Obstbauern fordern angepassten Pflanzenschutz
Die Obstbauern kritisieren schwerfällige Zulassung neuer Präparate. Der Bauernverband versucht weiter, Ausnahmeregeln für Saisonarbeiter zu finden. Das sind die neuesten Herausforderungen und Trends:

Nach einem Winter mit zeitweise knackigen Minusgraden blicken die Obstbauern mit einer Mischung aus Vorfreude und Sorge auf die kommende Saison. Die Arbeiten laufen bereits auf Hochtouren: In den Apfelplantagen ist Baumschnitt. Nicht von ungefähr treffen sich die Obstbauern immer an der Schwelle von Winter zu Frühling zu ihrer Jahrestagung in Weinsberg, um sich über neue Trends und Herausforderungen auszutauschen.
Pflanzenschutz und Mindestlohn sind die Themen, die die Obstgärtner derzeit am meisten bewegen. Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung von Schaderregern, die bisher eher in südlichen Gefilden anzutreffen waren. Doch die Zulassungspraxis des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wird von der Branche kritisiert.
Pflanzenschutz hält mit den neuen Schaderregern nicht Schritt
Anstatt das Spektrum der Pflanzenschutzpräparate dem neuen Bedarf anzupassen, klagen die Landwirte über immer höhere Auflagen, wie der Leiter der Landesversuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO), Dieter Blankenhorn, am Rande des jüngsten Obstbautags bestätigte.
Auch Obstbauer Samuel Schmelzle aus Öhringen-Verrenberg fordert eine schnellere Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Die Hürden seien so hoch, dass zu wenige Anwender davon Gebrauch machen können. Die Folge: Die Hersteller können die millionenschweren Entwicklungskosten nicht auf die Produkte umlegen. Viele Hersteller würden Produkte in der Entwicklungs-Pipeline, darunter auch ökologische und besonders umweltverträgliche, nicht zur Marktreife bringen.
Diese widerstandsfähige Apfelsorte landet bei Verkostungen auf der Poleposition
Bedarf gibt es nach Ansicht des Praktikers durchaus. Bei Äpfeln seien geeignete Mittel gegen Pilzerkrankungen erforderlich. Auch das ein oder andere Insektizid vermissen die Obstbauern schmerzlich. Um mit den zur Verfügung stehenden Betriebsmitteln zurecht zu kommen, setzt der Obstbauer zunehmend auf Sorten mit eingebauten Resistenzen gegen Schaderreger. „Im vorigen Jahr habe ich ein paar Mammut angebaut“, berichtet der Landwirt. Die Apfelsorte stammt von der LVWO Weinsberg, ist gegen Schorfbildung widerstandsfähig und dennoch wohlschmeckend. „Bei Apfelverkostungen landet Mammut immer ganz vorne“, berichtet Dr. Franz Ruess, Abteilungsleiter an der LVWO.
So hat sich der Mindestlohn entwickelt
Gala, die am besten vermarktbare Sorte, schneide dagegen regelmäßig am hinteren Ende ab. Dennoch hätten es neue Sorten schwer, sich gegen die Beharrungskräfte des Handels und der Verbrauchergewohnheiten durchzusetzen, meint der Zuchtexperte für Äpfel.
Der abermals erhöhte Mindestlohn ist auch aus Sicht des Praktikers Samuel Schmelzle eine der größten Herausforderungen der heimischen Obstbauer. Zu Erinnerung: Seit 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro brutto pro Stunde. 2027 wird er nochmals um einen Euro steigen, dann auf 14,60 Euro. 2025 betrug der Mindestlohn noch 12,82 Euro.
Deshalb untermimmt der Bauernverband einen zweiten Versuch
Das Personal mache beim Apfelanbau 30 bis mit 40 Prozent der Betriebskosten aus, schätzt Schmelze. Beim Beerenanbau sei die Quote noch höher. „Wenn wir Mindestlohn zahlen und Betriebe im europäischen Ausland nicht, geraten wir in die Schieflage“, so der Öhringer. Er hofft, dass doch noch gelingt, eine eigene Regelung für die Landwirtschaft auszuhandeln. Einen ersten Vorstoß des Deutschen Bauernpräsidenten Joachim Rukwied hatte die Bundesregierung nach verfassungsrechtlichen Bedenken des Koalitionspartners SPD abgelehnt.
Helfen mehr Maschinen aus der Patsche?
Wie der Deutsche Bauernverband (DBV) auf Stimme-Anfrage mitteilt, lässt der Verband derzeit juristisch prüfen, ob es nicht doch eine Ausnahmeregelung für ausländische Saisonarbeitskräfte, die nur wenige Wochen im Jahr in deutschen Landwirtschaftsbetrieben arbeiten, geben kann, so DBV-Sprecher Axel Finkenwirth.
Ungeachtet der agrarpolitischen Entwicklungen sind die Obstbauern gezwungen, die Lohnkosten durch höhere Mechanisierung abzufedern, etwa durch den Einsatz von Ernte- und Sortiermaschinen. Einsparungen gebe es auch durch vereinfachte Baumschnitte und das maschinelle Vorschneiden von Bäumen, wo dies möglich ist, berichtet Praktiker Schmelzle.
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