Von Eyb will erneut CDU-Landtagskandidat im Wahlkreis 21 werden
Der seit 2011 amtierende Abgeordnete Arnulf von Eyb aus Dörzbach will wieder für die Landtagswahl kandidieren. Noch sind keine weiteren Bewerber in Hohenlohe bekannt. Wie reagieren von Eybs Kritiker nach dem Sommer-Theater?

Arnulf von Eyb will als Landtagsabgeordneter weitermachen: Diese Nachricht hat kein CDU-Mitglied in Hohenlohe wirklich überrascht. Spannend ist sie trotzdem, weil im Sommer 2019 heftige Kritik am Parteikurs im Allgemeinen und der politischen Arbeit von Eybs im Speziellen laut wurde. Teile der CDU-Basis im Wahlkreis 21 brachen zwar keine Revolte los. Sie wagten es aber wie kaum zuvor, dem Abgeordneten und Chef des Kreisverbands Hohenlohe die Leviten zu lesen. Nicht nur intern, sondern auch öffentlich.
Aussprache im Kreisvorstand
Mitterweile hat sich die Aufregung etwas gelegt, weitere Kandidaten für die Nominierungsversammlung am 14. März sind noch nicht bekannt. Anfang Oktober traf sich der CDU-Kreisvorstand in Döttingen zu einer Aussprache. Das hat wohl gefruchtet. Heute bezeichnet von Eyb das Sommer-Theater der Hohenloher CDU als "reinigendes Gewinner, das durchaus auch etwas Positives hatte". Die nächste Landtagswahl ist am 14. März 2021.
Interne Rundmail war Auslöser des Streits
Auslöser des Streits war eine interne Rundmail des Vorsitzenden der Senioren-Union, Claus Bernhold, die den Weg in die Öffentlichkeit fand. An den kompletten CDU-Kreisvorstand adressiert, warf er dem Landtagsabgeordneten darin unverblümt vor, sich weder klar zu wichtigen Themen zu positionieren, noch in den Medien ausreichend präsent zu sein. Bernhold wollte von Eyb und die Partei intern aufrütteln, dass die Mail öffentlich wurde, habe er nicht zu verantworten, betont er gegenüber der HZ. Dennoch: "Das Ganze war tatsächlich ein Weckruf. Einige Leute sind aufgewacht, die ihre Kritik bisher hinter dem Berg gehalten haben."
"Frage nach personellen Alternativen wurde gar nicht gestellt"
Wie ist sein Verhältnis zu von Eyb? "Wir sind keine Feinde", beteuert Bernhold. Bei der Klausurtagung in Döttingen seien alle Probleme erörtert worden. Und: "Die Frage nach personellen Alternativen wurde gar nicht gestellt." Das ist wohl auch anno Januar 2020 noch so: nach offizieller Lesart. "Bis heute hat sich keiner positioniert, der sagt, er wolle dieses Amt auch antreten. Ob es bis zur Nominierungsversammlung der Fall sein wird, bleibt abzuwarten." Interessant: Bernhold trifft diese Aussage mittlerweile als Pressesprecher des CDU-Kreisverbands und ist damit zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Vorgängerin Mirjam Binkowski habe das Amt im Herbst niedergelegt, "weil sie es zeitlich nicht mehr leisten konnte".
Hat von Eyb seit Sommer medial dazugelernt? "Er bemüht sich klar erkennbar um eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, auch in den sozialen Netzwerken." Wie beurteilt Bernhold dessen erneute Bewerbung? "Es ist sein gutes Recht, wieder zu kandidieren. Persönliche Präferenzen spielen dabei keine Rolle. Ich billige jedem zu, dass er im Alter immer besser wird."
Schmezer würde Jüngeren zum Zug kommen lassen
Susanne Schmezer, Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Ingelfingen, sieht das anders. "Wenn er meint, er muss das mit 64 noch einmal machen: Was soll ich dazu sagen? Ich denke, in diesem Alter reicht es. Da sollte man lieber einen Jüngeren zum Zug kommen lassen." Der hätten bei den Wählern "mehr Chancen". Schmezer zählte im Sommer 2019 zu den schärfsten Kritikern von Eybs und traf ihn Ende Oktober in Künzelsau: "Es war ein ordentliches Gespräch. Keiner hat dem anderen die Augen ausgekratzt." Im Juni 2010 kämpfte sie selbst um die Erstkandidatur für die Landtagswahl in der Nachfolge von Jochen K. Kübler - und scheiterte.
