Wohnungen statt Saft und Schulmöbel
Eigentümer von Naturella und Hohenloher wollen Firmenareale für eine Neubebauung vermarkten

Wo bis Mai 2015 Fruchtsäfte hergestellt und wo heute noch Schulmöbel und Büroeinrichtungen produziert werden, sollen in wenigen Jahren Menschen wohnen. Die Eigentümer der traditionsreichen Öhringer Unternehmen Naturella (Riha Wesergold) und Hohenloher Spezialmöbelfabrik (Waldner) wollen ihre Gewerbeflächen zwischen Brechdarrweg räumen und haben bereits von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung ein städtebauliches Konzept für eine Wohnbebauung erarbeiten lassen.
In dieser Woche hat der Gemeinderat die Stadtverwaltung beauftragt, die planungsrechtlichen Grundlagen schaffen. Da geht es zum einen um den Bebauungsplan, zum anderen um die Aufnahme des Hohenloher-Naturella-Areals als Sanierungsgebiet ins Städtebauförderprogramm.
Riha Wesergold aus Rinteln hat die Produktion am Naturella-Standort zum 1. Juni 2015 eingestellt. Hohenloher, im Herbst 2014 vom Wettbewerber Waldner aus Wangen im Allgäu übernommen, soll in kleinerem Umfang an neuem Standort weitergeführt werden. Oberbürgermeister Thilo Michler hofft, dass das neue Werk ebenfalls in Öhringen sein wird: Die Stadt führe mit Waldner "sehr gute Gespräche".
Projektstudie Ihre bisherigen Gewerbeflächen wollen die Unternehmen zu Geld machen. Die Projektstudie der Kommunalentwicklung sieht eine zwei- bis viergeschossige Wohnbebauung vor, das ursprüngliche Hohenloher-Gebäude soll für Loft-Wohnungen erhalten bleiben. Zur Erschließung des Areals ist eine Ringstraße vorgesehen, die vom Brechdarrweg ausgeht.
Der Bebauungsplan wird in privater Regie erarbeitet, aber im Gemeinderat behandelt und beschlossen. Welche Einflussmöglichkeiten das Gremium habe, will Stadträtin Katharina Krehl (UNS/Grüne) wissen. Bei Geschossigkeit, Anzahl der Wohnungen, Stellplätzen und Verkehrserschließung bestehe Mitspracherecht, informiert Stadtbaumeister Reiner Bremm: "Aber bei der architektonischen Gestaltung hört es weitgehend auf."
Stadtbahn Dieter Volkert (UNS/Grüne) und Irmgard Kircher-Wieland (SPD) sind sich einig, dass es "kurzsichtig" gewesen sei, den geplanten Stadtbahnhaltepunkt Römerwall aufzugeben. Er wäre unmittelbar an dem künftigen Wohngebiet gelegen. Im Frühjahr 2014 hatte die Stadt die Planung aus Kostengründen gestoppt. Damit fielen auch die bereits genehmigten Zuschüsse aus dem Gesamtpaket Stadtbahnanschluss weg. Der Hauptbahnhof sei nicht weit weg vom künftigen Wohngebiet, sagt OB Michler. Es gebe "Gedankenspiele" über eine fußläufige Überquerung der Gleise. Barrierefrei sei dies allerdings kaum machbar − aus Kostengründen.
Die Stadt hatte bereits im Jahr 2008 ein Sanierungsgebiet entlang der Bahnlinie ausgewiesen. Damals stand eine Aussiedlung von Naturella im Raum. Der Sanierungszeitraum ist zwischenzeitlich nahezu abgelaufen, der Fördertopf geleert. Die Stadt will deshalb dieses Sanierungsgebiet aufheben und ein neues Sanierungsgebiet Brechdarrweg beantragen. Denn nur mit Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm und verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten sei die Umwandlung des alten Firmengebäudes in Lofts lukrativ, so OB Michler: "Bis zum 30. September müssen die Zuschussanträge gestellt werden."
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