Zwischen den Welten
Die gebürtige Hohenloherin Hiltrud Baier lebt in Lappland und schreibt dort Krimis

"Ich brauche die Besuche in Deutschland", gesteht Hiltrud Baier, nicht nur, um hier nach ihrer 90 Jahre alten Mutter zu sehen. Die gebürtige Hohenloherin lebt seit 15 Jahren in Lappland. Dort schreibt sie Krimis. Um daraus zu lesen, kommt sie zweimal im Jahr nach Deutschland. Und das ist gut so. Denn so gut es Baier in Lappland gefällt: "Es ist schon einsam dort", berichtet sie von ihrem kleinen Wohnort. Und dabei sei Jokkmokk mit 5000 Einwohnern in der Gesamtgemeinde zweitgrößte Gemeinde Schwedens. So schön (und dauernd hell) es im Sommer in Lappland ist, so dunkel und einsam ist es dort im Winter. Apfel- und Kirschblüte, aber auch die deutsche Kaffeekultur fehlen ihr. Und so genießt sie die gastronomische und kulturelle Vielfalt bei ihren Deutschlandbesuchen.
Eigenverlag Dafür hat sie in Lappland viel Zeit zum Schreiben. Als sie der Liebe wegen 2001 nach Schweden gezogen ist, hat sie einen Ratgeber für Auswanderer geschrieben, selbst verkauft und selbst vermarktet. Es folgten ein Kinderbuch und ein Buch, das erzählte, wie das erste Jahr als Auswanderer lief. Da Hiltrud Baier nach ihrem Abitur am HGÖ 1980, ihrer Buchhändlerlehre in Künzelsau und nach ihrem Studium in Tübingen bei zwei Buchverlagen gearbeitet hatte, war sie dabei sehr erfolgreich. "Es ist aber schöner, wenn man sich nur auf das Schreiben konzentrieren kann", suchte sie sich für die folgenden beiden Krimis und den derzeit zu schreibenden Roman einen Agenten und einen Verlag.
Zwei Bücher Ihr erster Krimi erschien 2014, der zweite bereits 2015. Die Idee zum ersten Buch hatte die zweifache Mutter bereits seit 2011 im Kopf. Schwierig sei es, die Figuren zu entwickeln. Die drei Kommissare, die tauchen immer wieder auf, neue Figuren kommen hinzu. "Und dann ist Schreiben eben auch Handwerk." Will heißen: Man kann es lernen und perfektionieren.
Die Kultur der Samen will Hiltrud Baier in ihren Büchern transportieren. Die Gegend anschaulich beschreiben. Die Recherche ist ihr unheimlich wichtig. Dafür fliegt sie auch mit dem Hubschrauber in die Berge Lapplands, um sich den Schauplatz des Mordes genau anzusehen. Ein Krimi spielt im Februar, wenn das Land noch unter Schnee liegt. Der zweite Mord ereignet sich im September während der Schlachtung. Da sie Samen als Nachbarn hat, weiß Hiltrud Baier nun genau, wie so eine Rentier-Schlachtung funktioniert. Und auch ansonsten kennt sie viele Bräuche der früheren Nomaden. Und so sind ihre Bücher nicht nur spannende Krimis. Sie erzählen auch von Land und Leuten.
Hiltrud Baier liest am heutigen Freitag, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung Rau.
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