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450 Zuhörer in der Kultura 

Bestseller-Autor fasziniert bei „Öhringen liest ein Buch“ 

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Die Idee ist: Eine Stadt liest das gleiche Buch. Dann nämlich kann man sich über das Gelesene austauschen. Wie gut das Format funktioniert, zeigt der Abend mit Bestseller-Autor Ewald Arenz. 450 Menschen lassen sich von ihm in der Kultura faszinieren. 

Ewald Arenz trägt sich zu Beginn der Veranstaltung in das Goldene Buch der Stadt Öhringen ein, das ihm Oberbürgermeister Patrick Wegener öffnet.
Ewald Arenz trägt sich zu Beginn der Veranstaltung in das Goldene Buch der Stadt Öhringen ein, das ihm Oberbürgermeister Patrick Wegener öffnet.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Es ist ein Abend für die Ohren, vor allem, aber auch für die Augen und das Herz: Bestseller-Autor Ewald Arenz steht zum Abschluss der Reihe „Öhringen liest ein Buch“ in der Öhringer Kultura vor 450 Menschen, die an seinen Lippen hängen. In hellgrauer Anzughose mit silberner Taschenuhr, mit Weste und hochgeschobenem weißen Hemd und der Brille ist der Autor vieler Bücher eine Mischung aus Intellektuellem, Autor und Lehrer. Und ja, tatsächlich: Autor und Gymnasiallehrer ist er in jedem Fall. Intelligent ganz sicher auch.

Öhringen liest ein Buch von Ewald Arenz

Er ist auch einer, der die Menschen in seinen Bann ziehen kann. Mit Worten, die Düfte erfahrbar, Figuren lebendig und Stimmungen fühlbar machen lassen. Wie passend, dass das Percussion-Ensemble der Jugendmusikschule unter Leitung von Andreas Schwarz und Winfried Haug mit feinen sphärischen Klängen und einem reinigen Gewitter die erste Szene des Buches scheinbar nachempfindet: Es ist die erste Begegnung von Liss und Sally an einem heißen Sommertag. „Auf der Kuppe der schmalen Straße durch die Felder und Weinberge flimmerte die Luft über dem Asphalt. Als Liss mit dem alten offenen Traktor langsam hügelan fuhr, sah diese aus wie Wasser, das flüssiger war als normales Wasser; leichter und beweglicher. Sommerwasser. Man konnte es nur mit den Augen trinken“, schreibt Ewald Arenz zu Beginn des Buches „Alte Sorten“. Und die Percussionkünstler empfinden diese Worte mit dem Stück „Thank you“ nach.

Arenz schreibt von heilenden Beziehungen

Es geht um heilende Beziehungen in dem Buch, das über Wochen hinweg nun die ganze Stadt gelesen hat. Wie gut das Buch den Menschen gefallen hat, das zeigt die stolze Menge von 450 Stühlen, die am Abend mit dem Autor belegt sind. Oberbürgermeister Patrick Wegener zeigt das, „wie wichtig Kunst ist, um Menschen zu verbinden.“ Seit 2019 gibt es das beliebte Format von „Öhringen liest ein Buch“. Wie oft lese man ein Buch und wolle sich darüber mit jemandem austauschen. Doch wenn der das nicht auch gelesen habe, sei es schwierig, weiß Patrick Wegener.

Ewald Arenz (rechts) fasziniert mit seiner Lesung die 450 Besucher in der Kultura.
Ewald Arenz (rechts) fasziniert mit seiner Lesung die 450 Besucher in der Kultura.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Bei „Öhringen liest ein Buch“ gibt es gleich ganz viele Menschen, die den Titel ebenfalls gelesen haben und ihre Gedanken dazu haben. In Lesekreisen und bei vielen verschiedenen Veranstaltungen tauschen sich die Menschen über das Gelesene aus. „Das Festival stärkt die Lesefreude und den Zusammenhalt in der Stadt“, freut sich Patrick Wegener über die Wirkung der Literatur. Und sagt über den Titel: „Es ist ein starkes, kraftvolles Buch.“ Es berichte von Verletzlichkeit und Stärke, von der Kraft der Natur. Es sei eine liebevolle Hommage an das Ursprüngliche, das Einfache.

Arenz zeichnet einen Zaubergarten

Ewald Arenz (Jahrgang 1965), der erst Jura studiert und dann aber auf englische und amerikanische Literatur umgeschwenkt ist, gehört mit mehr als einer Million verkauften Expemplaren zu den Top-Autoren der Gegenwart. Er stand mit seinen Titeln bereits mehrfach auf der Spiegel-Bestsellerliste. „Mit einer beeindruckenden Vielseitigkeit“, ruft Buchhändler Markus Hassler, der nach der Lesung mit dem Autor ein spannendes Gespräch führt, in Erinnerung. „Alle lesen ein Buch und doch jeder ein anderes“, erinnert Hassler daran, dass Literatur bei jedem Leser anders wirken kann.

Die Textstellen, die Ewald Arenz an diesem Abend wählt, fesseln allerdings alle: Sie erzählen von zwei sehr unterschiedlichen Frauen mit ihren jeweiligen Verletzungen. Sanft, witzig, pointiert. Und am Ende sind alle traurig, aus dem Zaubergarten mit dem kniehohen Gras, den vielen Erinnerungen und den wohlschmeckenden und wohlklingenden Birnen vertrieben zu werden. 

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