Warten, bis das silberne Glöckchen klingelt
Schöntal - Etwas Geduld müssen die Kinder auf Schloss Aschhausen am Heiligabend haben

Schöntal - Der erste Weihnachtsbaum steht schon seit dem ersten Advent vor dem Schloss Aschhausen. "Vor allem die Kinder freuen sich und wissen: Jetzt ist bald Weihnachten", sagt Manuela Gräfin Zeppelin. Für Johann-Karl (6), Caroline (4) und die kleine Alexandra (eineinhalb) hängt im Esszimmer der Familie der Adventskalender, den ihre Großmutter, Gräfin Helga, mit Geschenken gefüllt hat. Für jeden Tag ist in den kleinen Säckchen Platz für eine etwas größere und zwei kleinere Überraschungen. "Dabei lernen die Kinder schon, dass es christlich ist zu teilen", erklärt Manuela Gräfin Zeppelin.
Miteinander
Dass Weihnachten nicht zum Konsumfest wird, ist auf Schloss Aschhausen wichtig. Große Geschenke sind verpönt. Das Miteinander zählt umso mehr, und dafür gibt es schon in der Vorweihnachtszeit viele Gelegenheiten. Etwa beim Backen. Die Plätzchen, die auf dem Teller liegen, hat die junge Gräfin selbst gebacken − und die Kinder haben geholfen. "Und mir zeigen sie dann stolz, was sie gemacht haben", erzählt Johannes Graf Zeppelin von seinem Nachwuchs.
Zu seinen Aufgaben gehört es, am 23. Dezember den Weihnachtsbaum zu schlagen. Der kommt aus dem eigenen Wald. "Das Schlagen ist dabei das geringste Problem", schmunzelt er. "Aber das Aussuchen kann dauern. Sind wir zu fünft im Wald, gibt es fünf verschiedene Meinungen, welcher Baum der schönste ist." Ihn zu schmücken ist dann "Frauensache". Mit roten und silbernen Kugeln, Strohsternen und Lametta verziert ihn Gräfin Manuela. So sah der Baum ihrer Kindheit aus. "Da begegnen sich die Familientraditionen", erzählt ihr Mann vom ganz ähnlich gestalteten Zeppelin"schen Christbaum.
Mittlerweile ist der Baum der jungen Familie bunter geworden. Denn die Basteleien der Kinder fürs Christkind dürfen nicht fehlen. Ein Muss sind auch weiße Wachskerzen, denn die Gräfin ist "kein Fan von elektrischen Kerzen". Damit nichts passieren kann, wenn ein Kind am Baum zieht, wird er zur Sicherheit angebunden.
Zerbrechlich
Während Gräfin Manuela aus ihrer Familie ein kleines Rauschgoldengel-Orchester zum Weihnachtsschmuck beigesteuert hat, steht im Hause Zeppelin die Krippe seit Generationen unterm Baum. Und seitdem sind von ihr besonders die Kinder fasziniert. Nicht zuletzt weil sie so groß ist, dass die Kleinen zum Christkind in die Krippe hinein krabbeln können. "Da muss man sie dann etwas bremsen", erzählt die Gräfin. Denn die Krippenfiguren sind nicht nur alt, sondern auch zerbrechlich.
Bescherung ist auf Schloss Aschhausen nach dem Kirchgang im Kloster. Doch dazu müssen die Kinder zunächst etwas Geduld mitbringen. Sie warten draußen, bis das silberne Glöckchen klingelt. "Dann wissen sie: Jetzt war das Christkind da", erzählt ihre Mutter. Und dann wird zu seinen Ehren vor dem Weihnachtsbaum erst einmal gesungen.
Und auch danach heißt es "Halt", noch sind die Geschenke nicht dran. Dann liest Graf Johannes die Weihnachtsgeschichte vor. "Das steigert die Erwartung um einiges", schmunzelt er und fügt hinzu: "Das war schon zu unserer Kindheit so. Zum Glück haben mein Großvater und später mein Vater schnell gelesen." So macht er es jetzt auch.
Während nach der Bescherung den Kindern der Besuch bei den Großeltern heilig ist, freuen sich die Großen aufs Weihnachtsbuffet. Das ist eine neue Tradition, die Gräfin Manuela, die als Sproß einer Diplomatenfamilie in Frankreich aufgewachsen ist, eingeführt hat. Und so haben "Schweinereien" von Gänseleber bis Lachs, wie sie lachend erzählt, den Waldorfsalat abgelöst.
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