Niedernhall will Pavillon für gut 1,2 Millionen Euro sanieren: „Muss was Gescheites dabei rauskommen“
Architekt Martin Knorr vom Öhringer Büro Knorr und Thiele stellt die Pläne für den Pavillon vor. Hier sollen Hausaufgabenbetreuung und weiterhin die Bücherei untergebracht werden. Welche Maßnahmen kommen – und welche nicht.

Es gibt ein kurzes Stutzen im Sitzungsraum des Niedernhaller Rathauses bei der Gemeinderatssitzung am Montag. Da sagt Stadtrat Tobias Gauss, als es um die Sanierung des Pavillons am Bildungszentrum geht: „Bei 6000 Euro pro Quadratmeter muss was Gescheites dabei rauskommen.“ Die Summe überrascht sichtlich Bürgermeister Achim Beck und Architekt Martin Knorr vom Öhringer Büro Knorr und Thiele. Dieser hat zwar Zweifel an der Rechnung – ist das Gebäude doch zweistöckig und „ein Klassenraum hat bestimmt schon 50 Quadratmeter“. Aber die tatsächliche Fläche kann er nicht aus dem Stand abrufen.
Korrektur: „vertretbarer Rahmen“ von 3000 Euro pro Quadratmeter
Im Nachgang der Sitzung meldet sich Beck bei unserer Redaktion und betont: Das sei eine „falsche Recherche in der Eile“ gewesen. Der Stadtrat habe die Fläche nur eines Stockwerks als Grundlage genommen. „Die Sanierungskosten liegen daher in einem, normalen vertretbaren Rahmen von 3000 Euro pro Quadratmeter.“ Doch schon in der Sitzung hat dieses Missverständnis keine Auswirkung. Die Räte sind einstimmig dafür, dass das Baugesuch eingereicht und die Fördermittel beantragt werden: Sanierung, Ertüchtigung des Brandschutzes und Bau einer Fluchttreppe sollen dafür sorgen, dass die Stadt auch bei dem Pavillon „für die nächsten 50 Jahre Ruh’ hat“, wie Beck es formuliert.
Die Pläne stellt Architekt Martin Knorr vor: In dem Gebäude soll die Hausaufgabenbetreuung eingerichtet werden, die Schulbücherei weiter untergebracht sein, sowie der Brandschutz ertüchtigt und eine zweite Fluchttreppe angebaut werden. Zu Beginn seiner Präsentation zeigt Knorr Bilder aus dem Haus: „Provisorisch“ angebrachte Kabel hängen von der Decke. In der Toilette steht eine Kiste mit Müll unter dem Waschbecken, Abstellkammern hier und dort.
Pavillon soll an die bereits sanierten Gebäude angepasst werden
Durch den Umbau soll das Gebäude an die Bauten eins und zwei des Bildungszentrums angeglichen werden: Die abgehängten Decken werden durch Akustik-Decken ersetzt. Im Obergeschoss wird diese den Blick auf die Glasbausteine unter dem Pultdach verdecken. Die Fliesen auf den Wänden werden abgeschlagen, stattdessen werden sie verputzt und gestrichen. Der Boden wird gegen einen blauen Kautschuckboden ausgetauscht. Allerdings bleiben die steinernen Bodenbeläge im Flur und Treppenbereich erhalten. Die Geländer werden an die in den anderen Gebäuden angepasst. Außerdem wird die technische Ausrüstung wie Heizkörper, Lampen und sanitäre Anlagen erneuert. Hinter der Eingangstür soll eine Glaswand zwischen Eingangsbereich und Garderobe eingezogen werden.
Ziegeldach wird durch Metalldach und PV ersetzt
Auf dem Dach werden die Ziegel – wie bei den anderen Bauten – durch ein Metalldach ersetzt. Außerdem wird eine Photovoltaikanlage darauf gebaut. Die zum Teil noch vorhandenen Holzfenster werden durch welche aus Kunststoff ersetzt und die Fassade wird neu gestrichen. An der von der Straße abgewandten Seite des Gebäudes wird eine Stahltreppe als zweiter Rettungsweg angebaut, sowie eine weitere Tür eingesetzt, die zum Kabuff unter den Treppen führt, wo die Hausanschlüsse zusammenlaufen.
Ein Aufzug werde nicht eingebaut, sagt Architekt Knorr. In diesem Fall sei das möglich, so Knorr: „Wir können nachweisen, dass wir damit 15 Prozent der Gesamtbaukosten überschreiten.“ Er könne aber, „wenn es Förderungen gibt“, eingebaut werden. Es gebe einen ebenerdigen Zugang und die Räume im Erdgeschoss können barrierefrei erreicht werden. Bürgermeister Beck ergänzt: „Wenn dort einmal ein Klassenzimmer hineinkommt, muss eine Klasse mit einem körperbehinderten Kind ins Erdgeschoss“. Er betont, dass die laufenden Kosten eines Aufzugs auch sehr teuer seien, und der sich deswegen nur in einem mehrstöckigen Gebäude lohne.
Die Gesamtkosten betragen laut der Planung etwa 1,24 Millionen Euro. Im Haushalt sind eine Millionen eingeplant – die Verwaltung werde sich aber um Fördergelder bemühen. Beck erhofft sich 70 Prozent Zuschuss aus dem Schulbauförderungserweiterungsgesetz, „oder, weil wir auswärtige Schüler haben, mehr Prozente“. Auch bei 3000 Euro pro Quadratmeter erhoffen sich die Räte wohl, dass „was Gescheites“ rauskommt.
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