Würth-Wohnsitz: Reaktionen aus Hohenlohe (19.12.08)

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Künzelsau - Würth zieht um - die Rache des Schraubenkönigs“, titelte gestern die Süddeutsche Zeitung auf ihrem Internetportal. Erst der Auslandskonzernsitz in der Schweiz, jetzt die Verlagerung des Wohnsitzes nach Salzburg und die Beantragung der österreichischen Staatsbürgerschaft. Ist das also die Retourkutsche des vorbestraften Patriarchen, der sich über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung maßlos geärgert hatte? In Hohenlohe halten die Promis den Ball gewohnt flach. Man weiß: Jedes falsche Wort kann Würth noch wütender machen.

Von Ralf Reichert und Matthias Stolla
Reinhold Würth will Österreicher werden. Seine deutsche Staatsbürgerschaft möchte der 73-Jährige aber behalten. Die Verlagerung des Wohnsitzes war gestern das Top-Thema in Hohenlohe. Die offiziellen Statements sind aber äußerst verhalten. Foto: dpa
Reinhold Würth will Österreicher werden. Seine deutsche Staatsbürgerschaft möchte der 73-Jährige aber behalten. Die Verlagerung des Wohnsitzes war gestern das Top-Thema in Hohenlohe. Die offiziellen Statements sind aber äußerst verhalten. Foto: dpa

Künzelsau - Würth zieht um - die Rache des Schraubenkönigs“, titelte gestern die Süddeutsche Zeitung auf ihrem Internetportal. Erst der Auslandskonzernsitz in der Schweiz, jetzt die Verlagerung des Wohnsitzes nach Salzburg und die Beantragung der österreichischen Staatsbürgerschaft. Ist das also die Retourkutsche des vorbestraften Patriarchen, der sich über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung maßlos geärgert hatte? In Hohenlohe halten die Promis den Ball gewohnt flach. Man weiß: Jedes falsche Wort kann Würth noch wütender machen.

Gutes Recht

„Ich weiß, dass Reinhold Würth seit vielen Jahren einen Wohnsitz in Salzburg hat und sich dort sehr wohl fühlt“, sagt Helmut M. Jahn. Für den Hohenloher Landrat ist es deshalb keinesfalls überraschend, dass der Schraubenmilliardär Österreicher werden will: „Das ist sein gutes Recht.“ An einer doppelten Staatsbürgerschaft würde sich Jahn nicht stören: „Für Menschen, die viel Zeit in aller Welt verbringen, ist das normal.“ Und ein Hohenloher, da ist sich der Landrat ganz sicher, „wird er im Herzen trotzdem bleiben. Ich habe keine Sorge, dass er ganz aus Hohenlohe verschwindet“.

Ob der Wunsch nach einer doppelten Staatsbürgerschaft allerdings ein Schritt auf einem Weg ist, der am Ende Künzelsau und damit auch den Kreis um viele Steuermillionen bringen könnte, das, sagt Jahn, „kann ich nicht beurteilen“. In Künzelsau ist es ein offenes Geheimnis, dass die Stadt etwa zwei Drittel der Gewerbesteuereinnahmen der Firma Würth verdankt. Insgesamt 26 Millionen Euro hat die Stadt im Etat 2009 eingeplant. Ohne Würth wäre die Künzelsau nicht arm, aber deutlich ärmer.

Bürgermeister Volker Lenz spart schon mal mit Worten. Sein Bedauern darüber, dass Würth die fürs Auslandsgeschäft zuständige Konzernspitze in die Schweiz verlagert, hatte er bereits am vergangenen Samstag der HZ mitgeteilt. Zu etwaigen Auswanderungsplänen lässt er sich nur einen dürren Satz entlocken: „Zu weitergehenden Spekulationen, auch zu der Frage, wo Professor Dr. h. c. mult. Reinhold Würth seinen Lebensabend verbringt, möchte ich nicht Stellung nehmen.“

Schmallippig

„Kein Kommentar“: So lautete die knappe Antwort aus dem Hause Berner, Würths lokalem Konkurrenten. „Kein Kommentar“: So hieß es auch aus der Vorstandsetage der Volksbank Hohenlohe. Sparkassen-Chef Werner Gassert ließ sich nur zu einem Satz bewegen: „Ein Doppelpass ist nichts Ungewöhnliches für jemand, der international agiert.“ Gerhard Sturm, Beiratsvorsitzender von EBM-Papst und neben Würth einer der Wegbereiter des wirtschaftlichen Erfolgs Hohenlohes, gibt sich ebenfalls recht schmallippig. Kränkung wegen der Steueraffäre oder gar Rache? „Ich habe ihn in unseren letzten Gesprächen sehr normal erlebt.“

Zieht sich Würth Stück für Stück aus Hohenlohe zurück? „Bei einem gebürtigen Öhringer kann ich mir das nicht vorstellen“, sagt Landtagsabgeordneter Jochen K. Kübler. Für IHK-Präsident Thomas Philippiak kommt der Schritt nach Österreich nicht überraschend. „Ich weiß, dass er tief betroffen war und unter der Verurteilung in der Steuersache sehr gelitten hat.“ Haben die Verlagerungen steuerlich wirklich keine Folgen? „Ich habe keinen Zweifel an den Aussagen der Firma Würth.“

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