, auch er hat kein Patentrezept in der Schublade, wie eine Belebung der Innenstadt gelingen kann, an welchen Stellschrauben auf jeden Fall gedreht werden muss. Doch er hat mit seinem Team einen Plan entwickelt, wie man sich auf die Suche nach Lösungen und Antworten machen will. Wie nun Daten gesammelt werden sollen. Wie mit Versuchen den Menschen demonstriert werden soll, was passieren könnte, wie sich ihre Stadt verwandeln könnte. Und mit der Ausweitung des Themas auf die Rathausstraße, Radabstellplätze und ein Parkkonzept samt Parkleitsystem wurde gezeigt, dass eine attraktive Innenstadt nicht alleine mit oder ohne Autos auf dem Marktplatz erreicht werden kann.
Neue Ideen für den Marktplatz
Der Verkehrsversuch 2026 kann Anregungen und vor allem belastbare Zahlen bringen. Die zu erheben war zuvor versäumt worden. Mit begleitenden Maßnahmen bedeutet dann die Aufhebung der Durchfahrtsbeschränkung nicht zwingend ein Mehr von Ehrenrunden der Poser durch die Stadt. Dann ist es eine Ehrenrunde des Gemeinderats, die neue Erkenntnisse bringt.Ihre Meinung?yvonne.tscherwitschke@stimme-mediengruppe.de
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare