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Hohenlohe

Besen to go: Hohenloher Gastronomen mit originellen Abholangeboten

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Einmal Schlachtplatte to go, bitte: Die einfallsreichen Abholangebote der Hohenloher Gastronomen finden eine gute Nachfrage. Aber es gibt auch Ausnahmen.

von Armin Rößler
Bequeme Abholung mit dem Auto oder auch mal dem Traktor: Der Besen Drive-in des Forchtenberger Rebhofs Fröscher erfreut sich dank einer pfiffigen Idee und regionaler Köstlichkeiten guter Nachfrage.
Fotos: privat
Bequeme Abholung mit dem Auto oder auch mal dem Traktor: Der Besen Drive-in des Forchtenberger Rebhofs Fröscher erfreut sich dank einer pfiffigen Idee und regionaler Köstlichkeiten guter Nachfrage. Fotos: privat  Foto: privat

Nein, gebratene Leber ist nicht jedermanns Sache. "Erstaunlich, wie gut das läuft", findet Ferdinand Fröscher. Im "Besen to go" in der Alten Kelter in Forchtenberg gibt es in Corona-Zeiten regionale Hausmannskost zum Abholen. Das sind Gerichte, die die meisten Menschen wohl selbst nicht so oft Zuhause kochen, wie die Schlachtplatte mit Kraut oder der Krustenbraten mit Spätzle.

Zu den je fünf warmen und kalten Speisen auf der Karte kommt zu jedem Besentermin (das nächste Mal am 9./10. Januar) noch das "i-Tüpfelchen" aus der regionalen Küche, zuletzt eben die gebratene Leber. Der Clou: Fröschers Besen funktioniert wie ein Drive-in. Vorbeifahren, bestellen und mitnehmen, bequem aus dem Auto.

Die ganze Familie hilft mit

"Wir haben das relativ unkompliziert eingerichtet und können es mit familieneigenen Kräften stemmen", erzählt Ferdinand Fröscher. Seine Mutter kocht, die Oma und der Vater helfen in der Küche, seine Verlobte Simone sitzt an der Kasse. Über die Nachfrage könne man sich nicht beklagen, aber es fehlten die Getränkeumsätze und die Feste. Ohnehin war der Besen des Rebenhofs nicht gerade vom Glück verfolgt: Eröffnet im Advent 2019, "hatten wir nur dreimal wirklich offen", ehe Corona kam. "Wir sind weit unter dem, was wir normal an Umsatz hätten", sagt Fröscher auch jetzt. Eigentlich hatte der Besen neben dem Weinbau ein zweites Standbein sein sollen.

Große Nachfrage nach der Gänsekeule

"Das wird sehr gut angenommen", sagt Martin Schluchter über den Abholservice seiner Weinstube in Baierbach an den Wochenenden. Vor allem ältere Menschen seien für das Angebot dankbar. Über die Weihnachtsfeiertage beschränkt man sich auf drei Gerichte: die Gänsekeule mit Rotkohl, weil im November die Nachfrage so groß gewesen ist, Damhirschbraten aus eigener Jagd in den Waldenburger Bergen und Schnitzel, jeweils mit Beilagen. "Ein vegetarisches Gericht haben wir leider vergessen", bedauert Schluchter und schmunzelt selbst darüber.

Zum Nachtisch gibt es aber Schwarzwälder Kirschtorte. Außerhalb der Feiertage ist die Karte größer und es wird immer mal wieder gewechselt: Schlachtplatte, Rinderrouladen oder Wildbratwurst hat es zuletzt gegeben. Die Abholung taktet Schluchter in Fünf-Minuten-Abständen, "das klappt gut, die Leute wissen Bescheid". Für die Nachfrage gilt: "Es ist mal mehr, mal weniger."

Gut verpackt: Angelika Walter-Hertweck vakuuminiert portionsweise.
Gut verpackt: Angelika Walter-Hertweck vakuuminiert portionsweise.  Foto: privat

Schwache Resonanz in Krautheim

Nicht gelohnt hat sich der Abhol- und Lieferservice von Wolfgang Riegler im Landgasthof "Zur Krone" in Krautheim. Sein Essen sei qualitativ hochwertig, "das kostet halt", Krautheim sei zudem "ein kleiner Ort", erklärt er sich die schwache Resonanz. Also bleibt über die Feiertage die Küche zu, Riegler macht dann zum ersten Mal seit 40 Jahren frei. "Ich fahre zu meiner Tochter", sagt er, meint aber auch: "Ich tät lieber arbeiten als rumhocken." Zumal die versprochenen finanziellen Hilfen bislang ausgeblieben sind: "Ich habe seit acht Wochen zu und noch keinen Cent gekriegt." Immerhin sei jetzt per E-Mail die erste Hälfte angekündigt worden.

Lange Durststrecke

Wie schwierig die finanzielle Situation für sie und viele Kollegen ist, macht auch Angelika Walter-Hertweck vom Landgasthof-Hotel "Krone" in Sindringen deutlich. Mit der Novemberhilfe rechnet sie "Mitte oder Ende Januar, das ist eine lange Durststrecke", zumal man insgesamt ein "schwieriges Jahr" hinter sich habe. Da tue es richtig weh, wenn die Gastronomen von einigen Seiten als Profiteure der Krise dargestellt würden, weil sie neben der stattlichen Unterstützung auch Einkünfte aus To-Go-Angeboten hätten. "Wir haben das ganze Jahr gekämpft, um die Betriebe überhaupt am Leben zu halten", sagt Angelika Walter-Hertweck klipp und klar.

Noch Potenzial für Silvester

Sie freut sich auf der anderen Seite über eine "ganz gute Nachfrage" für ihre Weihnachtsspeisekarte, "für Silvester haben wir aber noch ein bisschen Potenzial". Speziell die Wildgerichte seien beliebt. Eine Besonderheit sind die vakuumverpackten Gerichte, die man zeitlich flexibel zu Hause selbst einfach wieder erwärmen kann. "Da hat man die Möglichkeit sich für die Feiertage einzudecken", das werde auch gerne angenommen und sei "eine gute Alternative" zum selbst kochen.

 
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