Was wäre wenn?
Münchner Gastspiel "Gut gegen Nordwind" mit Ann-Cathrin Sudhoff und Ralf Bauer in der Öhringer Kultura.

Liebe im Internet - das ist heutzutage nichts Besonderes mehr. Doch normalerweise gehen dazu zwei Menschen auf eine entsprechende Internetseite, um sich zu finden. Bei Emmi Rothner (Ann-Cathrin Sudhoff) und Leo Leike (Ralf Bauer) allerdings führt nur ein kleiner Tippfehler in der Adresse zu einer E-Mail-Affäre, die sein will, aber nicht sein darf. Das virtuelle Hin und Her der Protagonisten von "Gut gegen Nordwind" wird am Freitagabend in der Öhringer Kultura begeistert aufgenommen.
Bühnenbild
Die Produktion der Komödie im Bayerischen Hof München ist bereits auf seiner sechsten Wiederholungstournee, weil die Inszenierung von Daniel Glattauers Bestseller einfach so gut ankommt. Auch beim größtenteils weiblichen Publikum in Öhringen. Das Bühnenbild zeigt die beiden Lebenswelten der Hauptdarsteller. Die Betten berühren sich, der Kleiderständer wird von beiden genutzt - man zieht sich in dieser Komödie sehr häufig um -, aber sonst wird diese unsichtbare Mauer zwischen den beiden Zimmern zumindest fast nie überwunden.
Emmi will eigentlich nur ein Zeitschriftenabonnement kündigen und schickt dieses aus Versehen an Leo. Daraus entspinnt sich zunächst ein kleiner, frecher Dialog. Die Darsteller sprechen dabei nie direkt miteinander, sondern lesen quasi die E-Mails ins Publikum, während sie in ihren Zimmern agieren. Wein trinken, umziehen, Koffer packen, alles passiert während des "Gesprächs".
Er erzählt von seiner verflossenen Liebe, sie gibt bissige Kommentare dazu ab. Emmi ist verheiratet, will aber eigentlich gar nicht über Bernhard und die Kinder sprechen, denn mit Leo flüchtet sie sich alsbald in eine Außenwelt, Flucht vor der Familie. Die Beziehung vertieft sich, geplante Begegnungen scheitern. "Schreiben Sie mir, küssen ist wie schreiben mit dem Kopf", bittet Leo, bevor er betrunken den Besenstil umarmt. In ihrer Fantasie schaffen die beiden Bilder vom jeweils anderen, denen sie niemals gerecht werden können, wie Leo überzeugt ist. Aber, vielleicht ja doch, was wäre wenn?
Humorvoll und bissig
Was wäre wenn? Diese Frage zieht sich durch das ganze Stück, das mit vielen humorvollen und bissigen Dialogen gespickt ist, aber genauso auch zwischendurch sentimental und dunkel werden kann. Spannend ist es für das Publikum, die offensichtliche Schriftsprache vorgetragen zu bekommen. Das Stück zieht sich über Monate hin, immer wieder wird die Bühne deswegen verdunkelt, was mit der Zeit abgehackte Züge annimmt. Bauer und Sudhoff müssen quasi jeder ihr eigenes Solostück auf die Bühne bringen und das gelingt ihnen mit Bravour. Man fiebert mit, freut sich über Annäherung und ist enttäuscht über zwischenzeitliche Streitpunkte. Und immer bleibt die Frage: Was wäre wenn?
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