Weine sollen ihre Herkunft auch schmecken lassen

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Auf den flurbereinigten Querterrassen im Niedernhaller Gewann Engweg soll der Silvaner wiederbelebt werden

Von Juergen Koch
Thomas Frieben (von links) und von der WG Niedernhall Torsten Kuhne und Helmut Lutz begießen die frisch gepflanzte Jungrebe mit Silvaner.Foto: Juergen Koch
Thomas Frieben (von links) und von der WG Niedernhall Torsten Kuhne und Helmut Lutz begießen die frisch gepflanzte Jungrebe mit Silvaner.Foto: Juergen Koch

Niedernhall - Zentimeter um Zentimeter schraubt sich der Erdbohrer in den Boden. „Wir sind gerade fündig geworden“, sagt Wengerter Peter Schmezer und zieht einen stattlichen Muschelkalk-Brocken raus. „Terroir“, schmunzelt Torsten Kuhne, Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft Niedernhall. „Da tragen wir aber ziemlich schwer dran,“ meint Schmezer.

Immerhin 2400 junge Reben hat WG-Vorstandsmitglied Schmezer auf den Querterrassen des flurbereinigten Gewanns Engweg in den letzten Wochen gepflanzt. Loch um Loch, auf 74 Ar Wengertfläche. Dabei hat er einige Muschelkalkbrocken zu Tage gefördert, die den dortigen Weinen, insbesondere dem Silvaner, das „typische Bodeng’fährtle“ oder auch Terroir verleihen. Für Kuhne ein klares Plus: „Wir wollen keine Allerweltsweine, sondern Herkunft, die man schmecken kann.“

Mit 263 Stöcken Gelber Silvaner, einer kleinbeerigen, wenig anfälligen alten Sorte, soll dort auch eine spezielle Silvaner-Selektion wieder neue Früchte tragen. „Das ist erst mal ein Anfang, trotzdem könnte ich mir davon sogar eine spezielle Edition vorstellen“, sagt WG-Vorstand Helmut Lutz, der den Jungfern-Wein mit dem Jahrgang 2009 erwartet.

Mit der Neupflanzung von insgesamt 20 000 Reben - vorwiegend Riesling und Silvaner - auf knapp fünf Hektar Wengertfläche findet das Projekt Querterrassierung im Engweg seinen Abschluss. Begonnen wurde die Rebflurbereinigung im Juli des letzten Jahres. Wo sich zuvor die Wengerter in den Steillagen schinden mussten, können sie jetzt bequem mit dem Weinbergtraktor fahren und wesentlich wirtschaftlicher arbeiten. „Damit geben wir dem Weinbau im Kochertal und den jungen Wengertern auch wieder eine Perspektive“, sagt Torsten Kuhne, „denn ohne Weinbau würde dem Kochertal landschaftlich wie touristisch was fehlen.“ Wichtig ist ihm auch, mit Silvaner und Riesling zwei für das Kochertal typische Rebsorten zu stärken.

Gerade das Gewann Engweg sei „eine hervorragende Lage, um dieses Profil zu schärfen“. WG-Chef Helmut Lutz sieht in der Querterrassierung auch eine „klare ökologische Aufwertung, weil wir einen Böschungsanteil von fast 50 Prozent haben und sich dort bereits wieder wilde Tulpen und Traubenhyazinthen angesiedelt haben“. Mit rund 50 Prozent Böschungsanteil an den Querterrassen.

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