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Zwei altgediente Chefärzte verlassen Hohenloher Krankenhaus

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Medizinisch und menschlich top: Mit Dr. Hartmut Drößler und Dr. Werner Reinosch verliert die Klinik zwei angesehene Führungskräfte. Der eine war Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, der andere leitete die Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie.

Landrat Matthias Neth (links) beschenkte die scheidenden Chefärzte Dr. Werner Reinosch (daneben) und Dr. Hartmut Drößler mit der Ehrenmedaille des Hohenlohekreises in Silber − eine seltene Auszeichnung. BBT-Regionalleiter Thomas Wigant (rechts) hatte unter anderem Reisekoffer, Kochbücher und Wandersocken dabei.
Fotos: Ralf Reichert
Landrat Matthias Neth (links) beschenkte die scheidenden Chefärzte Dr. Werner Reinosch (daneben) und Dr. Hartmut Drößler mit der Ehrenmedaille des Hohenlohekreises in Silber − eine seltene Auszeichnung. BBT-Regionalleiter Thomas Wigant (rechts) hatte unter anderem Reisekoffer, Kochbücher und Wandersocken dabei. Fotos: Ralf Reichert  Foto: Reichert, Ralf

Sie prägten die Geschicke des Hohenloher Krankenhauses entscheidend mit. Sie zählten zu den besten Medizinern der Klinik und erfuhren große Anerkennung - von Patienten und Mitarbeitern gleichermaßen. Auch die Wertschätzung der hiesigen Ärzteschaft war ihnen gewiss. Jetzt gehen Dr. Hartmut Drößler (68) und Dr. Werner Reinosch (62) in Ruhestand: der eine nach mehr als 28 Jahren, der andere nach über 23 Jahren. Drößler war Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Reinosch Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie.

Beide erhalten die Ehrenmedaille des Kreises in Silber

"Wir leiden heute schon ein wenig", sagt Landrat Matthias Neth bei der Verabschiedung in Pfedelbach. "Wenn zwei Chefärzte wie Sie ausscheiden, ist das eine Zäsur für so ein Haus." Neth attestiert ihnen eine "unglaubliche Bereitschaft", zum Wohle der Menschen gearbeitet zu haben. Ihre Verdienste für die Bevölkerung seien "herausragend". Deshalb hat er eine Überraschung parat: Das Duo erhält die Ehrenmedaille des Hohenlohekreises in Silber - eine seltene Auszeichnung.

 


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Herzliches Willkommen (von links): BBT-Regionalleiter Marc Reggentin mit den neuen Chefärzten Dr. Sabine Richter (seit Januar 2020), Professor Dr. Frank Wenger (seit Oktober 2021) und Dr. Holger Wolff (seit Anfang 2021).
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Neues Chefarzt-Trio ist breit aufgestellt


Landrat Neth wird in seiner Laudatio sehr persönlich

Neth rühmt in seiner Rede nicht nur das beispielhafte Wirken für die Gesellschaft. Er wird in seiner Laudatio auch sehr persönlich, um die fachlichen Qualitäten, aber vor allem das menschliche Ethos der zwei Chefärzte zu würdigen. Bei der Geburt seiner Tochter habe er selbst erlebt, wie viel Sichereit Hartmut Drößler und sein Team im Kreißsaal ausgestrahlt hätten, so der Landrat: "Der Chefarzt war vom Gefühl her nie da, und doch war er irgendwie immer anwesend." Als Neths Vater in die Schlaganfalleinheit der Öhringer Klinik eingeliefert wurde und er "voller Angst, Not und Verzweiflung" vor der Intensivstation saß, "legte Werner Reinosch die Hand auf meine Schulter und sagte: ,Wir kümmern uns darum"". Auch zu Beginn der Corona-Krise, als Neth harte Entscheidungen treffen musste, schätzte er das "pragmatische und lösungsorientierte Handeln" des am 1. Januar 2019 zum Ärztlichen Direktor aufgestiegenen Werner Reinosch. "Ich fragte: ,Was machen wir, wenn nicht genügend FFP2-Masken zu Verfügung stehen? Er antwortete: Dann ziehen wir halt drei OP-Masken übereinander."