Seitdem konzentriert sich die Weinbautechnikerin auf ihren Betrieb. "Ich werde meinen Hut jedenfalls nicht in den Ring werfen." Obwohl sie es vom Alter her gut könnte. Sie ist jetzt 53, "also genauso alt wie von Eyb damals war". Als Zweitkandidatin wurde sie übrigens gewählt. Inzwischen ist die Anbaufläche ihres Weinguts doppelt so groß, für anderes hat sie immer weniger Zeit. "Deshalb nehme ich mich langsam raus der CDU-Politik." Ihre Kritik an von Eyb sei vor allem auf positive Resonanz gestoßen. "Die Leute meinten: Endlich hat mal jemand gesagt, was viele denken." Doch welcher jüngere Kandidat käme für sie infrage? "Rüdiger Volk", bekräftigt sie ihre Empfehlung vom Sommer.
Volk scheut eine "konkrete Antwort"
Der 44-jährige Oberkessacher bewarb sich im Juni 2010 ebenfalls erfolglos um die Landtagskandidatur im Wahlkreis 21. Damals war er 34. Heute ist er Schatzmeister des CDU-Kreisverbands und frisch gewählter Kreisrat. Was sagt er dazu? "Auch wenn ich mit dieser Frage schwanger werden würde, wäre es der falscheste Weg, dies jetzt über die Presse zu kommunizieren. Darüber muss man erst einmal mit anderen Gremien reden", erklärt Volk.
Eine "konkrete Antwort" könne er deshalb nicht geben. Ein klares Dementi klingt indes anders. "Ich bin seit 15 Jahren im Ortschaftsrat, seit zehn Jahren im Gemeinderat, neu im Kreistag und seit vielen Jahren in der CDU aktiv." Wenn Namen gesucht würden, seien solche Referenzen wohl augenfällig. "Andererseits bin ich berufstätig und habe eine Leidenschaft für die Landwirtschaft", so der Geschäfts-führer des Maschinenrings Tauber-franken. "Ich bin nicht auf der Flucht oder Suche nach neuen Herausforderungen."
"Theoretisch ist alles möglich"
Bis 14. März fließe "noch viel Wasser den Kocher, die Jagst und die Kessach hinunter". Es könne so sein wie 2015, als es keinen Mitbewerber gegeben habe. "Es kann aber auch so sein wie 2010, als es sieben Kandidaten gab. Theoretisch ist alles möglich."
Beck bleibt zugeknöpft
Zugeknöpft gibt sich Alexander Beck, Chef des CDU-Ortsverbands Blaufelden. Vertreter von 13 Ortsverbänden trafen sich am 29. Juli mit von Eyb. Beck hatte danach im Namen der Vorsitzenden eine Art Grundsatzpapier verfasst, in dem sie ihren Ärger kanalisierten und die Parteifunktionäre aufforderten, Werte und Ziele der CDU klarer zu positionieren und stärker zu kommunizieren. Von Eybs erneute Bewerbung möchte Beck noch nicht kommentieren: "Ich will mich erst noch mit ein paar Kollegen besprechen, um zu checken, was unsere Wünsche sind was wir als Partei von einem Abgeordneten erwarten."
Laut von Eyb sind die meisten Unstimmigkeiten ausgeräumt
Im August 2019 sagte Arnulf von Eyb der HZ: "Ich bin noch nicht amtsmüde." Insofern ist es keine Überraschung, dass sich der 64-jährige Abgeordnete aus Dörzbach von den CDU-Mitgliedern erneut zum Landtagskandidaten im Wahlkreis 21 küren lassen möchte. Dieser umfasst den kompletten Hohenlohekreis sowie sechs Kommunen im Kreis Schwäbisch Hall. Die Nominierungsversammlung beginnt am 14. März um 16 Uhr und findet damit exakt ein Jahr vor der Landtagswahl am 14. März 2021 statt. Der Ort steht noch nicht fest - in oder um Künzelsau soll es sein.
Am 18. Juni 2010 hatte sich von Eyb in einer Stichwahl knapp mit neun Stimmen Vorsprung gegen Rolf Weibler aus Bretzfeld durchgesetzt. Insgesamt sieben Bewerber kämpften damals um die Nachfolge von Jochen K. Kübler. Am 27. Februar 2015 hatte von Eyb bei der Nominierung leichtes Spiel: Es gab keinen Mitbewerber. Knapp 90 Prozent der 184 teilnehmenden Parteimitglieder stimmten für ihn. Rechnet er diesmal mit einem oder mehreren Gegenkandidaten? "Es drängt mich nicht danach, dass noch jemand kommt." Falls doch, verspricht er ein faires Kräftemessen.
Was ist seit dem Wirbel um seine Person passiert? Von Eyb meint: Die meisten Unstimmigkeiten sind ausgeräumt. Bei der Klausurtagung Anfang Oktober in Döttingen seien im Kreisvorstand "alle wesentlichen Dinge offen angesprochen worden". Es ging vor allem um die Fragen: "Wie gehen wir miteinander um? Und wer hat was zu kritisieren?" Das "sommerliche Gewitter" sei durchaus "reinigend" und "positiv" gewesen. Er habe Kritik angenommen und beherzigt. Er habe in dieser turbulenten Zeit aber auch sehr viel Rückendeckung erfahren.
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