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Waffeln backen in der Suppenküche

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Teilnehmer des freiwilligen sozialen Jahres engagieren sich für einen Tag in anderen Einrichtungen

Von Melanie Kräuter

Bretzfeld - Nikolausgeschenke gab es diesmal nicht. Auf eigenen Wunsch. Stattdessen verteilten die 16- bis 22-Jährigen, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Wohlfahrtswerk Baden-Württemberg machen, selbst Geschenke: Zeit und Engagement.

Noch vor dem offiziellen Tag des Ehrenamts, der heute in Deutschland gefeiert wird, hat eine Seminargruppe den vergangenen Mittwoch zu ihrem Ehrenamtstag ausgerufen.

Während des FSJ, das sechs bis 18 Monate dauert, üben sie soziale Tätigkeiten aus, arbeiten in Kindergärten, Altersheimen, Jugendhäusern oder im Klinikum am Weissenhof. Am Mittwoch schnupperten sie in Einrichtungen hinein, die sie nicht aus dem Alltag kennen, und wo momentan keine FSJler arbeiten.

„Wir haben für Obdachlose Waffeln gebacken“, erzählt der 19-jährige Moritz von der Suppenküche in Heilbronn. Eigentlich macht er ein freiwilliges kulturelles Jahr bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall. Die Suppenküche empfand er „wie eine kleine Stammkneipe mit sehr familiärem Gefühl“. Doch auch kleine Keilereien um die Waffeln hat er miterlebt. Sein Problem: „Man will ja keinen bevorzugen.“

Marken verteilen Die 19-jährige Melanie, die sonst im Kindergarten in Leingarten arbeitet, war für einen Tag im Tafelladen in Öhringen. „Es war schlimm zu sehen, wie viele arme Leute es gibt.“ Sogar an der Plastiktüte würden sie sparen. Nur fünf Leute kommen gleichzeitig in den Laden. Alles kostet weniger als einen Euro, doch Melanie hat gemerkt, dass die Bedürftigen trotzdem bei allem rechnen müssen. „Sie dürfen nicht soviel nehmen, wie sie wollen.“ Schließlich soll für alle etwas bleiben.

Die 18-jährige Dana macht ihr FSJ in der Reha-Klinik Bad Rappenau. Jetzt war sie im Heilbronner Tierheim, hat das Kaninchengehege sauber gemacht, eine Gehege für Chinchillas eingerichtet und war mit Hunden spazieren. Vor allem der Abschied war traurig. „Ich hätte am liebsten alle Hunde eingepackt.“

Nicht beachtet Viele der 30 Teilnehmer waren auch in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Bei der Jule Neckarsulm beschäftigte sich der 20 Jahre alte Simon mit Kindern, die Probleme in der Schule oder zu Hause haben. Sein Eindruck: „Da hocken Kinder drin, die brutal was auf dem Kasten haben.“ Sie seien nur gehandicapt, weil sie daheim nicht beachtet würden. Michael hat im Öhringer St. Joseph-Café für Senioren Butterbrezeln geschmiert, Kaffee gekocht und sich mit ihnen unterhalten. „Es war eine total gemütliche Runde - wie mit der Familie“, erzählt der 19-Jährige.

Fünf Mal im Jahr nehmen die FSJler an einem einwöchigen Seminar teil, diesmal fand es in der Zwickmühle in Bretzfeld statt. Allen Teilnehmern hat der Ehrenamtstag neue Erfahrungen gebracht. Gerne hätten einige noch mehr mit angepackt statt nur zuzusehen. In der Woche beschäftigten sie sich auch mit dem Thema Drogen und machten einen Selbstbehauptungskurs mit Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Kübler aus Heilbronn.

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