Wird Stefan Neumann Backnangs OB?
Acht Kandidaten sind es am Ende geworden, die sich am Sonntag um den Chefsessel im Backnanger Rathaus streiten werden. Unter ihnen der Künzelsauer Bürgermeister. Er glaubt fest an den Wahlsieg am Sonntag.

"Ich trete an, um zu gewinnen", sagt Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann selbstbewusst. Er habe ein "super Gefühl". Stressfrei sind Neumanns vergangene Wochen nicht gewesen: In der Nacht auf Donnerstag war er beim Brand in Criesbach vor Ort, morgens dann im Büro im Künzelsauer Rathaus, am Nachmittag wieder im Wahlkampf.
"Klar ist es viel, aber mir geht es gut", sagt er zwischendurch im Gespräch mit der HZ. Die Stimmung in Backnang sei gut, die Termine würden gut angenommen - und an seinem Infostand, mit dem er mittwochs und samstags auf dem Markt ist, suchten die Menschen gezielt das Gespräch.
Natürlich sei es bei acht Kandidaten "ein spannendes Feld". Also hält er es mit Franz Beckenbauer: "Schaun 'mer mal." Dass es in Künzelsau neben viel Zustimmung auch Kritik an seiner Kandidatur gibt, dafür habe er Verständnis, sagt er.
Umfrage in der Innenstadt
"Mir ist er sehr sympathisch", sagt beim HZ-Stimmungsbild in der Künzelsauer Innenstadt Erika Weber (73) aus Kupferzell. Obwohl sie in der Nachbargemeinde zu Hause ist, erklärt sie: "Wir hätten ihn gerne hier behalten."
Auch Cornelia Kriegl (54) aus Künzelsau findet: "Er soll hier bleiben." Neumann sei sympathisch und mache gute Arbeit. Sie sei skeptisch, ob ein möglicher Nachfolger Neumanns sich ebenfalls so für die Leute einsetzen werde.
Ganz anderer Meinung ist Wolfgang Sabelek (64), ebenfalls aus Künzelsau: In Neumanns Amtszeit sei nicht viel gelaufen, der Verwaltungsapparat immer weiter aufgebläht worden, mit den Vereinen und einigen Gemeinderäten habe sich der Bürgermeister überworfen. "Wir hatten in der Vergangenheit kompetentere Leute", meint er und denkt: "Groß nachweinen wird ihm keiner."
Im Gegensatz dazu glaubt Herbert Dümmler (73) aus Dörzbach, Neumanns Weggang wäre sehr wohl ein Verlust für Künzelsau. Er glaubt, dass der Bürgermeister "keine schlechten Chancen" in Backnang habe. Wie es dann in Künzelsau weitergeht? "Ich könnte mir vorstellen, dass sich der ein oder andere jüngere Bürgermeister aus der Gegend bewerben könnte."
Prognose: Zweiter Wahlgang
In Backnang hat sich der örtliche SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Franke unterdessen intensiv mit den Kandidaten beschäftigt. "Es dürfte auf den zweiten Wahlgang rauslaufen". Denn es wäre es aus seiner Sicht "ein großes Wunder", sollte ein Kandidat schon am Sonntag die absolute Mehrheit schaffen. Für Franke ist die Wahl ein Zweikampf zwischen Neumann und seinem schärfsten Kontrahenten Maximilian Friedrich. Letzterer wirke etwas "präsenter vor Ort", könne zudem als gebürtiger Backnanger "mit Ortskenntnissen punkten", so Frankes Eindruck. Das bedeute aber nicht, dass er der bessere Bewerber sei. Die SPD und auch er persönlich hielten beide für geeignet. Zumal sich inhaltlich praktisch alle Kandidaten nichts schenkten. Frankes Prognose: "Beide landen zwischen 30 und 40 Prozent", wobei Friedrich "um ein paar Prozent" vorne liege.
Endergebnis voraussichtlich ab 20 Uhr
Aber: "Im zweiten Wahlgang werden die Karten in der Regel neu gemischt." Wird dieser notwendig, findet er am Sonntag, 28. März, statt. Dann reicht die einfache Mehrheit für den Wahlsieg. Wie Reiner Gauger aus dem Backnanger Rathaus erklärt, werden auf der städtischen Homepage am Wahlabend die Ergebnisse veröffentlicht, sobald die ersten Wahlbezirke ausgezählt worden sind. Auf der Internet-Präsenz soll es auch einen Livestream geben, in dem der Erste Bürgermeister das vorläufige Endergebnis verkünden wird.
Da erst die Landtagswahl erledigt werden muss, geht Gauger davon aus, dass die ersten Ergebnisse ab 19 Uhr vorliegen und das Endergebnis gegen 20 Uhr feststehen sollte.
Die Konkurrenz
Acht Kandidaten bewerben sich am Sonntag um das Amt des Oberbürgermeisters in Backnang. Das sind neben Stefan Neumann (38) noch die folgenden Personen: Maximilian Friedrich (33), Bürgermeister in Berglen und Freie-Wähler-Kreisrat; Jörg Bauer (51), Bauunternehmer, Backnanger Gemeinderat für das Bürgerforum; Marco Schlich (45), Bauingenieur, Backnang; Roland Stümke (52), Bankkaufmann, Backnang; Andreas Brunold (65), Professor für Politische Bildung und Politikdidaktik in Augsburg; Stefan Braun (56), Leiter des Rechtsreferats im Landwirtschaftsministerium, FDP-Mitglied; Julia Papadopoulos (36), Sales-Managerin und Gemeinderätin der Fraktionsgemeinschaft Grüne, Natur- und Tierschutz in Waiblingen. Auf dem Youtube-Kanal Backnangs gibt es die Vorstellungen aller Kandidaten.

Stimme.de
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