Zweiflingen will zweieiige Zwillingshallen
Millionenprojekt: Das Konzept für die Erweiterung der Gemeindehalle steht - Doch vieles hängt an den Zuschüssen.

Aus eins mach zwei: Aus der Sport- und Gemeindehalle Zweiflingen sollen eine Sporthalle und eine Gemeindehalle werden. Weil die 30 Jahre alte Halle zu klein geworden ist und überdies vielen Vorgaben an eine moderne Versammlungsstätte nicht entspricht, will die kleinste Gemeinde im Hohenlohekreis gut fünf Millionen Euro in einen Um- und Anbau investieren. Die zweite Halle soll die gleiche Grundfläche haben wie die erste − und doch ganz anders sein.
Die Sport- und Gemeindehalle ist ein Kind der Kommunalreform. 1972 entstand aus Zweiflingen, Orendelsall und Westernbach die neue Gemeinde Zweiflingen, 1977 gründete sich der TSV Zweiflingen als gemeinsamer Sportverein und 1984 weihten die Bürger ihre neue Sport- und Gemeindehalle im Hauptort ein.
Raumnot
Der TSV wurde zur Erfolgsgeschichte, bei gut 800 Mitgliedern gehört fast jeder zweite Einwohner der Gemeinde dem Verein an. Gesangvereine, Landfrauen, Schule, Kinderhaus und Volkshochschule nutzen die Sport- und Gemeindehalle.
"Die Halle platzt aus allen Nähten", sagt Bürgermeister Klaus Gross. So hätten die Tischtennisspieler ihre Platten in einem Raum untergestellt, der eigentlich als Garage gebaut war. Die Volleyballer hadern mit der zu niedrigen Decke. Getrennte Toiletten für Lehrerinnen und Lehrer gibt es nicht und einen barrierefreien Zugang, der diesen Namen verdient, schon gar nicht.
Bereits 2002 habe die Gemeinde sein Architekturbüro um Ideen für einen Um- und Ausbau gebeten, berichtet Architekt Martin Knorr aus Öhringen. Doch zunächst bekam das Kinderhaus Vorrang.
Mittlerweile steht die Halle wieder auf der Tagesordnung. Die Gemeinde Zweiflingen hat die Landsiedlung Baden-Württemberg als Berater ins Boot genommen, hat in einer Mehrfachbeauftragung drei Architekturbüros um Vorschläge gebeten, hat das Thema nicht öffentlich im Gemeinderat und öffentlich in Bürgerversammlungen diskutiert. Seit August ist klar: Das Architekturbüro Knorr & Thiele wird den Um- und Ausbau planen.
Die 30 Jahr alte Sport- und Gemeindehalle soll erhalten bleiben und energetisch auf den Stand der Zeit gebracht werden, sagt Architekt Martin Knorr. Dahinter, in Richtung Sportplatz, werde eine zweite Halle gebaut, "wie ein Zwillingsbruder". Beide Hallen haben die standardisierte Fläche von 15 mal 27 Meter, doch die neue wird mit sieben um eineinhalb Meter höher als die alte. Die neue Halle wird Nebenräume auf zwei Etagen haben: Lagerfläche im unteren, Umkleidekabinen im oberen Stockwerk. Da das Gelände vom Sportplatz zur alten Halle hin abfällt, liegen die Umkleidekabinen ebenerdig für die Kicker, die im Freien aktiv sind.
Zwischen die beiden Hallen kommt ein Zwischentrakt, der den zentralen Eingangsbereich umfasst, aber auch die alte, künftig um einen Meter angehobene Bühne. Kerngedanke ist, dass beide Hallen parallel von Sportlern genutzt werden können, aber auch die neue für Sport-, die alte für Kulturveranstaltungen.
Bauzeit
Noch stehen die Fachplanungen und Förderzusagen aus, die Bauarbeiten können frühestens Ende 2015 beginnen. Die Bauzeit werde mindestens zwei Jahre betragen, sagt Architekt Martin Knorr.
Auch politisch ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten, weiß der Bürgermeister. Schließlich ist so ein Hallenbau keine kommunale Pflichtaufgabe. Für das Großprojekt wird die derzeit schuldenfreie Gemeinde Kredite aufnehmen müssen. Doch Klaus Gross sagt: "Die freiwillige Aufgabe ist für mich eine ganz wichtige. Denn ohne Vereine ist unsere Gemeinde nicht lebensfähig."
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