Nur Gewinner? Mario Voigt und Würth: Das passt
Der CDU-Politiker lobt die Weitsicht und Wandlungskraft des Weltmarktführers und wirft bei dem Wahlkampfbesuch gleichzeitig die eigenen Stärken in die Waagschale. Am Ende sollen alle profitieren: politisch und wirtschaftlich.

Ein junger CDU-Landtagskandidat aus Hohenlohe, Tim Breitkreuz (31), macht lokalen Wahlkampf mit dem jüngsten amtierenden Ministerpräsidenten Deutschlands, dem Thüringer Mario Voigt (48), um am Ende ins Parlament einzuziehen und dem CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Manuel Hagel (37), zu helfen, die Staatskanzlei in Stuttgart zu erobern – womit der dann Mario Voigt als jüngsten Länderchef abgelöst hätte, wenn er denn die Wahl am 8. März gewinnen und vom Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt würde. Es wäre also eine Win-Win-Win-Konstellation: ganz im politischen Sinne.
Die Wirtschaft in Schwung halten
Doch nicht umsonst treffen sich Breitkreuz und Voigt am Donnerstag im Würth-Forschungszentrum Curio in Gaisbach. Denn beide wollen auch die Wirtschaft in Schwung halten. Voigt lobt dabei immer wieder die Vorbildfunktion des Weltmarktführers und spielt bewundernd bis bestärkend diese zweite Win-Win-Win-Situation im gekonnten Tête-à-Tête mit dem Würth-Chef aus, indem er gleichzeitig die Vorreiterrolle Thüringens als Brustlöser bürokratischer Bronchitis zum Wohle einer gefesselten Wirtschaft heraufbeschwört.
Norbert Heckmann empfiehlt: „Einfach machen“
Wie „adaptiv und schnell“ Würth „vor der Zeit sei“ und sich stets neuen Lagen anpasse: Das imponiert Voigt. „Die Welt ändert sich permanent“, Würth halte immer Schritt. „Wie kriegen Sie das hin?“, will er wissen. „Einfach machen“, zitiert Norbert Heckmann ein Bonmot des Übervaters Reinhold Würth. Der Sprecher der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG sagt aber auch: „Wir in Deutschland reden uns schlechter, als wir sind.“
Die Erotik einer Holzbauschraube
Fünf „Strategiefelder“ wirft Heckmann an die Wand, das Zieljahr ist 2032. Eines heißt „Innovation und Kreislaufwirtschaft“. Mario Voigt ist sofort Feuer und Flamme: „Das ist eines meiner Themenfelder“ – als Ministerpräsident. Er will Thüringen zum „Vorzeigeland beim Holzbau“ machen, mit „Kompetenzzentren“, die Dinge ganz anders denken und „tief in der Forschung verankert sind“. Willkommen im Gedankengebäude von Würth. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass Nobert Heckmann dem hohen Gast aus der Politik gleich zu Beginn seines Vortrags den Mund in dergestalt wässrig macht, „welche Erotik eine Holzbauschraube entfalten kann“.
Handelszentren rund um die Uhr offen? In Thüringen bald erlaubt
„Alles ist verwertbar“, davon ist Mario Voigt überzeugt. „In der textilen Kreislaufwirtschaft liegen wir in Thüringen schon ganz weit vorn.“ Die „Wertschätzung gegenüber den Ressourcen“ sei ein „riesiges Strategiefeld“, das viel stärker beackert werden müsste. „Hier fehlt mir ein wenig das Mindset.“ Auf allen Kanälen präsent sein: Auch das ist ein Würth’sches Erfolgsmantra. Der klassische Außendienstler war früher dominant, heute läuft vieles digital oder direkt vor Ort. „Auch in Thüringen hat Würth 18 stationäre Handelszentren“, sagt Heckmann. „Sind die rund um die Uhr geöffnet?“, fragt Voigt. „Nein, das ist nicht erlaubt“, antwortet Heckmann. „Thüringen wird das künftig erlauben, ich werde das nächste Woche ändern“, verkündet Voigt. Klingt nach einem guten Deal.
Bürokratieabbau: „Sie als Praktiker müssen uns sagen, wo es klemmt
Einfach machen: Das kann Würth. Einfacher machen: Das kann und muss die Politik. Und Mario Voigt liefert, wie er beteuert, und will weiter liefern. In seinem Thüringen. Um die Wirtschaft aus den Fängen der Bürokratie zu befreien. „Wir werden das Planungsrecht ändern, um noch schneller zu werden.“ Denn: Zeit ist Geld. „Es ist unglaublich wichtig, die Prozesse zu beschleunigen“, bekräftigt der Würth-Manager Heckmann. „Die Politik muss uns da unterstützen.“ Und mit „wir“ meint er nicht nur „große Firmen“, sondern auch all die kleinen „Handwerker“, mit denen Würth Geschäfte macht. „Sie als Praktiker müssen uns sagen, wo es klemmt“, meint Voigt. Er werde als Politiker tun , was möglich ist: etwa „serielles Bauen“ zu forcieren.
Pilotprojekt mit dem Relast-System?
Viel schneller und viel günstiger? Da hat auch Würth etwas auf Lager. Es ist das „Relast“-System, mit denen morsche Bauwerke nachträglich verstärkt werden können. Bestes Beispiel: Brücken, die dadurch für eine gewisse Zeit sicher saniert und nicht komplett abgerissen werden müssten. Mario Voigt gefällt das und schlägt vor, in Thüringen ein „Pilotprojekt“ zu lancieren. Und die Würthler? Präsentieren prompt eine Reihe positiver „Referenzbeispiele“, 247 Vorhaben seien mit diesem „einmaligen System“ abgewickelt worden. Kündigt sich da etwa schon ein neues, länderübergreifendes Win-Win-Win-Projekt an? Gut möglich. Jetzt aber erstmal in Baden-Württemberg politisch alles in trockene Tücher bringen, werden in diesem Moment wohl die meisten gedacht haben.
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