Wenn es pfeift, dann ist´s der Postbote

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Jürgen Brauch ist seit 26 Jahren in Gelb unterwegs

Von Verena Conrad
Fix unterwegs: Zusteller Jürgen Brauch beliefert seine Kunden zuverlässig. Seit einem Jahr braust er auf einem Fahrrad mit Hilfsmotor durch die Stadt.Foto: Conrad
Fix unterwegs: Zusteller Jürgen Brauch beliefert seine Kunden zuverlässig. Seit einem Jahr braust er auf einem Fahrrad mit Hilfsmotor durch die Stadt.Foto: Conrad

Künzelsau - Morgens um 6.30 Uhr. Künzelsau liegt noch im Tiefschlaf. Jürgen Brauch ist schon lange vor Dienstbeginn auf den Beinen. Sechs Tage in der Woche heißt es um 4.30 Uhr: raus aus den Federn. Einen Wecker braucht der Ingelfinger eigentlich nicht. „Man hat sowas wie ’ne innere Uhr“, erzählt er. Sein Stammbezirk ist die Künzelsauer Innenstadt und der „Nordhang“. Wenn der 44-Jährige kreuz und quer durch die Gassen saust, ertönt ein pfeifendes Geräusch. Seit einem Jahr ist er stolzer Nutzer eines Fahrrades mit Elektromotor. Außer Atem kommt er nur noch, wenn die Akkus nachlassen. Ansonsten erklimmt er selbst mit 30 Kilo Post federleicht die Komburgstraße.

Alles in allem mag Jürgen Brauch seinen Job. Seine Stimmung schwankt ein wenig mit dem Wetter und der Postmenge: „Wenn man regelrecht überflutet wird, dann gefällts mir nicht so, sonst schon.“ Vor allem Donnerstag und Freitags ist immer viel zu tun.

Für einen kleinen Plausch fehlt Brauch meist die Zeit. Er hat immerhin 881 Haushalte zu versorgen. Nach einem freundlichen Hallo und einem netten Lächeln flitzt er auch schon weiter. Wenn ihm Kunden im Schlafanzug die Türe öffnen, tut er so, als wäre es das Normalste der Welt. Meist wird er aber schon sehnsüchtig erwartet. In der Morsbacher Straße ruft eine ältere Dame aus dem Fenster im dritten Stock: „Haben sie heute Post für mich?“ Und eine andere Kundin erzählt: „Man merkt, wenn er fehlt, dann hat er zwar ne Vertretung, die kommt aber ganz anders“.

Langfinger haben sich noch nicht an seiner Post zu schaffen gemacht: „Die Leute begutachten eher das Fahrrad, was das für ein Monstrum ist“, erklärt er schmunzelnd. „Das Rad ist gewöhnungsbedürftig, und mit den schweren Kisten wackelt es ganz schön.“ Auf Pflastersteinen oder am Berg kippt so ein Teil auch schon mal um. Bis jetzt hatte Brauch aber immer Glück: „Die Post ist so geflogen, dass die Reihenfolge noch gestimmt hat.“

Als Postbote lebt man nicht ungefährlich. An einem Briefkasten ist zu lesen: „Keine Zeitungen und keine Werbung einwerfen, wen ich trotzdem dabei erwische, dem hacke ich die Finger ab.“ Auch Erfahrungen mit Hunden hat Brauch schon gemacht: „Einmal hat mich ein Dackel hinten in den Fuß gezwickt“, erzählt er. Bei Zusammentreffen mit Hunden empfiehlt er dennoch: Ja nicht weglaufen, sondern ruhig bleiben. Für seine Ausgeglichenheit ist er bekannt. Seine Kollegin Sonja Diehlmann schätzt besonders, „dass ihn nichts aus der Ruhe bringen kann, auch wenn sich die Arbeit dahanne türmt“. Jürgen Brauch und seine Zustellerkollegen sortieren die Post nicht mehr lange in der Bahnhofstraße vor. Voraussichtlich Ende März geht es in den ehemaligen Neukauf. In das Gebäude werden gerade Fenster eingebaut.

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