Stimme+
Kommunale Finanzen

Niedernhalls Etat erstmals seit Jahren im Minus

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Sinkende Steuereinnahmen, hohe Abgaben und hohe Investitionen lassen in Niedernhall die Schulden steigen. Warum Bürgermeister und Gemeinderat dennoch zufrieden sind.

Die Stadt Niedernhall hat finanziell schwierige Jahre vor sich. Dennoch sind Verwaltung und Gemeinderat zuversichtlich.
Die Stadt Niedernhall hat finanziell schwierige Jahre vor sich. Dennoch sind Verwaltung und Gemeinderat zuversichtlich.  Foto: Büchele, Torsten

Es ist eine Situation, mit der man in Niedernhall nicht allzu oft konfrontiert ist: Unter dem Strich des Haushaltsplans 2025 klafft ein kräftiges Minus von 890 400 Euro. „Da sind wir in guter Gesellschaft“, sagt Kämmerin Susanne Mugele dem Gemeinderat. Die meisten Kommunen schafften es in diesem Jahr nicht, ein Defizit zu verhindern.

Niedernhalls Haushalt ist seit langer Zeit erstmals im Minus

Gründe sind die schlechtere wirtschaftliche Lage insgesamt sowie das Jahr 2023, das vielen Kommunen überdurchschnittliche Steuereinnahmen beschert hatte. Denn gute Einnahmen im einen Jahr bedeuten, so will es der sogenannte Finanzausgleich, höhere Umlagezahlungen zwei Jahre später. Demnach werden diese Zahlungen – rund 2,5 Millionen Euro sind das – nun fällig. Hinzu kommen weitere große Batzen wie die Kreisumlage von 3,4 Millionen Euro. In Kombination mit geringeren Einnahmen und den in Niedernhall aktuell hohen Investitionen führt das zu besagtem Defizit.

Sinkende Einnahmen stehen im Niedernhaller Etat steigenden Ausgaben gegenüber

Richten sollen es am Ende ein Griff in die Rücklage sowie eine Kreditaufnahme über eine Million Euro. Einnahmen durch Grundstückserlöse sind ebenfalls eingeplant, wenngleich Mugele defensiver kalkuliert hat als in den Vorjahren. Denn Inflation, die gestiegenen Zinsen und Baupreise zügeln die Nachfrage nach Bauplätzen. Die Schulden der Stadt erhöhen sich laut mittelfristiger Planung von 5,6 Millionen Euro auf 13,4 Millionen im Jahr 2028. 

Bei den Einnahmen schlägt die Gewerbesteuer deutlich zu Buche. Hier rechnet die Kämmerin „optimistisch“ mit sechs Millionen Euro. Das könne jedoch auch darunter liegen, obwohl man bereits 1,5 Millionen Euro weniger als im Plan 2024 und ganze 3,5 Millionen weniger als im Rekordjahr 2023 einplane. Viele laufende Großprojekte müssen jedoch weiter finanziert werden.

Am Bau II des Niedernhaller Bildungszentrums beginnen in diesem Jahr die Sanierungsarbeiten. Am Bau I sind die Arbeiten abgeschlossen, er wird nach den Faschingsferien wieder bezogen.
Am Bau II des Niedernhaller Bildungszentrums beginnen in diesem Jahr die Sanierungsarbeiten. Am Bau I sind die Arbeiten abgeschlossen, er wird nach den Faschingsferien wieder bezogen.  Foto: Ludwig, Tamara

Das sind allen voran die Sanierung des Solebads (fünf Millionen Euro), der Umbau der historischen Kelter (1,7 Millionen Euro) sowie die Sanierung von Bau II am Bildungszentrum (eine Million Euro). Positiv hebt Susanne Mugele jedoch hervor, dass man mit der Zuschussquote von 43 Prozent sehr gut liege. Soll heißen: Für ihre Projekte wird die Stadt auch ordentlich aus den Fördertöpfen von Bund und Land bedacht.

Sowohl der Bürgermeister als auch der Gemeinderat sind mit dem Etat zufrieden

Stellvertretend für das Gremium, das den Haushalt am Ende einstimmig verabschiedet, fasst Ralf Herrmann (BWV) seine Gedanken zum Haushaltsplan zusammen: „Die Unsicherheiten der Welt sind auch in unserer kleinen Stadt angekommen.“ Man habe aber vernünftig gespart, bleibe gleichzeitig handlungsfähig. Gut sei, so Herrmann, dass man rechtzeitig in Wohnen und Arbeiten investiert habe und sich das nun in der stetig wachsenden Einkommenssteuer niederschlage. Dass man außerdem viel in den Bildungsstandort investiere, hebt er ebenso positiv hervor. „Wir sind überzeugt, das ist ein solider Haushalt, auch wenn die Zahlen auf der ersten Blick vielleicht erschrecken“, lautet sein positives Fazit.

Auch Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck zeigt sich zufrieden mit dem Zahlenwerk: „Wir haben einen guten Haushalt, auch wenn er schlechter ist, als die Jahre zuvor.“ Nichtsdestotrotz habe man unter anderem entschieden, eine Stelle im Bauhof nicht nachzubesetzen und Investitionen, wie die geplante Sanierung des Feuerwehrgerätehauses, auf das Jahr 2028 zu schieben. Aber: „Es kommt auch nicht immer alles so, wie wir es jetzt planen.“

Solebad öffnet zum 1. Dezember wieder

Genau wie geplant hingegen – davon ist Beck überzeugt – wird die Wiedereröffnung des Solebads am 1. Dezember stattfinden. Damit Planer und Handwerker erst gar nicht auf andere Gedanken kommen, gibt der Bürgermeister im Sitzungssaal fleißig Flyer für die offizielle Einweihungsfeier am 28. November aus. Wenn sich diese Maßnahme als Mittel gegen Verzögerungen am Bau bewährt, dürfte sie sicher Nachahmer finden. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben