Vom Flachsbrechen bis zum fertigen Leintuch
Aktionstag im Freilandmuseum Wackershofen zeigt bäuerliche Arbeit in Herbst und Winter

Schwäbisch Hall Das Wetter passt sich dem Thema an: bäuerliches Arbeiten in Herbst und Winter. Die Sonne strahlt zwar vom Himmel, doch die Temperaturen in Wackershofen sind herbstlich.
„Flachs wird nicht gepflückt, sondern gerupft“, erklärt Katharina de Ponte, die Weißnäherin des Hohenloher Freilandmuseums. Die Pflanze wird mit der Wurzel aus dem Boden gerissen, damit aus dem Stängel möglichst lange Fasern gewonnen werden können. Dann wird die Pflanze auf einer Wiese ausgebreitet. Wind und Wetter sollen ihr zusetzen. Erst wenn dies geschehen ist, kann der Flachs getrocknet werden. Dies geschieht in der so genannten Darre: In der Schürhütte wird kräftig eingeheizt, damit der heiße Qualm sein Werk tun kann.
Beim nächsten Arbeitsschritt dürfen die Besucher mit anpacken. „Durch das Brechen wird der Flachs geschmeidiger gemacht“, erläutert Theo Götz, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums. Fleißig probieren die Besucher die Flachsbreche aus. Danach geht der jetzt schon viel weichere Flachs zum Hecheln. Hier wird der Flachs über verschiedene harte, mittlere und feine Bretter gezogen. Der Hechelflachs wird weich wie Haar. Auch hier dürfen die Besucher sich selbst versuchen.
Einige nehmen sich ihre selbst gehechelten Flachsstränge mit und bringen sie der Spinnerin und der Weberin ins Haus Frank mit. Hier verarbeitet Inge Böltz den Flachs zu Fäden und die Weberin webt daraus Tücher. Der gehechelte Flachs wird hierfür aufgesteckt und dann herunter gesponnen. Danach kommt er auf eine Spule und diese Spule in das Schiffchen des Webrahmens. Der gewebte Stoff kann verschiedene Qualitäten aufweisen. „Es geht von Leinen Batist bis zu Sackstoff“, führt Katharina de Ponte an. Als Weißnäherin wandelt sie alte Leinenstoffe in stilvolle Kleidungsstücke um.
Ein weiterer Publikumsmagnet an diesem Aktionstag im Freilandmuseum ist die Dreschmaschine. Sie ist mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm schon von weitem zu hören. Mit lautem Getöse trennt sie mitten im Dorf die Spreu vom Korn. Im Haus Härterich sorgen fleißige Damen am alten Ofen unter den wachsamen Augen der Besucher für Nachschub an Gelee und Blooz.
Am Aktionstag im Museumsdorf beteiligt sich auch das Bündnis gentechnikfreies Hohenlohe, das die Besucher über die Risiken der Agro-Gentechnik aufklären will.
Der Tag im Freilandmuseum zieht nicht nur Gäste aus der näheren Umgebung an. Familie Weber kommt aus Heppenheim und macht Urlaub auf dem Bauernhof. Als sie vom Aktionstag erfahren hat, war sie sofort begeistert. „Das Flachsbrechen hat am meisten Spaß gemacht“ erzählt Lena (8) und ihre neunjährige Schwester Leonie stimmt ihr eifrig nickend zu.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare