Von Leerständen und Chancen
Im Künzelsauer Einzelhandel verändert sich zur Zeit einiges. In Haupt- und Nebenstraßen geben sich neue Mieter die Klinken in die Hand oder das Geschäft bleibt ganz leer. Ein Überblick.
In der ehemaligen Sweetbox und heutigen Eis Boutique ging der Umbau fix, erinnert sich Hausbesitzerin Erika Böhringer. Einen geeigneten Mieter zu finden, hat länger gedauert, obwohl es einige Interessenten gegeben habe. Bei manchen hätten sie jedoch das Gefühl gehabt, "das geht nicht lange gut". Die Eis Boutique hat fünf weitere Filialen. "Ich finde Künzelsau schön, klein und gemütlich und war der Meinung, dass hier etwas fehlt", so Inhaber Alberto Codognotto.
Dass das 50 Quadratmeter gro0e Geschäft der einstigen Modeecke in der Hauptstraße frei geworden ist, war für die Inhaberin von Violda Moden, Vitkoria Zahvatorv ein Glücksfall. Nach vier Monaten in der Schnurgasse wollte die 44-Jährige dort schnell weg. "Die ist tot", sagt sie, "da sitzt man den ganzen Tag und, und keine Leute kommen vorbei." Nach fast zwei Monaten fällt die Bilanz in der Hauptstraße viel besser aus. Wer die Entwicklungen in der Hauptstraße beobachtet, merkt schnell: Hier findet sich schnell ein Nachmieter. Im ehemaligen Marbet Reisecenter ist seit Januar die Hörgeräteakustikerin Yvonne Münter und ist überwältigt vom Zulauf. "Nach zwei Monaten hatten wir den 100. Kunden", sagt die Bretzfelderin. Obwohl sie nicht zwangsläufig auf Laufkundschaft angewiesen ist, wäre für sie keine andere Lage als die Hauptstraße in Frage gekommen, da viele "zufällig aufmerksam werden."

Dieter Eichler ist mit seinem Fotogeschäft im Mai vom Oberen Bach in die Hauptstraße gezogen. "Hier laufen wenigstens ab und zu Leute, ein Stück weiter oben ist oft keine Menschenseele." Problem im Künzelsauer Handel seien die Nebenstraßen. Und auch in der Hauptstraße sei der Zulauf viel weniger als früher. Deswegen betrachtet er den Einzelhandel insgesamt sehr besorgt. Chancen sieht er, wenn sich die Mietvorstellungen der Vermieter verändern würden und in inhabergeführten Fachgeschäften.

Gute Lage heißt nicht, dass sich schnell ein Mieter findet. Ein Leerstand, der sich fast schon ins Stadtbild einfügt, ist das ehemalige Eiscafé Sommariva. Ob sich dort bald jemand niederlässt? Die Volksbank als Eigentümerin der Immobilie sagt, sie suche noch und sei in Verhandlungen.
Verändern soll sich die Schnurgasse ebenso wie die Keltergasse. Laut Stadt soll in der Schnurgasse ein Neubau entstehen und die Keltergasse werde durch das Quartier an der Stadtmauer aufgewertet.
Insgesamt kann sich der Einzelhandel im Vergleich zu anderen Städten vergleichbarer Größe sehen lassen, verteidigt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Joachim Schmidt, seine Stadt. Was fehlt uns denn? Will er wissen. Er selbst hat sein Geschäft in der Keltergasse und kann sich nicht beschweren. "Man muss aktiv werden, damit die Leute kommen."
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