Wenn man im Internet und am Smartphone Raum und Zeit verliert
Gesundheitskonferenz im Hohenlohekreis startet Informationskampagne "Smarter Umgang mit Smartphone & Co. Medien und Gesundheit".Christian Montag spricht zum Auftakt über Auswirkungen von Internet- und Smartphonenutzung.

Der Begriff Smartphonesucht ist ein falscher. Die Apps auf dem Gerät sind das Problem." Professor Dr. Christian Montag sagt dies. Montag ist Heisenberg-Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, und er beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit psychische Funktionen des Menschen durch Technologienutzung verändert werden. In der Kultura hielt er den Vortrag "Internet, Smartphone & Co.: Gibt es ein Zuviel?".
Seit diesem Monat läuft eine Informationskampagne der Gesundheitskonferenz des Hohenlohekreises, die der Frage nachspürt, inwiefern die Smartphonenutzung Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden hat. Der Vortragsabend am Mittwoch, der von Amtsärztin Dr. Antje Haack-Erdmann, dem ersten Landesbeamten Gotthard Wirth und dem medienpädagogischen Berater Alexander Kranich eröffnet wurde, markierte den Auftakt der Kampagne.
Kampf um Aufmerksamkeit
"Die Tech-Konzerne wollen uns auf ihre Plattformen bringen", sagt Montag und er redet sogar von einem "Kampf der IT-Konzerne um unsere Aufmerksamkeit". Gleichzeitig betont der Wissenschaftler aber auch: "Ich bin kein Technologiekritiker", denn die richtige Art der Smartphonenutzung mache den Menschen produktiver und bringe Vorteile mit sich. Und doch spürt der Experte der Frage nach, wo denn die Nachteile beginnen. Einen Nachteil etwa sieht Christian Montag in der Tatsache, dass der Mensch bei der Nutzung von Smartphone und Internet "Raum und Zeit verliere". Wer sich mit Social Media und Computerspielen beschäftige, verbringe schnell mehr Zeit damit, als eigentlich gedacht. Dies passiere, weil Plattformen psychologische Effekte nutzen, die dazu verführen, die eigenen Onlinezeiten zu verlängern.
Eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen
Montag riet deshalb dazu, das eigene Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Zur Verdeutlichung seiner Worte skizzierte er in seinem Vortrag Bilder von Smartphonenutzern, die ruckzuck das Gerät zur Hand nähmen, sobald sie mal mit sich alleine seien oder auch, weil sie nichts verpassen möchten. Der Experte riet dazu, "Situationen zu schaffen, in denen sie es mit sich selber aushalten müssen". Ein weiterer Tipp des Fachmanns war, das Smartphone nicht unbedingt immer offensichtlich auf den Tisch neben sich zu legen. "Es zieht kognitive Kompetenzen ab" und verführe eher dazu, schnell mal danach zu greifen. "Verringern sie ihre Smartphonezeiten."
Auch gehöre das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannt. Der Wissenschaftler sieht es eher kritisch, das Smartphone als Wecker oder Uhr zu nutzen. Er empfahl: "Schaffen sie sich einen Wecker und eine Armbanduhr an."
Digitaler Knigge wäre angebracht

Christian Montag betonte in seinem fesselnden Vortrag aber auch: "Digitalisierung ist per se nicht gut oder schlecht." Vielleicht aber bedürfe es eines "digitalen Knigges". Und weiter meinte er: "Ich glaube wir brauchen ein Stück weit Regulierung, um gesunde Plattformen zu schaffen. Und ich glaube, es ist eine Gesellschaftsaufgabe, digitale Plattformen zu schaffen, die nachhaltig und gesund sind." Auf die Frage aus dem Publikum, ab wann Kinder denn nun ein Smartphone nutzen dürften, wies Christian Montag auf die Notwendigkeit hin, dass Kinder vom dritten bis zum elften Lebensjahr ausreichend "körperlich" spielen sollten. Es sei in Ordnung, dass Kinder begleitet Kontakt zur digitalen Welt hätten. Montag warnte jedoch vor "unreglementiertem Zugang zu Smartphoneplattformen."
Weitere Veranstaltungen im November
Die Infokampagne "Smarter Umgang mit Smartphone & Co. - Medien und Gesundheit" wird veranstaltet von der Gesundheitskonferenz im Hohenlohekreis. Auftaktveranstaltung war der Vortragsabend mit Professor Dr. Christian Montag. Zu Beginn informierten Fachleute im Foyer der Kultura an mehreren Infotischen und -ständen über den Umgang mit Medien und mögliche Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Schüler des Theaterkurses der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule beteiligten sich mit Performances und Standbildern an dem Abend. Weitere Veranstaltungen folgen im November: In der Stadthalle Künzelsau wird das interaktive Theaterstück "TIVI TIVI" für Grundschulklassen der Stufen drei und vier aufgeführt. Das Stück "Heut ist so ein schöner Tag" für die Klassen eins und zwei wird im Kulturhaus Würth aufgeführt.
Zu beiden Stücken, die jeweils am 6. November um 11 Uhr beginnen, muss man sich bei Ariane Kurzhals von der Gesundheitskonferenz, Telefon 07940 18582, anmelden. Am 14. November findet im Forchtenberger Rathaus um 19.30 Uhr der Vortrag "Medien/ Mediengefahren" statt. Im Oktober startet im Hohenlohekreis zum Thema auch eine Plakatkampagne. Bereits seit diesem Monat läuft eine Buskampagne. Die Theateraufführungen, eine Fortbildung für Lehr- und Erziehungskräfte sowie ein Elternabend sind Teil des Präventionsprogramms "echt dabei". Sie werden von der Betriebskrankenkasse BKK-Würth gefördert.
Stimme.de
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