Warum es so schwer ist, einen Zebrastreifen zu bekommen
Der neue Fußgängerüberweg an der B19 in Dörzbach ist hart erkämpft - und der einzige, der in den letzten zehn Jahren im Hohenlohekreis gebaut wurde.

Es sind nur fünf weiße Streifen auf Asphalt. Und so berühmt wie der Zebrastreifen in der Londoner Abbey Road, über den einst die Beatles liefen, wird dieser wohl nicht werden. Doch für die Gemeinde Dörzbach ist der neue Fußgängerüberweg an der Bundesstraße 19 eine Errungenschaft. Schließlich wurde in den vergangenen zehn Jahren im Hohenlohekreis kein einziger Überweg angeordnet. Das teilt das Landratsamt auf Nachfrage der HZ mit. Aber warum ist das so?
Viele Voraussetzungen zu erfüllen
"Zunächst sind die Hürden sehr hoch", erklärt Bürgermeister Andy Kümmerle. Und tatsächlich gibt es laut Straßenverkehrsordnung zahlreiche Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Beispielsweise muss bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern der Überweg aus 100 Metern sichtbar sein, die Wartefläche am Straßenrand aus 50 Metern. Ausschlaggebend sind auch die Menge an Fußgängerquerungen, die dem Verkehrsaufkommen im selben Zeitraum gegenübergestellt werden.
Viel Autoverkehr alleine reicht nicht aus. Das bedeutet: Es wird schlicht gezählt. Und zwar zu einem vom Landratsamt gewählten, vorab nicht angekündigten Zeitpunkt, wie Jürgen Amann vom Straßenbauamt erklärt. "Es muss sichergestellt sein, dass nur gebaut wird, wo es Sinn macht", betont er.
Schulweg kreuzt
An der jetzt gewählten Stelle sei dies der Fall. Und eine weitere Voraussetzung ist erfüllt: Anders als etwa im Bereich Rathaus/Kirche, lasse sich hier der Fußgängerverkehr bündeln. Der Grund: Ein Fußweg mündet in die B19 und setzt sich gegenüber am Ufer des Goldbachs fort. Dieser Weg stellt eine Verbindung von der Ortsmitte über das Seniorenzentrum in Richtung Kindergarten, Schule und Bahnhof dar.
Mit dem Zebrastreifen wird hier also auch eine wichtige Schüler-Route sicherer gemacht. Die abgesenkten Bordsteine machen die Straßenquerung zudem barrierefrei möglich, auch Blindenleitsteine wurden verbaut.
Jetzt noch Tempo 30
"Wir sind natürlich sehr glücklich", betont Andy Kümmerle. "Das Thema Fußgängerüberweg stand seit Beginn meiner Amtszeit auf der Liste", sagt er. Es sei ein großes Anliegen der Bürger, allen voran der Eltern gewesen. Vollumfänglich zufrieden ist Kümmerle aber nicht: "Mein Wunsch war ja eine Ampel", sagt er. Aber da sind noch strengere Voraussetzungen zu erfüllen - die nicht erfüllt waren, wie das Landratsamt auf Nachfrage erklärt.
Auch Tempo 30 würde Kümmerle an der Stelle zufriedenstellen, wie er augenzwinkernd ergänzt. Gleichzeitig hebt er aber auch hervor, dass sich "das Landratsamt sehr ins Zeug gelegt hat, dass wir das gemeinsam hinkriegen." Und auch Jürgen Amann ist froh: "Ich wollte das unbedingt noch abschließen", sagt er. Denn im September geht er in Ruhestand und kann zumindest unter dieses Projekt einen Haken machen.
Bezahlt wird die Maßnahme übrigens vom Bund, da es sich um eine Bundesstraße handelt.
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