Voll im Einsatz: Eber Harry springt auf jede fünfte Sau
In Mangoldsall prägt die Landwirtschaft immer noch das Ortsbild

Kalt und neblig: Das ist der erste Eindruck, den Spaziergänger an diesem Dezember-Nachmittag vom Kupferzeller Teilort Mangoldsall bekommen. Es ist still, niemand geht vor die Tür. Der Linien-Bus kommt ohne Fahrgäste an. Er passiert die Haltestelle, ohne anzuhalten. Es folgt ein Streifenwagen der Polizei. Die Beamten wenden ihren Blick nicht von der Ortsdurchfahrt. Es scheint, als wüssten sie, dass es in Mangoldsall für sie nichts zu tun gibt.
Gülle Für Wilfried Fundis gilt das nicht. Der Landwirt im Nebenerwerb pumpt mehrere tausend Liter Gülle aus seiner Grube in einen Tankwagen. Das stinkt. 50 Muttersauen stehen bei Fundis im Stall, dazu bewirtschaftet der Mefa-Materialwirtschaftsleiter noch 20 Hektar Ackerland und eineinhalb Hektar Wald. „Das ist mein Eber Harry“, stellt Fundis den 200-Kilo-Koloss vor und klatscht ihm mit der Pranke kräftig auf den Rücken. Harry darf jede fünfte Sau bespringen, die anderen müssen mit künstlicher Befruchtung vorliebnehmen.
Verkehr Mangoldsall hat nur zwei Straßen. Die Sallstraße führt nach Neuenstein-Langensall, der Blendweg in Richtung Füßbach oder zurück auf die Landesstraße nach Öhringen. Die breiten, unbelebten Ortsdurchfahrten verführen die Autofahrer zum Drücken des Gaspedals. Mit selbstgestalteten Warnschildern versuchen die Mangoldsaller, den Autofahrern ins Gewissen zu reden. „Achtung Kids“ steht auf der einen Tafel, die andere fordert ein Höchsttempo von lediglich 10 km/h.
Kinder Wenn die Autofahrer ihr Temperament zügeln, kann das den Kindern nur recht sein. „Es sind einige junge Familien in den Ort gezogen“, erzählt der Mangoldsaller Andreas Rachl. Im Sommer trifft sich die Dorfjugend zum Baden am Feuerlöschteich oder im Bauwagen. Während der Fußball-WM war die Hütte voll. Frenetisch wurden die Siege der deutschen Nationalmannschaft bejubelt.
Bauern Mangoldsall, 1330 erstmals erwähnt, ist auch 700 Jahre später noch ländlich geprägt. Zwei, drei hübsche Bauernhäuser aus Fachwerk zieren die Ortsdurchfahrt, an anderen Gebäuden nagt der Zahn der Zeit. Leerstand ist auch im Ortskern kein Fremdwort. An einem Mehrfamilienhaus in der Sallstraße zeugt nur noch die Fernseh-Satellitenschüssel von früheren Bewohnern, die Rollläden sind heruntergelassen, der Briefkasten ist zugeklebt.
Arbeit Betriebsferien gibt es in Roland Oettingers Werbeagentur derzeit nicht. Sein Golden Retriever „Larry“ schaut ihm zu, wie er in der Druckmaschine eine Serie Plakate begutachtet. „Zwischen Weihnachten und Neujahr ist die richtige Zeit, das Liegengebliebene in aller Ruhe zu erledigen“, sagt Oettinger. Larry wedelt mit dem Schwanz und nickt. Das deutet wohl auf Zustimmung hin.



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