Mehr als 22.000 Babies unter Drößlers Führung zur Welt gekommen

Das Hohenloher Krankenhaus in Öhringen: Werner Reinosch und Hartmut Drößler prägten die Geschicke der Klinik in weit über 20 Jahren entscheidend mit.
Das Hohenloher Krankenhaus in Öhringen: Werner Reinosch und Hartmut Drößler prägten die Geschicke der Klinik in weit über 20 Jahren entscheidend mit.  Foto: Reichert

Der Hohenlohekreis hält 49 Prozent an der Trägergesellschaft des Krankenhauses. Die BBT-Gruppe hat den Hut auf. Deren Regionalleiter Thomas Wigant lässt Zahlen sprechen: "Herr Drößler, unter Ihrer Führung sind in Öhringen mehr als 22.000 Babies zur Welt gekommen". Das seien fast so viele, wie die Stadt Einwohner habe - eine bemerkenswerte Quote. "Sie haben mit Lust, Freude und Struktur geführt und stets gute Teamarbeit gelebt."

Das kann Chefarzt-Kollege Dr. Andreas Koch nur bestätigen, der krankheitshalber fehlt, aber einige Worte aufgeschrieben hat, die Wigant vorliest: "Wir haben die Abteilung zusammen aufgebaut und 28 Jahre gemeinsam geleitet. Eine Doppelspitze funktioniert oft nicht, bei uns hat es funktioniert - wohl auch, weil wir aus demselben Stall kommen: der Frauenklinik in Nürnberg." Es war damals das größte Krankenhaus dieser Art in Deutschland. Thomas Wigant ergänzt: "Engagement und Herzblut, das hat für Sie immer gezählt - Sanft und sicher wie das Motto der Geburtshilfe: Das hat für Sie stets gegolten."

Werner Reinoschs historische Qualifikationen

Die fachärztlichen Qualifikationen von Werner Reinosch nennt der BBT-Regionalleiter gar "historisch". Denn: "Das wäre in dieser Breite heute gar nicht mehr möglich." Er habe den "chirurgischen Laden total gut am Laufen gehalten" und noch Verantwortung übernommen, als andere schon ihr Maßband gezückt hätten: Anfang 2019, als er Ärztlicher Direktor wurde: "Das zeigt: Ein Chirurg wie er fackelt nicht lange, er ist Pragmatiker und macht zack und klare Schnitte." In dieser Funktion bleibe er der Klinik noch bis Ende 2021 erhalten.

 

Hintergrund: Werdegang der scheidenden Chefärzte

Sein Studium absolvierte Werner Reinosch in Freiburg. Fachärztliche Weiterbildungen erwarb er in den Chirurgischen Kliniken des Städtischen Klinikums Karlsruhe, wo er seit 1994 Oberarzt in der Allgemein- und Thoraxchirurgie war. 1998 wurde er Chefarzt der Chirurgischen Klinik in Öhringen und war bis 2016 als Facharzt für Chirurgie, Viszeral- und Gefäßchirurgie auch in Künzelsau tätig. Seit 1. Januar 2019 ist er Ärztlicher Direktor und übt diese Funktion noch bis Ende 2021 aus.

Nach dem Studium arbeitete Hartmut Drößler zunächst in der Städtischen Frauenklinik in Nürnberg, es folgten Stationen als Oberarzt in den Frauenkliniken Weiden und Hünfeld. Seit 1. Februar 1993 war er Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Hohenloher Krankenhaus und leitete mit seinem Chefarzt-Kollegen Dr. Andreas Koch bis Ende Mai 2021 die Einheit im Team. Koch führt die Abteilung weiter, Drößler steht weiterhin für Vertretungen bereit. 

 
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