Volksbank Hohenlohe: Kein Grund zum Jubeln im Jubeljahr
Die Volksbank Hohenlohe wird 175, doch das Geschäftsjahr 2017 reißt keinen vom Hocker: vor allem weil der Zinsüberschuss stark gesunken ist.

Nein, zum Jubeln gibt es in diesem Jubeljahr keinen Anlass. Die Volksbank Hohenlohe feiert ihr 175-jähriges Bestehen, doch bei der Vertreterversammlung am Dienstagabend in der Öhringer Kultura ist die Stimmung eher verhalten bis nüchtern. Auch wenn Aufsichtsrat und Vorstand nochmal ein Auge zudrücken und dem höchsten Bank-Organ vorschlagen, die Dividende auf die einbezahlten Geschäftsguthaben der 44 022 Mitglieder bei sieben Prozent zu belassen: trotz der "extremen Niedrigzinsphase", aber gerade wegen dieses "Jubiläumsjahrs", wie der neue Vorstandsvorsitzende Dieter Karle in seinem ersten Bericht ausführt.
Zinsüberschuss im Sinkflug
Das sind unterm Strich fast 1,6 Millionen Euro, bei einem Bilanzgewinn von rund 3,1 Millionen Euro, der wie ihm Vorjahr zwar durchaus ansehnlich ausfällt, aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der Zinsüberschuss auf den niedrigsten Stand seit langem gesunken ist. Und dieser Wert gibt nun mal Aufschluss darüber, wie profitabel ein Kreditinstitut unterwegs ist. Klar, die Zinsen sind weiter im Keller, die Europäische Zentralbank (EZB) und deren Geldpolitik ist dafür verantwortlich.
"Mit diesem Ergebnis nicht zufrieden"
Darauf hat die Bank wenig Einfluss und muss zusehen, wie der Saldo zwischen Zinserträgen aus dem Kreditgeschäft und Zinskosten aus dem Einlagengeschäft gegenüber 2016 um 3,2 Millionen Euro auf rund 17 Millionen Euro eingebrochen ist. 2014 betrug diese so wichtige Kennzahl noch 25,2 Millionen Euro. "Ja und ehrlich, mit diesem Ergebnis sind wir nicht zufrieden", sagt Dieter Karle. Auch wenn die Mitarbeiter nichts dafür könnten, noch mehr Einsatz gezeigt hätten und die Bank bei der Anlage ihres Kapitals "sehr vorsichtig" sei, was den "Zinsrohertrag" in 2017 schmälere.
Eigenmittel bleiben auf sehr hohem Stand

Auch Verbandsprüfer Arnold Nied bemängelt den bescheidenen Zinsüberschuss, erteilt aber den "uneingeschränkten Bestätigungsvermerk", was so viel heißt wie: Alles okay. 2017 lief zwar nicht besonders rund, aber große Sorgen muss sich die Volksbank Hohenlohe auch nicht machen. Was vor allem daran liegt, dass sie so viel Eigenmittel hat wie keine andere in der Region. Die Gesamtkapitalquote beträgt "sage und schreibe 29,5 Prozent", erklärt Karle. Eigentlich müssten es nur 13,75 Prozent sein.
Die Vermögenslage ist also sehr gut, was andere negative Entwicklungen relativiert. Zum Beispiel das Kreditgeschäft. Arnold Nied vom Geno-Verband Baden-Württemberg bezeichnet es als "weit unterdurchschnittlich". Und Dieter Karle weiß, dass die Volksbank Hohenlohe hier künftig mehr mehr Gas geben muss.
Provisionserträge und Personalkosten
Was die Bank beeinflussen kann, sind die Provisionserträge und die Verwaltungskosten. Die einen sind 2017 gestiegen, die anderen gesunken. Allein die Personalkosten gingen um 840 000 Euro zurück. Niemand entlassen, aber die natürliche Fluktuation nutzen und freie Stellen nicht mehr besetzen. Und: Weniger Servicekräfte, mehr Beratung: Das ist die Marschroute.
Stimme.de
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