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Hohenlohe

Wenn Eltern und ihre Kinder Rat brauchen

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Eltern leiden unter der Doppelbelastung von Beruf und Familie, Kinder kommen mit der Scheidung ihrer Eltern nicht zurecht: Es gibt schwierige Situationen, in denen Experten der Erziehungs- und Jugendberatung beratend helfen können. Eine neue Stelle hat nun in Forchtenberg eröffnet. Am 7. Juni soll eine weitere in Krautheim folgen.

Von Renate Väisänen
Vor allem für Ratsuchende, die nicht mobil sind, haben Hedwig Kuhn und Josef Grochla die Außenstelle in Forchtenberg konzipiert.
Foto: Renate Väisänen
Vor allem für Ratsuchende, die nicht mobil sind, haben Hedwig Kuhn und Josef Grochla die Außenstelle in Forchtenberg konzipiert. Foto: Renate Väisänen  Foto: Renate Väisänen

"Erziehungsberatung vor Ort in Forchtenberg". Ein Plakat neben der Eingangstür zum Kinderhaus weist auf das neue Angebot in der Stadt im mittleren Kochertal hin. Durch das Foyer des Kinderhauses geht es an behängten Garderoben und spielenden Kleinkindern vorbei in den ersten Stock des Gebäudes. In einem freundlich eingerichteten Besprechungszimmer sitzt Hedwig Kuhn und unterhält sich mit Josef Grochla, Leiter des Jugendamtes im Landratsamt, über das Novum in der Stadt.

Neben den schon bestehenden Erziehungs- und Jugendberatungsstellen in Öhringen und in Künzelsau hat jetzt eine Außenstelle in Forchtenberg eröffnet. Eine weitere soll in Krautheim am 7. Juni folgen.

Viele Familien sind nicht mobil

Warum ausgerechnet in Forchtenberg und Krautheim? "Vielen Familien ist der Weg nach Öhringen oder Künzelsau einfach zu weit. Dass große Nachfrage für Erziehungs- und Jugendberatung besteht, wissen wir aus zahlreichen Anfragen von Seiten der Familien", erläutert Grochla.

"Die Idee war es, Erziehungsberatung vor Ort anzubieten, da viele Familien nicht mobil sind", erklärt Kuhn, Leiterin der Erziehungs- und Jugendberatungsstelle des Trägers Evangelische Jugendhilfe Friedenshort. Und wie kommt es zu einer derart starken Nachfrage? "Erziehungsberatung tut heutzutage not", führt Kuhn aus.

Eltern seien heute zunehmend verunsichert, was die verschiedenen Entwicklungsphasen ihrer Kinder angehe. Es gäbe ja keine Großfamilien mehr, innerhalb derer Erfahrungen ausgetauscht werden könnten. So brächen auch Vorbilder weg, an denen man sich orientieren könnte.

Doppelbelastung Beruf und Familie wächst

Neben erzieherischen oder psychischen Problemen in der Familie - das hätte die Erfahrung in ihrer beraterischen Tätigkeit gezeigt - seien es vor allem Mütter, die unter der zunehmenden Doppelbelastung durch Beruf und Familie litten, und deswegen das Gespräch suchen würden, weiß die Bretzfelderin. "Die Beratung setzt an dem Punkt an, an dem noch keine schwerwiegenden Fälle vorliegen", meint sie. Auch wenn schwierige Fälle vorliegen würden, hätten die Ratsuchenden hier einen kompetenten Ansprechpartner.

Aber so weit müsse es ja nicht kommen, meint die Expertin für Erziehungsfragen. "Wir vom Jugendamt begrüßen es, wenn sich möglichst viele Eltern an die Erziehungsberatungsstelle wenden. Denn je früher man bei Problemen interveniert, desto erfolgreicher kann man ihnen beikommen", bestätigt auch Grochla. Auch verfahrene, familiäre Situationen, die eine Ehescheidung mit sich bringe, stellten einen Grund dar, sich Rat zu suchen: Neben überlasteten, meist alleinerziehenden Müttern, sei es vermehrt die Problematik von Scheidungskindern, die einen großen Teil der beratenden Tätigkeit einnehme.

Oft würde die Trennung der Eltern auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Da helfe eine begleitende Beratung; auch wenn das Kind schon traumatisiert sei. Oftmals äußere sich das durch Schlaflosigkeit, Leistungsabfall in der Schule oder die vermehrte Tendenz des Kindes sich zurückzuziehen.

Vorerst kleine Angebote geplant

Soweit müsse es aber nicht kommen. "Ich würde allen Eltern raten: Scheuen Sie sich nicht, auch mit kleineren Problemen bei uns Rat zu suchen. Und wenn Sie sich einfach nur aussprechen möchten, wenden Sie sich an uns", lautet Kuhns Rat. "Erst heute Morgen sagte eine Mutter nach unserem Gespräch zu mir: Ach, hat das mal wieder gut getan, sich auszusprechen", erzählt sie aus ihrer Praxis.

"Die Beratungsstelle im Kinderhaus Forchtenberg und in der Förderschule Krautheim stellen vorerst kleine Angebote dar. Wir sind jedoch gespannt, wie es angenommen wird und wie es sich entwickelt", fügt Grochla noch hinzu.


Informationen zum neuen Angebot: Die Erziehungs- und Jugendberatungsstellen des Hohenlohekreises in Öhringen und Künzelsau wie die Außenstellen Forchtenberg und Krautheim bieten pädagogische und psychologische Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche an. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.

In Forchtenberg wie in Krautheim kann das Angebot 14-tägig jeweils donnerstags von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr in Anspruch genommen werden. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Termine können von Montag bis Donnerstag in der Hauptstelle in Öhringen zwischen 8.30 Uhr und 16.30 Uhr unter der Telefonnummer 07941 6084-890 vereinbart werden.

Der nächste Beratungstermin in Forchtenberg im Kinderhaus, im Spitzen 2, wie die erste Sprechstunde in Krautheim in der Förderschule, Wolfgangstraße 50, finden am Donnerstag, 7. Juni, statt.

 

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