Von Null auf Haydn

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Anton Reulow und Goran Skrtic haben in nur einem Jahr ein Instrument erlernt, um ein Benefizkonzert zu spielen

Von unserer Redakteurin Tamara Kühner
Sehen aus wie Profis, sind aber Laien: Anton Reulow (links) am Klavier und Goran Skrtic am Cello.Fotos: privat
Sehen aus wie Profis, sind aber Laien: Anton Reulow (links) am Klavier und Goran Skrtic am Cello.Fotos: privat

Kommt ein Mann zur Klavierlehrerin und sagt: "Ich gebe in einem Jahr ein Konzert, dafür möchte ich spielen lernen." Mal ehrlich, das klingt nach dem Beginn eines schlechten Witzes. Und das wird auch nicht besser, wenn man denselben Spruch bei einem Cellolehrer wiederholt. Aber was ist, wenn das gar kein Witz ist? Dann ist das der Beginn einer unglaublichen, faszinierenden und zweifellos völlig verrückten Geschichte, der Geschichte von Anton Reulow (30) und Goran Skrtic (45).

Reulow und Skrtic arbeiten für ein Versicherungsunternehmen in Krautheim. 2014 haben sie entschieden, ein Benefizkonzert zu geben. Doch keiner von beiden spielt zu diesem Zeitpunkt ein Instrument. Das soll sich schnell ändern. Reulow träumt schon lange davon, Klavierspielen zu lernen. Skrtic interessiert sich für Cello. Also machen sie Nägel mit Köpfen, melden sich zum Unterricht an und − werden belächelt. Kein Wunder, in nur einem Jahr wollen die beiden schaffen, wofür andere jahrelang brauchen.

Üben Entmutigen lassen sie sich aber nicht. In Eigenregie organisieren, planen und finanzieren sie den Konzertabend. An ihrem Instrument üben sie täglich bis zu acht Stunden. Nach nur acht Unterrichtseinheiten spielt Skrtic vor 140 Menschen beim 50. Geburtstag eines Freundes. Kein "Happy Birthday", sondern Haydn. "Das war so schlecht, da hat nix gestimmt", erzählt Skrtic und lacht. Aber der Sprung ins kalte Wasser hilft dennoch, denn auch Auftritts-Situationen müssen geübt sein. "Irgendwann kam der Moment, wo man spürbar besser wurde", erzählt Skrtic. "Mit der Zeit haben dann auch unsere Lehrer verstanden, dass wir das ernst meinen", ergänzt Anton Reulow.

Schließlich, im Januar 2015, steht der Konzertabend unter dem Motto "Das Leben ist schön" vor der Tür. 500 Menschen kommen ins Kurhaus nach Bad Mergentheim, um Teil dieser verrückten Geschichte zu werden. Die beiden Musik-Neulinge werden von anderen Musikern unterstützt. Ein emotionsgeladener Abend mit klassischer und moderner Musik entsteht, der alle Erwartungen übertroffen habe.

Tränen "Am Ende hatten so viele im Publikum Tränen in den Augen", erzählt Reulow, noch immer bewegt, wenn er an das Erlebnis zurückdenkt. Das und die Tatsache, dass 10 000 Euro für krebskranke Kinder zusammengekommen sind, hat sie weiter bestärkt: "Man sollte nicht auf einen bestimmten Moment im Leben warten, sondern einfach tun, was einen glücklich macht." Kein Wunder, dass die Krautheimer bereits ihren nächsten Coup planen.

Im April 2017 soll das zweite Benefizkonzert stattfinden. Dieses Mal in der Bad Mergentheimer Wandelhalle. Dass sie die 800 Plätze füllen, daran zweifeln Anton Reulow und Goran Skrtic keinen Moment. So selbstbewusst sind die beiden allemal. Zumal es nicht um sie gehe, wie sie immer wieder betonen. "Wir werden dieses Mal nur wenig selbst auf der Bühne stehen", kündigt Skrtic an. "Unser Ziel ist, dass die Leute kommen und einen schönen Abend verbringen", sagt er.

Dafür sammeln sie Ideen, arbeiten diese aus und achten genauestens darauf, dass sie ihrem ursprünglichen Konzept zwar treu bleiben, aber dennoch diejenigen überraschen, die 2015 schon dabei waren. Sie schreiben Musikprofis an, um sie ins Boot zu holen, und jeder, der sich mit Ideen, als Helfer oder mit einer Spende einbringen möchte, ist willkommen.

Weitere Infos

www.facebook.com/Anton-Reulow

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben